VIX auf fünf-Jahres-Tief

Der VIX, der Maßstab für die auf Sicht von 30 Tagen erwartete Volatilität im S&P 500, hat gestern mit 13,70 ein fünf-Jahres-Tief markiert. Je niedriger sein Wert, je weniger erwarten Marktteilnehmer auf kürzere Sicht Turbulenzen, je weniger wird auch die Notwendigkeit gesehen, sich gegen Kursverluste abzusichern.

VIX (im Chart schwarz) und S&P 500 (rot) laufen invers zueinander. Bedeutende untere Wendepunkte im VIX sind gleichzeitig Warnsignale vor bald einsetzenden, deutlichen Kursrückgängen im S&P 500. Der zeitliche Zusammenhang ist eng, wenn auch nicht taggleich.

Niedrige VIX-Werte sind normalerweise gleichzusetzen mit Sorglosigkeit. Wenn Sorglosigkeit zu übergroßem Optimismus führt, ist ein deutlicher Kursrückgang vorprogrammiert. Im aktuellen Kontext kann allerdings von „übergroßem Optimismus“, bzw. „Gier“ (noch) keine Rede sein, wie der nachstehende Chart zeigt. Der momentane „Gemütszustand“ der Marktteilnehmer ist eher im Mittelfeld zwischen Angst („Fear“) und Gier („Greed“) anzusiedeln, noch steht die berühmt-berüchtigte „Wall of worry“, an der die Kurse hinaufklettern.

Die Akteure sind beherrscht von ihrer Erwartung, dass die großen Notenbanken früh im September geldpolitische Maßnahmen zur weiteren Liquiditätsflutung der Finanzmärkte ergreifen. Je schwächer sich die Wachstumsaussichten präsentieren, je eher versteift man sich darauf. Und Wachstumsschwäche zeigt sich allerorten, zuletzt in Japan, wo der Zuwachs des BIP im zweiten Quartal nur halb so groß ausfiel wie erwartet. Einige Tage zuvor offenbarte auch die chinesische Wirtschaft weitere Schwäche, wenn auch auf immer noch hohem Niveau. Und aktuell wurde gemeldet, dass das BIP der Eurozone gemäß der ersten offiziellen Vorabschätzung im zweiten Quartal um 0,2 % geschrumpft ist nach 0,0 % im Vorquartal.

Der September ist als „Katastrophen-Monat“ bekannt. Gut möglich, dass die Akteure erstens mit den eintretenden Erwartungen hinsichtlich Notenbank-Politik beginnen, die Neuigkeiten zu verkaufen (und sich daraus eine Kaskade von Gewinnmitnahmen entwickelt). Andererseits ist für den 12. September die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts hinsichtlich ESM und Fiskalpakt terminiert. Andere Katalysatoren können natürlich auch jederzeit von der Eurokrise geliefert werden. So muss etwa Griechenland am 20. August mind. 2,6 Mrd. Euro an Schulden zurückzahlen.

Die Erwartung massiver geldpolitischer Maßnahmen hatten zuletzt in den USA Mitglieder des FOMC ebenso geschürt (QE3) wie EZB-Draghi, der starke Anleihekäufe hinsichtlich Italien und Spanien in Aussicht stellte. Es ist logisch, dass den Notenbanken dabei insbesondere die Aktienmärkte „am Herzen liegen“. Schließlich geht hiervon ein potenzieller Wohlstandseffekt aus, den man nicht auch noch den „Bach runter gehen“ sehen will.

Angesichts des erreichten VIX-Niveaus liegen allerdings die Chancen, bzw. Risiken, jetzt eindeutig auf der Seite fallender Kurse. Zuvor allerdings ist es keineswegs ausgeschlossen, dass der S&P 500 z.B. im Rahmen eines Blowoffs sein bisheriges Jahreshoch bei 1419 übertrifft. Nachhaltig dürfte dieser Ausbruch gegenwärtig aber nicht sein.

Mehr zu anstehenden wichtigen Ereignissen: „Ein spannender September?

Zum Thema „VIX“ auch: „A muted Vix

Nachtrag:
(19.8.12) Per zurückliegendem Freitag hat der VIX ein neues fünf-Jahres-Tief erreicht. Im Unterschied zur obigen Analyse zeigt das VIX-„Klima“ nun Anzeichen von „Gier“ („Greed“) und die „Wall of worry“ beginnt, Risse zu zeigen.

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