Rogoff legt nach – Bargeldverbot und -6% Zinsen

Der frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff will, dass Zentralbanken künftig Negativzinsen von bis zu minus sechs Prozent einführen. „Eines Tages werden wir eine neue schwere Finanzkrise bekommen, und dann könnten wir negative Zinsen von minus sechs oder minus fünf Prozent brauchen, um schnell aus der Krise zu kommen“, sagte Rogoff im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“.

Dieses geldpolitische Instrument wäre allerdings erst in einigen Jahren einsatzbereit, da stark negative Zinsen weltweit koordiniert werden müssten. „Das wäre auch wirklich nur eine Maßnahme für extreme Situationen“, sagte Rogoff. „Aber bis das überhaupt möglich würde, vergehen sicherlich 15 oder 20 Jahre.“

Außerdem fordert er von der deutschen Regierung, mehr Geld auszugeben, um die Wirtschaft in der Eurozone anzukurbeln. Die extrem niedrigen Zinsen sollten genutzt werden, um sinnvolle Investitionen zu tätigen, etwa in Bildung oder wichtige Infrastruktur. Auch Politiker aus Italien und Griechenland, sowie der IWF hatten sich jüngst entsprechend geäußert.

In seinem aktuellen, am 26. September erscheinenden Buch „Der Fluch des Geldes“ fordert der sogenannte Star-Ökonom die weitgehende Abschaffung des Bargelds, um Kriminalität und Steuerhinterziehung weltweit zu bekämpfen. Die meisten Scheine mit hohem Nennwert würden unter Kriminellen, schwarzarbeitenden Handwerkern und anderen Steuerhinterziehern kursieren. Rogoff begrüßt zwar, dass die EZB den 500-Euro-Schein abschafft, aber das bringt seiner Meinung nach nicht viel, solange es noch 100er und 200er gibt. Diese müssten als Nächstes gehen, sagte er.

Nur ein paar Gedankensplitter zu diesem gefährlichen Unsinn:

Negativzinsen tragen dazu bei, das Geld vom Konto in Sachwerte geht. Das wird die Assetpreise antreiben, die Schere zwischen Preis und Wert geht immer weiter auf. Die Geldhalter werden in immer riskantere Anlagen getrieben, auch in Gold und Edelmetalle. Es entstehen ungeahnte Blasen.

Steuerhinterziehung funktioniert längst bargeldlos, z.B. durch die Verlegung des Firmensitzes in die Heimat von EU-Kommissionspräsident Juncker, Luxemburg.

Bei der Abschaffung von Bargeld geht es darum, den Bürger gläsern zu machen, ihn der vollständigen, jederzeitigen staatlichen Kontrolle zu unterstellen. Und nicht nur Kontrolle, auch Zwang. Bei missliebigen Bürgern z.B. funktioniert dann vielleicht plötzlich ihr bargeldloses Geld nicht mehr. „Bargeld ist geprägte Freiheit“, sagte Fjodor Dostojewski. Ohne Bargeld ist ein wesentliches Stück persönlicher Freiheit weg. Damit zerbricht ein wesentlicher Teil dessen, was Demokratie ausmacht.

Minuszinsen können nur durch weitestgehende Abschaffung von Bargeld durchgesetzt werden.

Wird der Zins negativ, wird Sparen bestraft. Wenn Sparen bestraft wird, wird letztlich auch die Investitionstätigkeit gelähmt, jedenfalls diejenige, die sich ergibt aus der Erwartung, dass heutiger Konsumverzicht zu künftiger Nachfrage führt.

Minuszinsen führen dazu, wenig produktive Investitionen zu tätigen, so lange ihr Ertrag nur größer ist als der negative Zins, der bei Geldhortung anfällt. Damit werden Produktionsfaktoren suboptimal eingesetzt. Das verstärkt das ohnehin schon existierende Wachstumsdilemma. Letztlich muss der Zins immer weiter in den negativen Bereich vorgetrieben werden (und nicht nur für den Krisenfall, wie der Herr Starökonom meint).

Minuszinsen sind eine Perversion des Zinsgedankens. Zinsen finden ihre ordnungspolitische Berechtigung darin, dass die Zukunft unsicher ist. Für den Verzicht auf heutigen Konsum muss eine Prämie gezahlt werden, die dem Grad der Unsicherheit entspricht.

Wenn ein in unserer Kreditwirtschaft so wichtiger Preis wie der Zins manipuliert wird, werden auch alle anderen Preise früher oder später ihre Funktion als Zeiger für Angebot und Nachfrage verlieren. Damit wird der Marktmechanismus ausgehebelt und damit das zentrale Regulativ, das die Abgleichung von Produktion und Konsum bewirkt. Und damit landen wir in einer zentralen Planungswirtschaft, die zu Zeiten des „Ostblocks“ als Teufelswerk galt.

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