US-BIP: Super oder was?

Das für die BIP-Berechnung in den USA zuständige Bureau of Economic Analysis (BEA) meldet in seiner ersten, vorläufigen Schätzung, dass die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um annualsiert 2,9% gestiegen ist nach 1,5% im Vorquartal. Das wäre fast schon wieder die Rückkehr zu den „normalen“ Wachstumsraten von drei Prozent und mehr aus der Zeit vor 2008.

Die stärkste Veränderung kam von der Lagerhaltung, ihr Beitrag zum BIP stieg gegenüber dem zweiten Quartal um fast 1,8% an und macht jetzt 0,6% aus. Zuvor hatte es fünf kontraktive Quartale in Folge gegeben. Der Beitrag der Exporte stieg, was im Quartalsvergleich fast ein Prozent ausmacht, das sich verringernde Handelsbilanzdefizit trug 0,8% zum BIP bei. Der Anstieg der Exporte ist zu einem bedeutenden Teil auf eine Rekord-Ernte bei Sojabohnen zurückzuführen.

Der Beitrag der Staatsausgaben stieg um 0,4%. Demgegenüber verringerte sich der Beitrag der Konsumausgaben auf 1,5%, er hat sich gegenüber dem Vorquartal fast halbiert. Der Beitrag der Geschäftsinvestitionen blieb knapp im negativen Bereich, das ist zwar eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorquartal, jedoch das vierte negative Quartal in Folge.

Rechnet man die Lagereffekte heraus, deren Wirkung auf das BIP sich im größeren zeitlichen Rahmen ausmittelt, so stiegen diese „Real Final Sales of Domestic Product“ um 2,3%, im Vorquartal waren es noch fast 2,6% gewesen.

Das reale, jährliche, verfügbare pro-Kopf-Einkommen ist im dritten Quartal um 127 Dollar angestiegen. Aggregiert liegt es heute um 6,6% über dem Wert des zweiten Quartals 2008, was eine magere annualisierte Wachstumsrate von nicht einmal 0,8% ergibt.

Und so bleibt die Erkenntnis, dass zwei besonders volatile Aggregate, Lager und Außenhandel, ein Wachstum vortäuschen, das näherem Hinsehen nicht standhält. Beide unterliegen in besonderem Maße dem Einfluss von Rohstoff-Preisen und Währungsbewegungen, selbst wenn sich die zugrundeliegenden Mengengerüste wenig verändern. Ihr Beitrag zum BIP kommt zusammen auf 1,4%, das macht fast die Hälfte des BIP-Anstiegs aus. Und die eigentliche, langfristig treibende Kraft für die Wirtschaftsentwicklung, der private Verbrauch, bleibt durch eine nachhaltig schleppende Entwicklung der privaten Einkommen geschwächt.

„C“ – privater Konsum
„I“ – Investitionen (Lager und Geschäftsinvestitionen)
„G“ – Staatsausgaben
„X-M“ – Beitrag der Handelsbilanz

[Chartquelle]

Der US-PCE, der private Konsum, hat im September um 3,7% aufs Jahr gerechnet zugelegt. Im März 2000 hatte der jährliche Zuwachs noch bei neun Prozent gelegen. Im August 2005 kam der Wert auf sieben Prozent, ein weiteres lokales Hoch wurde im September 2011 mit 5,1% markiert. Dieses Niveau wurde im August 2014 nochmals erreicht, seitdem macht sich in der Zeitreihe weitere Schwäche bemerkbar.

Nachtrag:
(29.11.16) Die zweite Schätzung des US-BIP im dritten Quartal erbrachte eine Aufwärtsrevision um 0,24% auf 3,15%. Gegenüber dem Vorquartal liegt der Wert um 1,73% höher. Der größte Anteil der Verbesserung kam von den Verbraucherausgaben, die um 0,42% nach oben revisiert wurden.

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