Aktien feiern präsidialen Trump

US-Präsident Trump hat seine erste Rede vor dem US-Kongress gehalten. Konkretes kam dabei nicht auf den Tisch – er bekräftigte lediglich die bereits bekannten Vorhaben Deregulierung, Infrastrukturausgaben und Steuersenkungen. Am Tag vor der Rede hatte er noch eine deutliche Steigerung der Verteidigungsausgaben angekündigt. Amerika müsse wieder Kriege gewinnen, hatte er gesagt. „Believe me!“

Akteure an den Finanzmärkten zeigten sich beglückt. Erstens lässt das Fehlen konkreter Schritte weiterhin Raum für jede Menge Phantasie. Zweitens goutierten sie den ungewohnt „präsidialen“ Stil der Rede. Trump hielt sich mit protektionistischen Attacken zurück, er bekannte sich zur Nato usw. Man sollte Aktien eines Kreideproduzenten haben, so viel wie Trump davon in der letzten Zeit konsumiert…

Insgesamt wenig handfeste Argumente für eine Beschleunigung des Bull-Runs bei Aktien, wie wir ihn gestern gesehen haben – der Dow springt um 1,5% auf über 21.000. Genau das ist meiner Meinung nach ein weiteres Indiz für die Phase spekulativen Exzesses, in der sich die Aktienbörsen zumindest in den USA seit Herbst 2016 befinden. Solche Exzesse sind technisch schwer zu fassen, sie laufen gewöhnlich länger und weiter als man erwarten sollte. Das liegt an der sich selbst verstärkenden Wirkung des Herdentriebs. Jeder will dabei sein, ob er das nun für eine Übertreibung hält oder nicht. Rechtzeitig aussteigen kann man immer noch, so die Überzeugung.

Die Entwicklung von US-Makrodaten unterstützt derweil eine bullische Disposition (wenn man von den erreichten hohen Bewertungen absieht). So ist der ISM-Index der Fertigungsindustrie im Februar so hoch gestiegen wie seit 2014 nicht mehr. Auch das Verbrauchervertrauen ist im Februar deutlich stärker gestiegen als erwartet. Da stört es nicht weiter, dass das US-BIP für Q4/2016 in der zweiten Schätzung unerwartet kaum stärker angestiegen ist als die erste Schätzung ergeben hatte. Die Verbraucherausgaben sind im Januar weniger angestiegen als erwartet, kommen aber immerhin im Jahresvergleich auf ein Plus von 4,7% (siehe Startseite).

Mit all den guten Aussichten im Rücken wird nun ein weiterer Zinsschritt der Fed schon auf ihrer Sitzung im März für ziemlich wahrscheinlich gehalten – nach Fed Fund Future-Preisen sind es 66,4%. Diese Aussicht hat ihren Schrecken mittlerweile verloren – man nimmt sie jetzt als Beleg, in welch guter Verfassung sich die Wirtschaft befindet. Finanzwerte sprangen gestern um 2,8% in die Höhe.

Der „Augmented Dickey-Fuller“-Test ist u.a. durch eine Studie der finnischen Zentralbank recht bekannt geworden. Er untersucht eine Zeitreihe einfach gesagt darauf, ob sie stationär ist, d.h. einem langfristigen Wachstumspfad folgt. In einem solchen Fall gilt die Entwicklung als stabil, externe Schocks würde sie übergeordnet nicht gefährden. Über die zurückliegenden 36 Monate ergibt sich nach diesem Test beim S&P 500 jedoch eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen nicht-stationären Prozess. Landläufig sagt man Blase dazu.

Das alleine sagt nichts darüber aus, wie lange ein spekulativer Exzess noch weitergeht. So verdoppelte sich der Dow in der zweiten Hälfte der Reagonomics bis 1990, die den Trumponomics als Blaupause gilt (Dow-Chart hier).

Ein Blick auf den S&P 500 zeigt, wohin der Hase kurzfristig laufen könnte. Der Index hat Anfang Februar den primären Aufwärtskanal seit 2009 (braun) nach oben verlassen. Jetzt ist ein alternativer, steilerer Aufwärtskanal dran (magenta). Dessen Untergrenze wurde zuletzt Anfang November getestet und für gut befunden.

Unterstellt man, dass die kurzfristige Aufwärtslinie (rot – seit Anfang Februar, siehe folgender Chart) weiter respektiert wird, so erreicht der S&P 500 in der Woche der nächsten Fed-Sitzung (15. März) die Oberseite dieses Kanals bei rund 2480. Mag ja sein, dass sich das als Spökenkiekerei erweist, aber die Duplizität der Ereignisse ist bemerkenswert. Zudem ist am Freitag dieser Woche (17. März) der vierteljährliche große Verfallstag, an dem Futures und Optionen abgerechnet werden.

Das alles würde im Umkehrschluss aber auch bedeuten, dass sich an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit für eine kurzfristige Korrektur eröffnet. Die würde allerdings den langfristigen Bestand des Bull-Runs so lange nicht gefährden, so lange der Pegel von knapp 2200 nicht gebrochen wird. Das wäre aber auch das äußerste, vorgelagert wäre 2330, bzw 2373.

[Charts von Incrediblecharts]

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