Vorerst keine QE-Reduktion

Die Fed überrascht die Finanzmärkte – sie stellt den Beginn der QE-Reduktion zurück. Die überwiegende Mehrheit der Beobachter hatte erwartet, dass sie auf ihrer gestrigen FOMC-Sitzung beschließt, das Volumen ihrer QE-Maßnahmen um monatlich 10 auf dann 75 Mrd. Dollar zurückzufahren.

Als Hauptgrund für ihren Schritt gibt die Fed ihre Besorgnis über die fiskalischen Belastungen (Schuldendeckel…) an, zudem seien die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt weiterhin fragwürdig.

Sie wird damit wie bisher monatlich für 40 Mrd. MBS-Papiere und für 45 Mrd. Dollar langfristige Treasuries kaufen. Die Leitzinsen sollen zumindest so lange unverändert tief bleiben, so lange die Arbeitslosenquote über 6,5% notiert, die Inflation auf Sicht von ein bis zwei Jahren nicht höher als 0,5% über dem langfristigen 2%-Ziel liegt und die längerfristigen Inflationserwartungen gut verankert sind.

Bezogen auf die Verfassung der Gesamtwirtschaft sagte die Fed, die wirtschaftliche Aktivität expandiere moderat. Sie senkt ihren Ausblick auf das Wachstum. Jetzt sollen es in 2013 nur noch 2% bis 2,3% werden (Projektion im Juni: 2,3-2,6%). Für 2014 wird plus 2,9-3,1% erwartet (Projektion im Juni: 3,0-3,5%).

Bei der Inflation fokussiert die Fed (weiterhin) den Core Price Index (PCEPILFE), den sie dem aus einem festen Warenkorb konstruierten CPI vorzieht, weil er die Lebenshaltungskosten besser wiederspiegelt. Was die Arbeitslosenquote angeht, so sei diese nicht zwangsläufig ein gutes Indiz, sagte Bernanke in der Pressekonferenz im Anschluss an die FOMC-Entscheidung. Sie sei zum Teil durch den Abgang von nicht mehr Arbeitssuchenden aus der Statistik verzerrt. Daher werde man auf eine breiter angelegte Verbesserung im Arbeitsmarkt achten (die Yellen-Charts – siehe Artikel zu „QE-Tapering“).

Mit der Veröffentlichung des Sitzungsergebnisses der Fed gestern um 20:00 MEZ stiegen alle Assetklassen signifikant an – Gold wieder über ~1350, Euro/Dollar auf 1,35, Dollar-Index fällt auf sieben-Monats-Tief, TBonds plus 1,5%, S&P 500 plus 1,2%. Dow und S&P 500 markieren neue Allzeithochs. Der Aktienindex der Hausbauer (HGX) mit plus 4,3% sehr fest, der S&P Rohstoff-Sektor plus 2,3%. Auch die Ölpreise erhalten einen Schub – sie waren allerdings schon zuvor angelaufen, weil die Rohöllagerbestände gemäß US-Ölmarktbericht deutlich zurückgegangen sind.

Die 10yr-Bond-Rendite sinkt zeitweilig auf unter 2,7% – ein wichtiges Signal für die Zinsentwicklung weltweit, auch für die Emerging Markets.

Zur „Freude“ der “Märkte“ trug auch bei, dass Janet Yellen seit gestern offiziell als Frontrunner für die Fed-Chef-Nachfolge gilt.

Beobachter sagen, der Schritt der Fed bedeute nicht, dass der Beginn der QE-Reduktion lediglich um drei Monate verschoben wird; es werde die Tür geöffnet für ein viel länger laufendes QE-Programm. Das wiederum bedeute, dass das Datum der ersten Zinserhöhung weit hinausgeschoben wird – wahrscheinlich bis 2016. Von einer kurzfristigen Perspektive her sei die Wendung der Fed gut für Aktien, von der Warte der Realwirtschaft allerdings bedeutet das, die Fed ist diesbezüglich nervöser als allgemein angenommen.

Ich möchte noch einen anderen Aspekt der gestrigen Fed-Überraschung ansprechen.

Da stimmt die Fed die Anleger monatelang darauf ein, dass es zu einer baldigen Reduktion der QE-Maßnahmen kommt. Der eine oder andere Beobachter wunderte sich zwar mit Blick auf den Arbeitsmarkt über die Inkonsistenz eines solchen Schritts in Bezug auf frühere Aussagen. Aber letztlich hatten die Märkte den Beginn einer gemäßigten QE-Reduktion eingepreist.

Und dann kommt die Fed und sagt „Ätsch!“. So sehr die „Märkte“ den Fortgang der Geldflut zwar kurzfristig begrüßen mögen, übergeordnet hat die Fed damit Vertrauen in die Verläßlichkeit ihrer politischen Linie verspielt.

Möglicherweise hängt der Schlingerkurs der Fed hinsichtlich der QE-Maßnahmen aber auch mit der im Januar 2014 endenden Amtszeit von Fed-Chef Bernanke zusammen. Unter seiner Führung schwoll die Bilanz der Notenbank auf einen historisch einmaligen Umfang an. Vielleicht wollte er auch in die Geschichte eingehen als der, der gewillt ist, diese Entwicklung wieder umzukehren.

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