Fed: Billiges Geld bis Ende 2014

Das Kommunique der gestern zu Ende gegangenen FOMC-Sitzung der Fed beinhaltet die Zusicherung, die Zinsen noch für mindestens zwei Jahre (bis Ende 2014) tief zu halten. Bisher war als Ziel für das Ende der ultraniedrigen Zinsen Mitte 2013 kommuniziert worden.

Die Fed setzt nun auch zum ersten Mal in ihrer fast hundertjährigen Geschichte ein Inflations-Ziel bei 2% an, wie viele andere Zentralbanken auch. Das gesetzte Ziel ist (leicht) höher als das der EZB mit „unterhalb, aber nahe an 2%“.

Bernanke betonte, die Fed wolle zwar „kein bedingungsloses Versprechen“ abgeben, wie lange sie den Leitzins tatsächlich so niedrig halten wird. Er sagte aber auch, dass die Fed bereit ist, ihre Geldpolitik weiter zu lockern, wenn sich der Arbeitsmarkt nicht wie erhofft erholen und die Inflationsrate niedriger als gewünscht ausfallen sollte. Laut FAZ könne er der Wirtschaft nicht bescheinigen, dass sie bereits in einer stärkeren Phase sei.

Die „Operation Twist“ soll weiter gehen, d.h. die langen Zinsen sollen weiter gedrückt werden. Auch per Anleihe-Rückzahlung frei werdende Beträge sollen reinvestiert werden in Hypotheken-Anleihen von „Fannie“ und „Freddie“. Damit wird die Bilanz der Fed nicht verkürzt.

Die FOMC-Mitglieder sehen allgemein vier bis 4,5% als die richtige langfristige Fed Funds Rate an. Aktuell liegt sie zwischen Null und 0,25%.

Für 2012 sieht die Fed ein BIP-Wachstum zwischen 2,2 und 2,7%; 2013 wird von 2,8 bis 3,2% ausgegangen. Langfristig werden plus 2,3 bis 2,6% erwartet. Dies bedeutet eine (weitere) Reduktion gegenüber dem Ausblick von November 2011. Damals war für 2012 ein Wachstum von 2,5 bis 2,9%, für 2013 3,0 bis 3,5% angenommen worden. Langfristig sollte es bei 2,4 bis 2,7% liegen, heißt es.

Die Arbeitslosigkeit soll 2012 zwischen 8,2 und 8,5% liegen (November: 8,5 bis 8,7%), in 2013 werden 7,4 bis 8,1% erwartet (November: 7,8 bis 8,2%). Langfristig wird mit 5,2 bis 6,0% gerechnet (November: gleich).

Die Preissteigerung bei den Konsumausgaben („PCE-Inflation“) soll für 2012 bei 1,4 bis 1,8% liegen (November: gleich), 2013 werden 1,4 bis 2,0% erwartet (November: 1,5 bis 2,0%). Langfristig: 2,0% (November 1,7 bis 2,0%).

Das Festlegen eines Inflationsziels soll dazu dienen, der Erwartungshaltung der „Märkte“ einen Anker zu bieten. Sprich, im aktuellen Umfeld möchte die Fed diese zwei Prozent auch sehen und wird im Zweifelsfall versuchen, per geldpolitischer Lockerung „nachzuhelfen“. Daraus, dass die avisierte PCE-Inflation erst für 2013 bis zwei Prozent gehen könnte, kann man schließen, dass mögliche weitere geldpolitische Lockerungen (vielleicht QE3) nicht so weit entfernt liegen. Das lässt sich auch aus der Tatsache schließen, dass die Wachstumserwartungen gegenüber November weiter reduziert wurden.

Edelmetalle reagierten stark auf die Fed-Ankündigung. Gold sprang über eine wichtige Abwärtslinie, mit der das Metall in den zurückliegenden Tagen gekämpft hatte. Aktien steigen moderat, der Tech-Bereich beflügelt durch Apple-Zahlen vom Vortag. Die Aussichten trieben auch die asiatischen Aktienmärkte an, der HSI legte deutlich zu, der Nikkei verkaufte seine Eröffnung und endet 0,4% im Minus.

Der Dollar-Index hatte gestern zeitweilig den wichtigen Pegel bei 80,30 im Test, endete aber deutlich tiefer. Das kann ebenso als Zeichen von Risikoneigung interpretiert werden wie Euro/Dollar über 1,30 (aktuell an 1,31).

Auch wenn die Märkte bullisch (mit „Risk on“) reagiert haben. Die Tatsache, dass die Fed die Phase von Zinsen nahe Null so stark verlängert, zeigt: Ihre Aussichten auf die wirtschaftliche Erholung trüben sich immer mehr ein (was ja auch die weitere Zurücknahme der Wachstumsprognosen nahe legt). Das gestrige FOMC-Meeting bestätigt somit die Erwartung, dass Erholungen nach Finanzsektor-Rezessionen mühevoll und schmerzhaft sind – Erinnerungen an die „verlorene(n)“ Dekaden in Japan nach 1990. Siehe auch „Aufschwung 2012?„!

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