IWF zu Bankkrisen

Ein IWF-Arbeitspapier untersucht Bankenkrisen zwischen 1970 und 2011 und kommt u.a. zu dem Schluss, dass Bank-Bailouts eine Krise oft verlängern. Nachfolgend einige Kernpunkte des Papiers.

45 von insgesamt 129 Bank-Krisen ging ein Kredit-Boom voraus (definiert als signifikanter Anstieg des Kredit-zu-GDP-Verhältnisses).

Interessanterweise ist der September ein ausgewiesener Startmonat für Bankenkrisen:

Die Wahrscheinlichkeit von Dreifachkrisen (Bank-, Staatsverschuldungs- und Währungskrise) ist relativ gering, bei Zweifachkrisen kommt die Kombination von Bank- und Währungskrise, sowie von Staatsverschuldungs- und Währungskrise etwa gleich oft vor. Die Zweifach-Kombination von Bank- und Staatsverschuldungskrise ist demgegenüber relativ selten.

Output-Verluste und Anstiege von öffentlichen Schulden tendieren bei Bankenkrisen in entwickelten Volkswirtschaften dazu, größer zu sein. Das wird darauf zurückgeführt, dass die Wirtschaft hier stärker mit dem Finanzsystem verflochten ist, wodurch sich eine Bankenkrise zerstörerischer auswirkt.

Die nachfolgende Tabelle zeigt den Vergleich der Auswirkungen der in 2007 gestarteten Krise zwischen der Eurozone und den USA. Die Daten sind in etwa vergleichbar mit dem Hauptunterschied beim Liquiditätssupport, der in der Eurozone sehr viel größer ausfällt als in den USA. Hier schlagen sich auch die EZB-Maßnahmen im Rahmen der Emergency Liquidity Assistance (ELA) und die Long-Term Refinancing Operations (LTRO) nieder. Die Autoren betonen, die Vergleichbarkeit zwischen Eurozone und USA gelte nur „bis jetzt“. Denn die zunehmende Verflechtung von Staatsschulden – und Bankenrisiken könnte die Situation schnell aus dem Ruder laufen lassen.

Einschub: In diesem Zusammenhang ist neben der zunehmenden, auch durch die LTROs begünstigte Verflechtung von Banken und Staaten etwa in Spanien von Bedeutung, dass das gesamte europäische Bankensystem schon auf Basis berichteter Verschuldung mit 26 zu 1 gehebelt ist. Das europäische Bankensystem hat einen Umfang von über 46 Bill. Dollar, etwa das dreifache des EU-BIP. Das europäische Bankensystem ist fast viermal so groß wie das der USA (46 gegen 12 Bill. Dollar). Das US-Bankensystem ist halb so stark gehebelt (13 zu 1).

Die EZB-Bilanz ist aktuell etwa 4 Bill. Dollar lang. Das ist mehr als das deutsche BIP und macht etwa ein Drittel des EU-BIP aus. Die EZB ist mit 36 zu 1 gehebelt. Die Bilanzsumme der Fed liegt deutlich unter 3 Bill. Dollar.

Früher waren teure Bankenkrisen eher in Emerging Markets aufgetreten, zuletzt war das eher in den entwickelten Industrieländern der Fall. Das wirft die Frage auf, ob es systemische Änderungen gibt, die zu zunehmender Fragilität der Bankensysteme in den entwickelten Ländern geführt haben.

Zuletzt wurden in den entwickelten Ländern makroökonomische Politikinstrumente aggressiv zur Krisenbekämpfung eingesetzt, während die Restrukturierung der Banken relativ langsam vonstatten ging. Einiges deutet darauf hin, dass Bank-Bailouts (bzw. die verzögerte Restrukturierung) das Risiko einer Verlängerung der Krise bergen, wodurch das Wirtschaftswachstum für einen verlängerten Zeitraum gedrückt bleibt.

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