S&P 500 – sehr kritisch

Der S&P 500 ist mittlerweile zum dritten Mal innerhalb von sechs Wochen im Bereich von 2640 gelandet. In der Vorwoche hatte er noch eine eindrucksvolle Rally hingelegt, die ihn bis auf 2760 getragen hatte.

War der Anlass hierfür eine Äußerung von Fed-Chef Powell, dass sich die Leitzinsen ihrem neutralen Niveau annähern, so wurde am Montag dieser Woche auch noch die vage Aussicht auf eine Entspannung im Handelskonflikt USA-China gefeiert. Das brachte den S&P 500 mit einem Gap-up noch bis fast 2800. Am Tag darauf sorgte die Verhaftung einer chinesischen Managerin jedoch für Verdruss und so radierte der S&P 500 in den folgenden Tagen alle Gewinne der Vorwoche aus.

Der S&P 500 hatte am 7. November und am vergangenen Montag die mittelfristig bedeutsame EMA50 überwunden, aber beide Male war das nicht von Dauer. Aktuell kommt erschwerend hinzu, dass die EMA50 und die EMA200 gleichauf liegen. Sollte die EMA50 die EMA200 nach unten schneiden, wird das von einer Reihe von Akteuren als „Death Cross“ angesehen – als Vorbote des Endes der Aktienwelt eben (oder so ähnlich).

Auch unabhängig davon ist es jetzt kritisch. Der Volumenmäßig wichtige statische Pegel bei 2678 wurde unter hohem Volumen am Freitag gebrochen. Als dies am 23. November zuletzt geschah, war das Volumen gering, woraus geschlossen werden könnte, dass die großen Akteure damals eine Stabilisierung für wahrscheinlich erachteten. Dies dürfte aber ein Fehlschluss sein – zur Erklärung siehe unten!

Hinzu kommt, dass der Index weit mehr als 62% des Aufwärtsimpulses aus Anfang April korrigiert hat, der bei 2574 startete. Die Obergrenzen von zwei aus 2009 herrührenden Aufwärtskanälen (im Chart magenta und braun) haben sich zuletzt als relevant erwiesen. Der S&P 500 touchierte am Freitag intraday die braune Linie des flacheren Aufwärtskanals und schloss leicht darüber (Chartquelle).

Bei 2600 liegt noch eine aus Volumensicht relevante Unterstützung. Sollte die nicht halten, kommt auf jeden Fall 2574 ins Spiel. 2574 ist auch der statische Support-Pegel, an dem der Einbruch vom Anfang Februar letztendlich halt fand. Sollte diese Marke nicht halten, wäre aus meiner Sicht die Hoffnung auf eine nachhaltigere Erholung dahin und man müsste die fortgeschrittene Topp-Bildung bei US-Aktien als abgeschlossen betrachten.

Dann wären die hier diskutierten Möglichkeiten einer W- oder Rechteck-Formation Makulatur. Dann sollte zunächst ein Kursziel von rund 2300 eingeplant werden. Die Dow-Phase „spekulativer Exzess“ war Anfang November 2016 mit der Wahl von Trump zum US-Präsidenten bei rund 2125 gestartet worden. In diesem Rahmen wurde das Niveau bei 2300 im Januar 2017 überwunden.

Das große Bild im S&P 500 zeigt der folgende Chart (Chartquelle). Man sieht recht deutlich, dass die Toppbildung in der zweiten Hälfte November 2017 begann und sich im großen Bild als Seitwärtsbewegung im Wochenchart zwischen der Unterstützung bei rund 2590 und dem Widerstand bei rund 2800 darstellt. Der S&P 500 oszilliert um die EMA50, seit Anfang Oktober auch um die EMA200 (aktuell bei rund 2750). Die historische Volatilität über 21 Handelstage ist erhöht. Sie liegt bei fast 1,5% (NDX: 2%), ihr jüngstes Tief stammt von Mitte September mit rund 0,4% (NDX: 0,7%). Anfang April, als die Korrektur des Einbruchs von Februar abgeschlossen war, lag die historische Volatilität schon einmal bei knapp 1,5% (NDX: 1,9%).

Bis September stieg das Handelsvolumen eher beim Angriff auf Widerstände, aktuell scheint es eher beim Testen von Unterstützungen zuzunehmen – mit der Ausnahme vom 23. November, als der Support bei 2638 unter geringem Volumen angegangen wurde. Hier verzerrt aber der Umstand, dass dieser Tag der „Black Friday“ war, am Tag vorher war der Thanksgiving-Feiertag.

Aus Sicht der Volumenentwicklung bleibt für die Bullen noch eine Chance: Würde das Volumen allmählich austrocknen, würde ein Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung nach oben wahrscheinlich, was zur Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegung führte. Aber wie wahrscheinlich ist das? Die Chance würde ich auf zehn, vielleicht 15 Prozent taxieren.

Ein Blick auf den „S&P Consumer Discretionary Select“ (Chartquelle), der ein ähnliches Bild zeigt wie der S&P 500:

Neben der vagen Aussicht, dass sich der S&P 500 allmählich beruhigt und dann schließlich mit einem Anstieg über 2800 die Toppbildung nach oben auflöst, bleibt die andere Möglichkeit, dass der dargestellte Support der Unterseite der Rechteckformation (vorerst) hält und sich somit die Seitwärtswärtsbewegung (=Topp-Bildung) zeitlich ausdehnt. Diese Chance und die alternative Möglichkeit, dass der Index die Seitwärtsbewegung jetzt, in diesen Tagen, nach unten auflöst, würde ich momentan etwa gleich gewichten.

Und so scheint sich in den Aktienkursen widerzuspiegeln, was am Horizont wahrscheinlich aufzuziehen beginnt – eine Rezession der US-Wirtschaft.

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