Weltkonjunktur flaut ab

Der Einkaufsmanager-Index für die Eurozone fiel mit 45,1 Punkten auf den schlechtesten Wert seit Mitte 2009 nach 45,9 im Vormonat. Nachdem Länder wie Deutschland und Frankreich den Index zu Jahresbeginn noch hoch halten konnten, sind sie jetzt auch in den Abwärtsstrudel gekommen.

Lediglich in Irland gab es leichte Expansion, Österreich nähert sich der Stagnation (Indexstand von 50). Die Rückgänge in Italien und Griechenland verlieren etwas an Tempo, bleiben aber unterhalb des Durchschnitts der Eurozone. Der Einkaufsmanager-Index der Niederlande ging auf ein fünf-Monats-Tief zurück. Spanien hat jetzt sogar die rote Laterne von Griechenland übernommen, der Einkaufmanager-Index des Landes erreicht mit 42 Punkten ein drei-Jahres-Tief.

Infolge der Geschäftseinbußen und des scharfen Wettbewerbs konzentrierten sich die Firmen auch im Mai auf Kosteneinsparungen und bauten zum vierten Mal hintereinander per Saldo Stellen ab. In Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden beschleunigte sich der Jobabbau jeweils, Griechenland war dabei Schlusslicht.

Kernländer wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande verzeichneten im Mai deutlich weniger Neuaufträge. Die Aufträge der deutschen Industrie sinken im Mai so stark wie seit sechs Monaten nicht. Mit der Abkühlung der Weltkonjunktur geht auch das Neugeschäft zurück, insbesondere auf den Exportmärkten. Die Nachfrage aus dem europäischen Ausland ist gering und Aufträge aus Asien lassen nach.

Chris Williamson von Markit führt Finanzkrise und politische Unsicherheit als Ursachen für die verheerende Auswirkungen auf die Realwirtschaft in der Eurozone an. Die Wachstumseinbußen seien zwar noch nicht so gravierend wie zu Zeiten der Finanzkrise 2008, aber die Lage verschlechtere sich in alarmierendem Tempo.

Die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe Chinas hat sich im Mai stärker als erwartet auf 48,4 Punkte verringert. Im April hatte der Index bei 49,3 Punkten notiert. Der Index befindet sich nun schon sieben Monate im Kontraktionsbereich (unter 50). Der China-Chefvolkswirt von HSBC geht davon aus, dass sich die konjunkturelle Verlangsamung der Gesamtwirtschaft im zweiten Quartal fortsetzt und rechnet deshalb für die nächsten Monate mit wachstumsfördernden Maßnahmen der Regierung.

Heute wird der landesweite ISM-Index der USA veröffentlicht. Der Einkaufsmanager-Index für die Region Chicago wurde bereits gestern gemeldet. Er ist auf den niedrigsten Stand seit September 2009 gesunken. Auch ansonsten kamen aus den USA gestern ungünstige Makronachrichten: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe steigen die siebte Woche in Folge. Der ADP-Report weist eine geringere Steigerung der Jobs im Mai aus als erwartet. Und das BIP für Q1/2012 fällt in der zweiten Fassung mit plus 1,9% schlechter aus als zuvor (2,2%).

Die nächsten Mosaiksteine: Die Zahl der Jobs steigt in den USA im Mai deutlich weniger als erwartet. Die Erholung auf dem Arbeitsmarkt bleibt flau.

Der ISM-Index fällt im Mai stärker als erwartet. Der Sub-Index „Preise“ fällt viel stärker als erwartet (von 61,0 im April auf 47,5; erwartet 56,8).

Nachtrag:
(22.6.12) Der dargestellte Trend setzt sich fort. Die Geschäftsaktivitäten der Eurozone schrumpfen den fünften Monat in Folge, auch die in China schrumpfen weiter. Die Auftragseingänge der italienischen Industrie sind im April um mehr als 12% eingebrochen, die Aufträge aus dem Inland minus 15% y/y. Der deutsche „Flash“-Einkaufsmanagerindex fällt auf 48,5 Punkte, der schlechteste Wert seit Jun 2009. Die Exportaufträge fielen so stark wie seit April 2009 nicht mehr.

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