Gold: Boden erreicht?

Gold zeigt seit der Jahreswende etwas Stärke. Das „Krisenmetall“ hatte zuletzt den Support bei rund 1200 Dollar kurzzeitig verletzt, aber eine knapp darunter verlaufende langfristige Aufwärtslinie aus 2005 respektiert. Jetzt steht der Goldpreis in Dollar an einer Abwärtslinie aus Januar 2013.

Die beiden folgenden Charts zeigen die Kurshistorie über die zurückliegenden zehn Monate, bzw. den Verlauf seit 2000 – beides in Dollar.

Tom McClellan macht in seinem Wochenchart darauf aufmerksam, dass die Kursentwicklung in Euro konstruktiver aussieht (siehe Chart!). Die Geschichte habe gezeigt, dass bei solchen Divergenzen der Goldpreis in Euro fast immer frühzeitig auf der richtigen Seite lag, schreibt er dazu.

Per Schlusskurs vom Freitag notiert der Goldpreis in Dollar nun an einer (violetten) Abwärtslinie aus Januar 2013. Im August und Oktober 2013 war die Aufwärtsentwicklung des Preises hier zuletzt gescheitert – stehen die Chancen für einen Ausbruch dieses Mal besser?

Ich denke schon. Aber selbst wenn dieser zunächst nochmals verschoben werden sollte, stehen die Chancen gut, dass die Preisentwicklung im Bereich von 1200, bzw. an der besagten langfristigen (grünen) Aufwärtslinie erneut abgefangen wird und der Bruch beim nächsten Mal gelingt.

Für eine längerfristige Entwarnung ist es dann aber immer noch zu früh. Die harte Bewährungsprobe gibt es im Bereich von 1315. Hier liegen das 50%-Retracement zwischen dem Tief aus November 2008 (auch dem damaligen Test der langfristigen grünen Aufwärtslinie) und dem Hoch aus September 2011, sowie weitere Abwärtslinien. Erst wenn diese statischen und dynamischen Widerstände mit Notierungen oberhalb von 1350 klar überwunden worden sind, kann aus langfristiger Sicht zunächst bis zum Pegel bei 1550 Entwarnung gegeben werden.

Dass die Goldpreisentwicklung gerade jetzt Anlass zu neuer Hoffnung gibt, wo die Fed ihre Geldflut einzudämmen beginnt, verwundert zunächst etwas.

Paul Craig Roberts befasst sich mit der Frage der Manipulation des Goldpreises. Im Gegensatz zu manchem Geschrei verwendet er zusammen mit Dave Kranzler einige Sorgfalt darauf, dies nachzuweisen. Die Autoren schreiben, der erste Beweggrund für die Manipulation des Goldpreises durch die Fed sei es, zu verhindern, dass der Außenwert des Dollar als Folge der massiven QE-Maßnahmen kollabiert und damit das Vertrauen in die Welt-Leit-Währung verloren geht.

Roberts und Kranzler gehen davon aus, dass die Fed im Zuge der Manipulationen des Goldpreises einen großen Teil der ihr anvertrauten Goldbestände nicht mehr in ihren Tresoren hat.

Große Käufer wie etwa China bestehen jedoch seit einiger Zeit darauf, dass das Gold physisch geliefert wird und nicht länger bei der Fed, der Bank of England oder bei Bullion-Banken gelagert wird. Schon 2011 hatte Venezuela von der Fed die Auslieferung von dem Land gehörenden 160 Tonnen Gold verlangt, was vier Monate gedauert hatte. Um solche Ansprüche auf Lieferung erfüllen zu können, muss das Gold erst wieder beschafft werden – natürlich zu möglichst niedrigen Preisen. Das ist das zweite Manipulations-Motiv.

Die “Royal Bank of India” berichtet, dass die Papier-Ansprüche auf Gold mittlerweile 93 mal so hoch sind wie das zur Auslieferung verfügbare Metall. Das wird als Auswirkung der Taktik der Fed dargestellt, solche Papier-Ansprüche massenhaft geschaffen zu haben, um sie zwecks Preisdruck zu verkaufen.

Die Autoren gehen davon aus, dass die Möglichkeiten zur Manipulation in dem Maße schwinden, in dem sich das Zentrum des physikalischen Goldhandels von New York und London nach Asien verschiebt.

Ein Anhaltspunkt, dass diese Darstellungen nicht ganz aus der Luft gegriffen sind, ergibt sich aus der Tatsache, dass der Beginn des stärksten Preissturzes von Gold zusammenfällt mit dem Start der jüngsten Ausweitung der QE-Aktivitäten (siehe die Kommentare im langfristigen Chart!). Die Fed hatte im Dezember 2012 beschlossen, neben dem im September 2012 gestarteten Programm zum Erwerb von Hypothekenpapieren im Volumen von monatlich 40 Mrd. Dollar zusätzlich auch Treasurys im Volumen von anfänglich 45 Mrd. Dollar pro Monat zu kaufen. Kurz darauf fiel die Unterstützung bei 1670 Dollar, per Ende Juni 2013 notierte der Goldpreis bei 1200.

Wenn die Darstellungen von Roberts und Kranzler so stimmen, wäre die Reduzierung der QE-Maßnahmen, das nun eingeleitete „QE-Tapering“, ein Hoffnungszeichen für die Goldpreis-Entwicklung, weil dadurch tendenziell ein Beweggrund an Bedeutung verliert, den Preis weiter nach unten zu manipulieren.

Wenn die Darstellungen stimmen, wird man sich allerdings wohl auch darauf gefasst machen müssen, dass es im Bereich 1300/1350 erneute massive Versuche geben wird, den Anstieg des Goldpreises zu bremsen.

Gold hat wichtige Funktionen als Absicherung gegen alle möglichen Krisen und Katastrophen, sowie gegen Folgen von Geldwertverlust und Inflation. Diese Phantasie findet im aktuellen Umfeld noch relativ wenig Nahrung. Andererseits dürfte es genügend Akteure auf den Finanzmärkten geben, die das gedrückte Preisniveau als Einstiegsgelegenheit sehen, wie sich an der Entwicklung der Positionierung in Futures zeigt.

Nachtrag:
(22.1.14) Folgende Grafik ist einem Artikel bei Zerohedge entnommen. Sie zeigt die Entwicklung der Papier-Ansprüche auf Gold zu dem zur Auslieferung verfügbaren Metall und sie zeigt, wie die Divergenz zwischen beiden seit 2013 explodiert ist.

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