EZB MOTtet Bonds ein

Die EZB hat heute ihr neues Bond-Kaufprogramm so vorgestellt wie schon im Vorfeld gestern durchgesickert war (siehe den nachfolgenden, gestern Abend verfassten Text). Die EZB hat zudem in ihrer Zinsentscheidung verkündet, den Leitzins bei 0,75% beizubehalten. Auch der Einlagezins für bei der EZB geparkte Bank-Guthaben verbleibt bei null Prozent. Draghi verwies auf die weiterhin hohen Energiepreise, womit die Inflation in der Eurozone vorerst über zwei Prozent bleiben dürfte. Gleichzeitig werde das Wachstum in der Eurozone schwach bleiben und die Finanzmärkte blieben unter dem Einfluss von Spannungen und Unsicherheiten.

(5.9.12; 20:00) Die EZB wird einem Bericht von Bloomberg zufolge auf ihrer morgigen Sitzung ein Programm namens “Monetary Outright Transactions” (MOT) ankündigen. Sie wird dem Vernehmen nach unter diesem Programm PIIGS-Staatsanleihen mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren ankaufen, wenn die betreffenden Staaten sich unter den Brüsseler Rettungsschirm stellen („Konditionalität“).

Die EZB wird die durch Bond-Ankäufe geschaffene zusätzliche Liquidität an anderer Stelle wieder abschöpfen („sterilisieren“). Damit soll das Programm bezüglich des Geldangebots neutral sein.

Sie wird keine Schwellen veröffentlichen, die als Trigger für ihre Interventionen dienen. Und sie wird keine Grenzen hinsichtlich der zu investierenden Beträge festsetzen.

„Im Moment liegt der Fokus auf dem Wort ‚unlimited’, was, falls es morgen von Draghi bestätigt wird, in der Tat eine neue Stufe in der Rhetorik der EZB darstellt,“ zitiert Bloomberg Thomas Costerg von der Standard Chartered Bank in London. „Das würde ein kraftvolles Signal an den Markt senden,“ meint er.

Die Rendite-Spreads zwischen 10- und 2-jährigen italienischen und spanischen Staatsanleihen hatten sich in Erwartung eines solchen Programms in den vergangenen Tagen bereits deutlich ausgeweitet, die Kurse am kurzen Ende sind deutlich angestiegen.

Die EZB beansprucht des weiteren keine Seniorität bei allen Bonds, die sie unter diesem Programm kaufen wird.

Im Gespräch ist noch, wie die EZB reagiert, wenn ein Land die ihm auferlegten Sparverpflichtungen nicht einhält. Ein Vorschlag sieht vor, dass die EZB dann Anleihen aus ihren Beständen verkaufen wird. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auf ein Glaubwürdigkeitsproblem hingewiesen.

In Kommentaren spricht z.B. die ING davon, dass die Nachrichten am kurzen Ende der Bonds von Spanien und Italien schon eingepreist sind. Offen blieben einstweilen v.a. die Fragen, wann das Programm startet und welches Land um Support nachsucht.
Die Rabobank merkt an, wichtige Details hinsichtlich der „Konditionalität“ seien offen.

Zum Startpunkt des „MOT“ geben Beobachter zu bedenken, dass das deutsche BVG am 12. September über die Verfassungsmäßigkeit des ESM entscheidet.

Die Reaktion der Finanzmärkte auf die Berichte von Bloomberg und anderen war verhalten. Aktien reagierten kaum, die Ölpreise setzten ihre Achterbahn fort (seit gestern übergeordnet abwärts), lediglich der Euro festigte sich deutlich gegen Dollar auf in der Spitze über 1,26 (im Tief nahezu 1,25).

Die EZB hat zu den Presseberichten keine Stellung genommen. Sie wird ihre Pläne morgen bekanntgeben:
Presseerklärung um 13:45, Pressekonferenz um 14:30.

Nachtrag:
(6.9.12) Bei einer Auktion spanischer Staatsanleihen ging die Rendite merklich zurück. Bei der Anleihe mit einer Laufzeit von zwei Jahren kam sie auf 2,8% nach 4,7% im Juni. Die Nachfrage ging im Vergleich zur vorhergehenden Auktion zwar etwas zurück, das Maximalziel der Auktion von Papieren mit Laufzeiten bis 2014, 2015 und 2016 von insgesamt 3,5 Mrd. Euro wurde aber erreicht.

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