BIP-Entwicklung der USA enttäuscht

Die erste Vorabschätzung der US-BIP für das vierte Quartal 2011 kam mit annualisiert plus 2,8% schwächer als mit plus 3,1% erwartet herein. Im Vorquartal waren 1,8% Zuwachs des BIP ermittelt worden.

Im Jahresvergleich stieg das BIP um 1,6% nach plus 1,5% im Vorquartal.

Betrachtet man die Struktur der Zahlen hinter der „Zuwachs-Fassade“, ergibt sich ein weniger günstiges Bild.

Die „final sales“ stiegen im vierten Quartal um annualisiert 0,8% nach plus 3,2% im dritten Quartal. Die „final sales“ an inländische Kunden stiegen um 0,9% nach 2,7% im Vorquartal.

Die Konsumausgaben (PCE) wuchsen um 2% nach 1,7% im dritten Quartal. Dahinter steckte ein starker Zuwachs bei den Anschaffungen dauerhafter Konsumgüter, dem nur geringe Steigerungen bei anderen Ausgabenkategorien gegenüber standen.

Die Staatsausgaben sanken um 4,6% nach minus 0,1% im Vorquartal.

Durchwachsen die Bilanz bei den Investitionen, der Zuwachs betrug hier brutto 3,3%. Im Einzelnen: Die Ausrüstungsinvestitionen legten um 5,2% zu, die gewerblichen Bauinvestitionen sanken deutlich um 7,2%, die Wohnungsbauinvestitionen stiegen hingegen um „Lichtblick-hafte“ 10,9% (Vorquartal: 1,3%).

Der Lager-Aufbau trug alleine 1,94% zum Gesamt-Wachstum bei.

Der BIP-Deflator ging scharf auf plus 0,4% zurück, im dritten Quartal hatte er noch bei plus 2,6% gelegen (siehe Chart!). Analysten hatten einen Anstieg von 1,5% erwartet. Der Kern-PCE-Preis-Index stieg sogar nur um magere 0,3% im Quartalsvergleich und im Jahresvergleich um 1,7%. Das liegt unter dem Fed-Target von 2%.

Nach der Veröffentlichung der Zahlen gingen die Aktien-Futures in den USA leicht zurück, der DAX gab ebenfalls etwas ab, Rohstoffe verbilligten sich, TBonds reagierten kaum. Gold gab kurz ein paar Dollar ab auf unter 1720, machte diese kleine Scharte aber schnell wieder wett.

Offenbar hatten die US-Unternehmen für das vierte Quartal mit einer starken Konsumnachfrage gerechnet, die so nicht eingetreten ist. Das erklärt den relativ starken Lageraufbau. Hier dürfte sich auch die mehrfach erwähnte nachhinkende Entwicklung beim verfügbaren realen Einkommen in den USA ausgewirkt haben.

Der Lageraufbau dürfte ein Vorbote für ein schwaches Wachstum im ersten Quartal 2012 sein. Das dürfte auch die Preis-Indices unter Druck halten und sich indirekt auf die Unternehmensgewinne auswirken.

Andererseits facht genau das Hoffnungen auf eine baldige weitere Runde bei den geldpolitischen Lockerungsübungen der Fed an. Vermehrte Liquidität führt in den meisten Fällen zu steigender Risikoausrichtung.

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