Deutsche Renditen – nur noch hoch?

Führende Hedge-Fonds-Manager wetten auf einen signifikanten Ausverkauf von deutschen „Bunds“ in den nächsten Monaten. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer an einer Konferenz gaben an, sie erwarteten eine Verdoppelung der Bund-Zinsen innerhalb eines Jahres, berichtet die FT.

Gavyn Davies, Gründer des Hedge-Fonds Fulcrum Asset Management, sagte, die Bund-Zinsen seien durch eine starke Kapitalflucht aus anderen Ländern der Eurozone gedrückt worden. Am 1. Juni hatten die Zinsen der 10-jährigen Bunds ein Rekord-Tief bei 1,13% markiert.

Aktuell liegt die Rendite bei 1,59%. Zur Begründung heißt es, Investoren würden beginnen, darauf zu wetten, dass die Rettung weiterer Eurozonen-Länder die deutsche Kreditwürdigkeit verschlechtern werde. Bisher waren viele vor der Feuerkraft der deutschen Regierung und der EZB zurückgeschreckt. Mit der Zuspitzung der Eurokrise wie zuletzt in Spanien verliert dieses Argument aber an Gewicht.

Unter denen, die die deutschen Bunds bereits shorten, ist John Paulson, der 2007 begonnen hatte, auf den Zusammenbruch des US-Hausmarktes zu wetten. Bill Gross, Pimco, ist ebenfalls bärisch hinsichtlich der Kurs-Aussichten deutscher Staatsschulden. Andere sagen, es sei attraktiv, Bunds zu shorten, weil sie auf historischen Tiefs stehen, obwohl die deutsche Budget-Situation nur schlechter werden kann. Man müsse nur warten können, wird hinzugefügt. Worauf? Z.B. darauf, dass Spaniens Probleme überhand nehmen und zu einem kostspieligen Bailout des ganzen Landes, nicht nur seiner Banken, führen.

Bisher haben sich einige Hedge-Fonds in ihren Wetten gegen deutsche Bunds kräftig die Finger verbrannt, z.B. weil sie zuletzt darauf gesetzt hatten, dass nach etlichen Durchbrüchen nach unten wenigstens der Pegel bei 1,75% hält. Auch bei rund 2,9% waren vor gut einem Jahr einige auf dem falschen Fuß erwischt worden.

Die Schweizer Nationalbank benutzt die deutschen Bunds als ein Mittel, um den Schweizer Franken bei 1,20 fest zu tackern. Ihr kann es nur recht sein, wenn die Renditen steigen und die Kurse sinken.

Bei der Gegenüberstellung des Kurses des Schweizer Franken gegen den Verlauf der deutschen Bunds kann man recht gut erkennen, welchen Einfluss die Entscheidung der Schweizer Nationalbank Anfang September 2011 hatte, den Kurs der eigenen Währung nicht mehr unter 1,20 gegen den Euro sinken zu lassen. Genauso wird hier deutlich, dass zuletzt offenbar andere Faktoren bei der Renditeentwicklung dominierten, z.B. die oben erwähnte Kapitalflucht (aus den PIIGS).

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