S&P 500 zwischen Hoffen und Bangen

Der S&P 500 hat in der zurückliegenden Woche in einer Achterbahnfahrt 30 Punkte verloren. Das ist die dritte Verlustwoche in Folge. Die Zinsstruktur warnt mittlerweile deutlich vor einer Rezession, gleichzeitig hoffen die Akteure, die Zentralbanken mögen es richten.

Nachdem der S&P 500 am 26. Juli mit 3026 ein Allzeithoch produziert hatte, wurden zügig Gewinne mitgenommen. Schon fünf Handelstage später wurde die EMA50 gebrochen und am Tag darauf gleich die EMA200 getestet. Seitdem bewegt sich der Index zwischen beiden Linien. Am zurückliegenden Donnerstag wurde die EMA200 zum vierten Mal auf ihren Bestand hin geprüft (aktuell 2844). Dies ist einerseits ein Zeichen für längerfristige Schwäche, dürfte aber kurzfristig eher signalisieren, dass ein weiterer Test der darüber liegenden EMA50 (aktuell 2926) ansteht.

Unter statischen Gesichtspunkten ist der Pegel von 2873 von Bedeutung. Das ist das Hoch aus Januar 2018. Diese Marke konnte am zurückliegenden Freitag zurückerobert werden (Schlusskurs 2889). Ein zweitrangiger Widerstandspegel liegt bei 2908 (Chartquelle).

Gelingt dem S&P 500 der Anstieg über die EMA50, so trifft er gleich auf eine Widerstandszone zwischen 2932 und 2953, die aus den Hochs von September 2018 und Anfang Mai herrührt. Ob dann auch noch die Kraft vorhanden ist, das jüngste Allzeithoch zu attackieren? Häufig findet um diese Zeit erst nach dem „Labor Day“ Anfang September (in diesem Jahr am 2.9.) eine längerfristig gültige Weichenstellung statt.

Gut möglich also, dass man den S&P 500, vielleicht mit weiterem Rückenwind von Trump-Gezwitscher, für den Rest der Sommer-Phase wieder bis zu seinem Allzeithoch laufen lässt. Schließlich sitzen die großen Akteure immer noch auf Tonnen von Aktienmaterial, was möglich teuer unter die Leute muss.

Eine wirkliche Korrektur würde zügig das 38er-Retracement des Aufwärtsimpulses aus Januar in Angriff nehmen. In diesem Sinne war das in den zurückliegenden drei Wochen lediglich eine Serie von Gewinnmitnahmen – wie immer, wenn kollektiv auf ein Ereignis hin gewettet wird. Tritt es ein, in diesem Fall mit der ersten Leitzinssenkung im laufenden Konjunkturzyklus, dann sind eben zunächst keine weiteren Käufer zur Stelle.

Die längerfristig bedeutenden Signale über den weiteren Verlauf auch bei Aktien kommen jetzt von der Zinsstruktur. Und die warnt seit Anfang August deutlich vor einer Rezession.

Gut möglich, dass sich die Aktionäre noch eine zeitlang an dem Argument festhalten, dass heute mal wieder alles anders ist. Gut möglich, dass die Hoffnung, die Zentralbanken werden es schon richten, die Aktienkurse zeitweilig stabilisieren kann.

Wenn dann aber die Fed die Leitzinsen so weit gesenkt hat, dass die Renditen am kurzen Ende schneller fallen als am langen Ende. Und wenn sich dann zeigt, dass das bei der Realwirtschaft nichts bewirkt, sie also weiter auf Kontraktionskurs ist. Wenn also die Zinsstruktur solchermaßen ihre Inversion beendet – dann wird es wirklich ernst für Aktien.

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