US-BIP in Q1: Sehr schwach

Das US-BIP für Q1 ist in der ersten Schätzung überraschend schwach angestiegen – und zwar um 0,25% annualisiert, während die Konsens-Erwartung bei einem Prozent lag. Wieder einmal wird das schlechte Winterwetter für die Entwicklung verantwortlich gemacht. Das mag ein Punkt sein, der sich mit wärmeren Temperaturen bald wieder in Luft auflösen könnte. Was hingegen noch länger belastende Wirkung haben dürfte, sind der feste Dollar und die niedrigen Ölpreise. Darüber hinaus ließ die Eintrübung der Konjunkturperspektiven den ISM-Index seit Herbst von einem Stand bei knapp 58 aus auf Talfahrt gehen. Er notiert im März bei 51,50.

Die Fed äußerte gestern in ihrem Kommuniqué zum jüngsten FOMC-Meeting, einige belastende Faktoren würden bald verschwinden und den Weg frei machen für erneutes moderates Wachstum. Aber vom ausgeprägten Optimismus der zurückliegenden Statements war nicht mehr viel zu spüren.

Nun kann man sich eigentlich eine längliche Diskussion über die BIP-Entwicklung sparen. Wie das Consumer Metrics Institute feststellt, ist das zuständige Bureau for Enconomic Analysis (BEA) berühmt für seine Unfähigkeit, wirtschaftliche Schwäche frühzeitig aufzudecken. In der nachfolgenden Tabelle wird beispielhaft und eindrucksvoll gezeigt, wie sich die Einschätzung des BIP-Wachstums im ersten Quartal 2008 über die Zeit geändert hat – von +0,6% auf –2,7% 64 Monate später.

Die Komponenten des BIP haben sich im ersten Quartal 2015 wie folgt entwickelt. Dabei steht „C“ für Konsum, „I“ für Investitionen, „G“ für Ausgaben der öffentlichen Hand und „(X-M)“ für den Saldo von Export und Import.

Stütze war demnach zwar der private Verbrauch mit einem Wachstumsbeitrag von 1,31%, aber das ist eine Verschlechterung um 1,67% gegenüber dem Vorquartal. Die Geschäftsinvestitionen belasteten das BIP mit 0,4%, in Q4/2014 leisten sie noch einen positiven Beitrag von 0,72%. Die Investitionen in Lagerbestände trugen hingegen 0,74% zum Wachstum bei – das sind 0,84% mehr als im Vorquartal. Der Außenbeitrag zum Wachstum beläuft sich auf –1,25%, im Vorquartal waren es –1,03%. Die Ausgaben der öffentlichen Hand trugen im Berichtsquartal –0,15% zum Wachstum bei, zuvor waren es –0,35%.

Die Geschäftsinvestitionen sinken annualisiert um 2,5%, das ist der größte Abstieg seit Ende 2009. Dabei fielen die Investitionen in Fertigungsstätten und Geschäftsgebäude um 23,1%, so stark wie in den zurückliegenden vier Jahren nicht. Der Rückgang spiegelt die Schwäche im Energiesektor wider, Unternehmen kürzen Investitionen wegen schwacher Energiepreise. Hier kam es zu einem Rückgang um fast 50%, so viel wie seit dem zweiten Quartal 2009 nicht mehr, als die Wirtschaft noch in einer Rezession steckte.

Das verfügbare reale Verbrauchereinkommen stieg um annualisiert 6,2%, so stark wie in den zurückliegenden zwei Jahren nicht. Der private Verbrauch wuchs nicht im gleichen Maße, daher stieg die Sparqupte auf 5,5%, so hoch wie seit Ende 2012 nicht mehr. Zur Zurückhaltung der US-Konsumenten siehe hier!

Die gegenwärtige Erholung ist nach wie vor die schwächste nach allen Rezessionen zumindest in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Um dieses Bild aufzuhellen, müsste ein Wachstum von deutlich mehr als 2,5% (>3,0%) erreicht werden.

Nach Veröffentlichung der BIP-Daten gestern sank der Dollar-Index auf ein neun-Wochen-Tief. Er hatte im ersten Quartal 4,5% zugelegt. Gleichzeitig fielen auch die Kurse für US-Staatsanleihen. Hier kam es zu einem weltweiten Ausverkauf von Bonds, ausgelöst durch eine schwach verlaufende Auktion in deutschen 5-jährigen Staatsanleihen.

Verluste in US-Aktien hielten sich in Grenzen, weil sogleich Spekulationen aufkamen, die Fed werde die Leitzinsen erst spät im Jahr anheben. Bisher hatte die Mehrheit der Beobachter angenommen, der Start eines neuen Zinszyklus werde im September sein, wenige waren von Juni ausgegangen – siehe auch hier!.

Mit dem angesammelten Sparvolumen besteht theoretisch deutliches Konsumpotenzial für die kommenden Monate, das könnte das BIP-Wachstum beflügeln. Die gestiegenen Lagerbestände stellen hingegen eine Belastung für das künftige Wachstum dar. Daher wurden hochfliegende Erwartungen in Richtung eines BIP-Zuwachses von 3% im zweiten Quartal zurückgenommen. Die Mehrheit der Beobachter rechnet jetzt mit einem (immer noch recht optimistischen) Zuwachs zwischen 2,0% und 2,5% – siehe auch hier!

Weiteren Aufschluss wird der ISM-Index für April geben, der morgen veröffentlicht wird. Sein Vorbote, der ISM-Index für die Region Chicago, ist mit 52,3 deutlich besser ausgefallen als mit 50,0 erwartet.

Nachtrag:
(6.5.15) Der ISM-Index steigt im April nicht an, hält sich mit 51,5 nahe eines zwei-Jahres-Tiefs über der Scheidelinie bei 50. Zuvor war eine leichte Steigerung erwartet worden. Der Subindex der Auftragseingänge steigt deutlich an.
Das Handelsbilanzdefizit der USA ist im März sehr viel stärker angewachsen als erwartet. Dadurch würde der negative Außenbeitrag zum BIP so weit zunehmen, dass sich für Q1 bestenfalls ein Null-Wachstum ergeben würde.

(29.5.15) Die zweite Schätzung für das US-BIP im ersten Quartal 2015 kommt auf -0,7%. Zwar war der Außenbeitrag der hauptsächliche Korrekturpunkt, aber auch die anderen Komponenten wurden abwärts revidiert.

(24.6.15) Die dritte Schätzung für das US-BIP im ersten Quartal 2015 kommt auf -0,175%. Jetzt sieht das Bild so aus:

(30.7.15) Der BIP-Zuwachs für Q1 wurde zusammen mit der ersten Schätzung des BIP für Q2 auf +0,6% revidiert. Das BIP in Q2 ist mit +2,3% weniger stark gewachsen als mit 2,6% erwartet.

(31.8.15) Das BIP für Q2 ist in der zweiten Schätzung mit plus 3,7% deutlich stärker gewachsen als es die erste Schätzung (+2,3%) ergab.

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