Newsletter KW47/11

Die „Märkte“ orientieren sich auf den 9. Dezember hin. An diesem Tag soll ein Gipfeltreffen die „endgültigen“ Weichen zur Lösung der Schuldenkrise der Eurozone stellen. Zum wievielten Male eigentlich? Die Hebelei der EFSF, Ende Oktober beschlossen, konnte lediglich ein Strohfeuer entfachen. Schnell war klar, dass das „Angebot“ von den „Märkten“ als nicht ausreichend abgetan wurde.

Daraufhin unternahm die EU-Kommission in dieser Woche einen neuerlichen Vorstoß in Richtung Eurobonds, diesmal „Stabilitätsbonds“ genannt. Es bleibt dabei:

Eurobonds – nein danke!

Wie würde eigentlich sichergestellt, dass eine bei der Einführung von Eurobonds z.B. von Monti und seiner Übergangsregierung erteilte Zustimmung zur anteiligen Haftung seines Landes nicht von der nächsten Regierung unter z.B. dem illustren Berlusconi sogleich wiederrufen würde? Abgesehen davon sind Eurobonds in Deutschland nach dem BVG-Urteil von Anfang September mit hoher Wahrscheinlichkeit als nicht-verfassungsgemäß einzustufen.

Hier lauern extrem schwierige rechtliche Probleme, die ihren Ursprung in der Fehlkonstruktion der Eurozone, in ihrem „Geburtsfehler“, haben: Eine Währungsunion bei gleichzeitiger fiskalpolitischer Unabhängigkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten kann nur bei schönem Wetter funktionieren. Eine schnelle Lösung ist da nicht in Sicht.

Die „Märkte“ aber machen jetzt so viel Druck wie nie. Es bleibt aus ihrer Sicht nur eines: Die EZB muss die Bazooka rausholen, sie muss unbegrenzt Anleihe-Müll ankaufen. Deutschland haftet mit 27% für alles, was die EZB tut.

Mehr zur Schuldenkrise der Eurozone:

“Explosiv”, “galoppierend” – so kommentierten griechische Medien die Mitteilung des Griechischen Rechnungshofs, dass die griechische Staatsverschuldung auf 165% des für 2011 zu erwartenden BIP von knapp 220 Mrd. Euro gestiegen ist…

Griechenland…

Die Rentenmärkte Belgiens, Frankreichs, Österreichs, Finnlands und der Niederlande sind unter deutlichen Druck geraten. Das Misstrauen der Anleger gegenüber dem Krisenmanagement der Eurozone hat damit Kern-Europa erreicht…

Eurozone: Krise erreicht Kern-Europa

Ende vergangener Woche schreckte eine Meldung auf, asiatische “real-money” Investoren trennten sich in großem Stil von deutschen “Bunds”. In der Tat hatte der Bund-Future am 9. November ein Hoch bei über 139…

Deutschland angesteckt?

 

Die Eurozonen-Krise bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Gold, Euro und Dollar. Blicke auf die Charts:

Seit Mitte 2001 kannte Gold übergeordnet nur eine Richtung – aufwärts. Mitte 2005 schaltete Gold einen Gang höher, im Herbst 2008 beschleunigte es weiter nach oben. Ende Januar gab es noch mehr…

Gold – Hausse vorbei?

Der Dollar-Index ist gestern über 78,40 gestiegen. In den fünf Tagen zuvor war dieser Pegel wiederholt angegangen worden, wurde aber per EoD stets respektiert. Mit dem gestrigen Ausbruch wurden zudem zwei wichtige…

Dollar-Index bricht aus

 

In Zusammenhang mit einem stärkeren Eingreifen der EZB wird auch immer wieder vor Inflationsgefahren gewarnt. So eindeutig ist der Zusammenhang jedoch nicht. Zuletzt lässt sich anhand verschiedener Indikatoren feststellen, dass die Inflationserwartungen sogar zurückgehen:

Inflationserwartungen sinken

 

Auch ein Krisenindikator? Laut Bericht des World Gold Council (WGC) haben Zentralbanken im 3. Quartal ihre Goldkäufe mehr als verdoppelt. Es seien 148,4 Tonnen Gold angekauft worden…

Staaten mit starken Goldkäufen

 

Ein schönes Wochenende!

Klaus Singer

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