Trump, der Wachstums-Motor

Wenn man bisher dachte, man hat eigentlich schon alles erlebt an den Finanzmärkten, so wurde man im Umfeld der Wahl von Trump eines Besseren belehrt. Als sich abzeichnete, dass er der nächste US-Präsident wird, sackten die US-Aktien-Futures um rund 5% ab. Dann aber beschloss der S&P 500 den gestrigen Tag mit einem Zugewinn von 1,1%, der Dow Jones Industrial Average schaffte es mit +1,4% Tagesgewinn intraday bis an das EoD-Allzeithoch aus Mitte August.

Auch sonst waren die gestrigen Entwicklungen im Tagesverlauf spannend und aufschlussreich. Die frühen Reaktionen gestern zeigten Dollar/Yen noch mit –1,3%, Euro/Dollar mit +2,3%, Gold mit +5% auf 1335 Dollar, die Ölpreise waren schwach. Am Ende des Handelstages notierten Dollar-Index und Dollar/Yen jeweils 0,7% höher, Euro/Dollar fast ein Prozent tiefer, Gold brachte es noch auf einen schmalen Tagesgewinn von 0,2%, die Ölpreise zeigten sich gut behauptet, die Kurse von TBonds waren um 3% abgesackt, die Rendite der zehnjährigen TNotes stand 11,3% höher als am Vortag.

Das sind nahezu unglaubliche Bewegungen, v.a. wenn man sich vorstellt, welche Mengen an Geldmitteln hierfür erforderlich sind. Auch das Handelsvolumen im S&P 500 lag 60% über dem Durchschnitt der zurückliegenden vier Wochen.

Weitere interessante Bewegungen am gestrigen Handelstag: Der Helthcare-Sektor stieg in den USA um 3%, der Finanzsektor legte ein Prozent zu, Real Estate verlor 2,3%, Versorger büßten sogar 3,7% ein. Die US-Inflationserwartungen stiegen mit fast 1,9% auf 16-Monats-Hoch. Und die implizite Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im Dezember erreichte zeitweilig 80%, anfänglich war sie auf unter 60% abgerutscht nach 76% am Vortag.

Im Wahlkampf hatte Trump der Fed wiederholt eine zu lockere Geldpolitik vorgeworfen, ihre Politik habe einen „falschen Aktienmarkt“ erzeugt. Die Fed könnte Trump Wind aus den Segeln nehmen, indem sie die in Aussicht gestellte Zinserhöhung im Dezember umsetzt. Fed-Vizepräsident Stanley Fischer hatte erst in der zürückliegenden Woche nochmals bekräftigt, dass ein solcher Schritt wirtschaftlich geboten sei. Allerdings dürfte Trump (wie sein Vorgänger auch) kaum daran interessant sein, die Geldpolitik nachhaltig zu straffen und auf Normalmaß steigende Leitzinsen durchzusetzen.

Trump hatte bereits angekündigt, den Satz der Unternehmenssteuern von 35 auf 15% zu reduzieren, die Einkommenssteuern für besser Verdienende sollen sinken. Es sollen kreditfinanzierte staatliche Infrastruktur-Maßnahmen aufgelegt werden, Trump will in den kommenden fünf Jahren 550 Mrd. Dollar in Straßen, Eisenbahn-Netz und Flughäfen investieren. Außerdem sollen die Militärausgaben steigen. Zudem will er im Bankenbereich Deregulierungen vornehmen.

Diese klare fiskalische Unterstützung für die Konjunktur geht auf Kosten eines deutlich höheren Defizits im Staatshaushalt. Das dürfte die Zinsen eher steigen lassen, die Anleihekurse drücken. Inwieweit das auf Europa ausstrahlt, wird sich noch zeigen. Gut möglich, dass dies der EZB den Anlass gibt, ihr laufendes QE-Programm über den März 2017 hinaus zu verlängern.

Im Aktienmarkt dürfte eine solche Wirtschaftspolitik binnenorientierte Unternehmen in den USA profitieren lassen, im einzelnen die Erdölindustrie, die Rüstungsindustrie und Infrastrukturunternehmen, auch der Technologiesektor dürfte dabei sein. Ebenso dürften sich Pharmakonzerne, sowie Banken besser stellen, beide wären bei einem Sieg Clintons unter Druck gekommen. Die Kurse im Biotech-Sektor sind gestern um 9% gestiegen. Trump will die Regulierung der Medikamentenpreise lockern, auch im Bankensektor sollen Restriktionen fallen.

Die größte Unsicherheit hat mit der Agitation Trumps gegen den Freihandel, gegen die Auswirkungen der Finanz-gesteuerten Globalisierung zu tun (siehe hier!). Es wird befürchtet, dass der internationale Handel, der in den zurückliegenden Jahren schon einen Dynamikverlust zu verzeichnen hat, stärker unter Druck kommen könnte.

Werden tatsächlich effektive Weichen in diese Richtung gestellt, dürfte das die Währungen der Emerging Markets schwächen. Wie stark deren Wirtschaft in Mitleidschaft gezogen wird, muss sich noch zeigen. Trump hatte angekündigt, Importe aus China zu besteuern und Freihandelsabkommen neu verhandeln. Ob daraus ein Handelskrieg mit China wird? Trump fordert von den Nato-Verbündeten stärkere eigene Militäranstrengungen, was der Rüstungsindustrie überall in der Welt Auftrieb geben dürfte.

Falls Trump seinen angedeuteten Kurs, Arbeitsplätze ins Land zurückzuholen, tatsächlich umsetzt und somit ein Stück weit zum Deglobalisierungs-Trend beiträgt, dürfte auf die wirtschaftliche Entflechtung im Laufe der nächsten Jahre auf geopolitischer Ebene eine Fülle von Umbrüchen und neuen Allianzen folgen. Das gilt erst recht, wenn eine Annäherung an Putin und Erdogan stattfindet. Eine „Entfremdung“ zwischen Europa und den USA ist eine, wenn aus heutiger Sicht auch nur vage Möglichkeit.

Insgesamt sind neue wirtschaftliche und politische Allianzen in schneller Folge ein Kennzeichen des Kondratieffschen Winters. Letztlich resultiert aus solchen Umbrüchen auch immer eine gesteigerte Wahrscheinlichkeit militärisch ausgetragener Spannungen.

Kurz-, bis mittelfristig sind die Aussichten für eine konjunkturelle Belebung in den USA nicht schlecht. Das sollte auf die Aktienmärkte dort und auch auf andere Regionen abfärben. Dass dies auf Kosten einer steigenden Staatsverschuldung geht, steht auf einem anderen Blatt, die Rechnung wird später bezahlt (oder auch nicht). Die stark anziehende Inflationserwartung gibt einen klaren Hinweis auf die Erwartungen der großen Akteure im Aktiengeschäft. Ich hatte dieses Thema zuletzt hier behandelt (siehe auch hier!).

Zum Schluss ein Chart (Chartquelle), der eigentlich alles sagt: Der Kupferpreis zeigt seit Oktober Stärke. Jetzt ist er massiv ausgebrochen über eine Abwärtslinie, die seit 2011 Bestand hat. Kupfer ist ein für viele Industriezweige wichtiger Rohstoff, u.a. auch für die Elektronik, die Basistechnlogie des aktuellen Kondratieff-Zyklus.

„Dr. Copper“ hat gesprochen…

Ergänzung:
Einen Überblick über die Theorie von Kondratieff finden Sie hier (Ausschnitt aus “Weltsichten – Weitsichten” von R. Rethfeld und K. Singer, FinanzBuch Verlag)

Nachtrag:
Ifo-Präsident Clemens Fuest erwartet vom Wahlsieg von Donald Trump einen Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung: „Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß. In Deutschland hängen 1,5 Millionen Arbeitsplätze vom US-Geschäft ab, die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands.“

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