S&P 500 und Volumen an der NYSE

Die Fed hat am Mittwoch der zurückliegenden Woche das Protokoll der jüngsten FOMC-Sitzung veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass sich die Mitglieder hinsichtlich weiterer Zinsschritt einig sind. Sie scheinen weder durch die wiederholte Kritik von US-Präsident Trump (u.a.: “Die Fed ist verrückt geworden“) von ihrem Kurs abzurücken, noch durch wiederholt vorgebrachte Sorgen, die Fed ginge zu schnell vor beim Anziehen der „Geldbremse“ vor und gefährde damit weiteres Wirtschaftswachstum.

Nach Veröffentlichung des jüngsten FOMC-Protokolls wackelte der S&P 500 zwar ordentlich, hielt sich aber per Handelsschluss auf Vortagesniveau und im Aufwärtskanal aus Frühjahr 2016. Am Folgetag allerdings wurde dessen Unterseite gebrochen (im Chart hellgrün) und die mittlerweile waagerecht verlaufende EMA200 getestet. Der Freitag brachte erneut einen Test der EMA200, der Index schloss einige Punkte darüber an der Oberseite eines zehn Jahre währenden Aufwärtskanals (im Chart magenta). Der Pegel bei 2791 (siehe hier) wurde lediglich intraday attackiert, der Schlusskurs lag mit 2767,78 darunter. Gegenüber seinem Allzeithoch aus Ende September hat der S&P 500 5,5% jetzt verloren (Chartquelle).

Ob dem Index auf dem aktuellen Niveau eine Bodenbildung gelingt, ist fraglich. Dazu ist die technische Verfassung noch nicht überverkauft genug. Generell unterstreicht die Volumenentwicklung die Bedeutung von statischen Pegeln (und dynamischen Marken). Aus dem Verlauf des Handelsvolumens an der NYSE seit Jahresbeginn ergibt sich, dass die Pegel 2916, 2788, 2738, (2678) und 2600 eine besondere Bedeutung haben. Hier sind lokale Volumen-Spitzen aufgetreten.

In einer Topp-Bildungsphase steigt das Volumen zunächst noch bei Angriffen auf Widerstände und sinkt im weiteren Verlauf. Bei Unterstützungen sinkt es zunächst und steigt mit Fortschreiten der Topp-Bildung an. Trocknet das Volumen jedoch allmählich aus, müsste das Szenario einer Topp-Bildung verworfen und auf eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung gesetzt werden.

Kommt es also gehäuft zu ansteigendem Volumen bei Unterstützungen und sinkendem bei Widerständen, müsste man von einer fortgeschrittenen Topp-Bildung ausgehen. Das gilt insbesondere dann, wenn Unterstützungen unter hohem Volumen nicht (mehr) halten.

Das mittlere Volumenniveau der zurückliegenden drei Monate liegt mehr als 25% unter dem Wert des ersten Quartals 2016, als man zuletzt von einer fortgeschrittenen Topp-Bildung ausgehen konnte. Damals erwies sich der Pegel bei rund 2120/2130 aus der Jahresmitte 2015 als unüberwindlich, es dauerte bis zum November 2016, bis mit dem Rückenwind der Wahl von Trump zum US-Präsidenten mit der dritten, der spekulativen Phase nach Dow-Theorie ein neuer Aufwärtsschub einsetzte.

Wendet man Entwicklung und kurzfristige Reaktionen der Handels-Volumens als alleiniges Kriterium auf die aktuelle Situation an, so erscheint eine fortgeschrittene Topp-Bildung noch nicht sehr wahrscheinlich.

Das übergeordnete Geschehen dürfte sich zunächst in einer Seitwärts-Range zwischen rund 2600 und 2870 abspielen. Die Volumenentwicklung an den genannten Marken sollte genau beobachtet werden, weil sie frühzeitig Auskunft über eine langfristige Topp-Bildung gibt.

Der S&P 500 ist in historischen Maßstäben gesehen sehr weit gelaufen, das macht ihn zunehmend anfälliger für externe Schocks. Für den Index sehe ich aktuell noch weiteres Abwärtspotenzial.

Die Frage des Für und Wider eines nachhaltigen Aktien-Abschwungs, auch Bär-Markt genannt, diskutiere ich hier.

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