S&P 500 – wie geht es weiter?

Der S&P 500 verzeichnet im Januar den prozentual stärkstem Monatszuwachs seit 2015, absolut gesehen ist er der größte im laufenden Bull-Run. Der Index läuft jetzt in eine Widerstandszone hinein, die er nicht so leicht wird überwinden können.

In der zurückliegenden Woche hatte er sich von der mittelfristig bedeutenden EMA50 nach oben absetzen können. Rückenwind kam am Widerstandspegel von 2680 von der Fed, die sich unerwartet „kooperativ“ zeigte. Sie bekräftigte nicht nur, dass sie bei weiteren Zinsschritten Geduld an den Tag legen werde, sondern sie kündigte auch überraschend an, den Fortgang der Bilanzverkürzung flexibel zu handhaben.

Zuvor war noch davon gesprochen worden, man sei hier auf „Autopilot“. Jetzt kann man sich unter bestimmten Bedingungen sogar vorstellen, die Bilanzverkürzung in eine Ausweitung umschlagen zu lassen. Offenbar hat das Twitter-Gewitter von US-Präsident Trump gewirkt, der der Fed-Spitze mehrfach unterstellt hatte, sie sei verrückt geworden und mache mit ihrem Zinserhöhungs-Kurs die schöne Wirtschaft kaputt.

Schaut man sich den Wochenchart seit 2008 an, so zeichnen sich zwei langfristige Linien ab, die an entscheidenden Zeitpunkten für das Kursgeschehen relevant waren. Das Tief im Januar wurde genau auf einer dieser Linien markiert. Die obere der beiden Linien hat sich in der ersten Jahreshälfte 2018 mehrfach als Support erwiesen. Der S&P 500 hat am zurückliegenden Freitag in deren unmittelbarer Nähe geschlossen (Chartquelle).

Der Aktienindex ist deutlich überkauft. Auf der anderen Seite ist der VIX überverkauft. Beides zusammen spricht dafür, dass sich der S&P 500 nun schwer tun dürfte, dynamisch nach oben durch zu ziehen. Der Index notiert am 62-er Retracement der Abwärtsbewegung zwischen Ende September und Ende Dezember 2018. Eine Überwindung dieses Pegels wäre ein klar bullisches Signal. Das ist aber in der aktuellen Situation wenig wahrscheinlich.

Für anstehende Kursschwäche spricht auch, dass die Anfang Januar gestartete Akkumulationsphase quantitativ sehr stark überdehnt ist. Zeitlich besteht jedoch noch etwas Raum für eine weitere Ausdehnung. Die Stimmungsindikatoren sind mitnichten euphorisch. Das könnte die Annahme stützen, dass die gegenwärtige bullische Bewegung noch Raum hat. Allerdings deutet sich im die Marktbreite messenden TRIN-Index ein Roll-over, eine obere Wende, an. Die den täglichen prozentualen Anteil von steigenden Aktien messende ADL-Linie war zeitweilig im bullischen Extrembereich; aktuell notiert sie aber immer noch so bullisch wie seit zwei Jahren nicht.

Das sind alles Hinweise darauf, dass die meisten Kaufwilligen am aktuellen Punkt gekauft haben. Im Gesamtbild erscheint mir daher eine Kurs-Schwäche wahrscheinlich. Dabei kann es durchaus noch zu einem temporären Überschießen kommen, insbesondere dann, wenn ein Durchbruch bei den Zollverhandlungen China-USA verkündet werden sollte. So lange bei einem Kurs-Rückzug das 50er Retracement der Abwärtsbewegung zwischen Ende September und Ende Dezember 2018 bei rund 2643 respektiert wird, wäre das als normale Korrektur zu werten. Das 38er Retracement notiert bei rund 2580, diesem Pegel kommt eine eminente Bedeutung zu (dies wurde u.a. hier diskutiert). Wird er gebrochen, wäre das Seitwärts-Szenario einer fortgeschrittenen Topp-Bildung erneut Makulatur und die Bären wären reaktiviert.

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