China: Der Wachstumsmotor läuft langsamer

Das Wirtschaftswachstum in China ist gegenüber dem Vorjahresquartal um 8,9% gestiegen. Das ist der schwächste Anstieg seit dem zweiten Quartal 2009, als die chinesische Wirtschaft auf dem Höhepunkt der Auswirkungen der Finanzkrise ihr Wachstum auf plus 7,9% drosselte (Chart-Quelle). Volkswirte hatten ein Plus von 8,7% erwartet.

Sowohl Industrieproduktion als auch Exporte schrumpften im November und Dezember im Monatsvergleich, im Jahresvergleich verzeichnet die Industrieproduktion im Dezember jedoch ein Plus von 12,8%. Immobilienverkäufe legten zuletzt langsamer zu, daraus wird geschlossen, dass die Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen Spekulation und steigende Häuserpreise erfolgreich sind.

Wegen der weltweiten Unsicherheiten und des Rückgangs der Nachfrage nach chinesischen Waren rechnen Experten in diesem Jahr mit einem Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft von etwas mehr als 8 Prozent. 2010 war die chinesische Wirtschaft noch um 10,4% gewachsen, im Gesamtjahr 2011 stieg das BIP um 9,2%.

Im Zuge der Bekämpfung der hohen Inflation und der Kontrolle des überhitzten Immobilienmarktes war die chinesische Geldpolitik zeitweilig gestrafft worden. Im Oktober hatte die chinesische Zentralbank aber begonnen, die Geldpolitik wieder etwas zu lockern. Nach Abschwächung des Inflationsdrucks zum Jahresende und wegen der eingetrübten Aussichten für die Exportindustrie nehmen Spekulationen zu, dass die Regierung die Geldpolitik noch weiter lockert. Größere expansive Schritte werden jedoch insbesondere nach der aktuellen Wachstumsrate erst einmal nicht erwartet.

Die Weltbank hat ihre Wachstumsschätzungen aktualisiert und rechnet für China in 2012 mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 8,4%. Das soll auch 2013 etwa so bleiben. Die zunehmende Inlandsnachfrage in China könnte eine schwächere Entwicklung der Exportwirtschaft abfedern, heißt es. Für China, Indien, Brasilien und andere entwickelte Emerging Markets erwartet die Weltbank für 2012 im Schnitt nur noch ein Plus 5,4%, in 2013 6%. Im Juni wurde noch mit 6,2, bzw. 6,3% gerechnet.

Die Investitionsquote in China liegt bei rund 50% des BIP. Das ist hoch im Vergleich zum Anteil der Konsums am BIP von aktuell rund 35%. Die Bruttoanlageinvestitionen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um fast 24%, die darin enthaltenen Bauinvestitionen kletterten um fast 28%. Die Immobilieninvestitionen haben sich seit 2000 in etwa verdoppelt.

Keine Frage, in China hat sich eine Immobilienblase entwickelt – zusätzlich gibt es Anzeichen von spekulativem Fieber. In zahlreichen Städten fallen die Preise für neue Wohnungen seit einigen Monaten. Viele Immobilienentwickler hatten sich wegen der stagnierenden Wohnungspreise auf Gewerbeflächen verlegt. Dort herrscht inzwischen ebenfalls ein Überangebot.

Die Regierung versucht seit zwei Jahren, die Preisexplosion am Immobilienmarkt unter Kontrolle zu bringen. Sie beschränkt die Kreditvergabe, was aber dazu führt, dass Immobilien-Akteure Geldquellen bei Schattenbanken auftun (Chart-Quelle).

Zuletzt waren Wohnungen immer mehr in der Erwartung gekauft worden, sie kurze Zeit später teurer weiterverkaufen zu können. Das erinnert doch sehr an die USA im Jahre 2007. Zuletzt hatte Krugman bereits davor gewarnt, dass sich in China etwas zusammenbrauen dürfte.

Wie es mit jeder Blase so ist – eines Tages muss die Luft entweichen.

Nachtrag:
(20.1.12) Die industrielle Aktivität in China liegt im Januar zum dritten Mal in Folge auf Kontraktionsniveau: Der HSBC-Einkaufsmanagerindex zeigt in erster Veröffentlichung (endgültig: 11. Februar) 48,8 Punkte, im Vormonat wurden 48,7 Punkte gemessen. Indexstände unter 50 Punkten zeigen eine Kontraktion der Aktivität an. HSBC zufolge deutet der Indexstand darauf hin, dass die “Peoples Bank of China” weitere Lockerungsmaßnahmen für notwendig halten könnte.

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