IWF revidiert Wachstumsperspektive

Der IWF hat einmal mehr seinen Glauben an die Erholungskräfte der Weltwirtschaft relativiert. Im laufenden Jahr erwartet die Organisation in ihrem aktuellen Bericht ein globales Wachstum von 3,3%. Vor sechs Monaten war man noch von 3,7% ausgegangen. In 2015 sollen es plus 3,8% werden, 0,2% weniger als zuvor prognostiziert.

IWF-Direktorin Lagarde sagte: ”Die Erholung ist fragil, ungleich und nicht sehr stark verankert.“ Das ist nicht besonders neu – sechs Jahre nach dem offenen Ausbruch der Finanzkrise belasten deren Nachwirkungen die Volkswirtschaften weiterhin. So ist zumindest die allgemeine Sicht. Nachfolgend einige Charts aus dem IWF-Bericht, die ein Schlaglicht auf den Zustand der Weltwirtschaft werfen.

Die Emerging Markets hatten nach 2008 eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Weltwirtschaft aus der Rezession herauszuziehen. Diese Vorreiterrolle ist dahin, insbesondere in Brasilien entwickelt sich ein deutlicher Abschwung. Der IWF revidiert die Wachstumsperspektive dieses Landes für 2014 um einen Prozentpunkt, für 2015 werden 0,6% weniger erwartet als zuvor vorhergesagt. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, China, wird nach IWF in diesem Jahr unverändert um 7,4%, in 2015 um 7,1% wachsen.

Was die entwickelten Wirtschaften angeht, so führt die USA zwar diese Gruppe an, aber als wirklich robust lässt sich die Erholung dort auch nicht bezeichnen. Die japanische Wirtschaft konnte sich zwar kurzfristig nach Einführung der Harakiri-Geldpolitik in 2013 beleben, aber gegen Jahresende 2015 dürfte das Wachstum nach Schätzungen des IWF bereits wieder negativ werden. Die deutsche Wirtschaft soll in 2014 nur noch um 1,4% wachsen (0,5% weniger als zuvor geglaubt), in 2015 wird mit +1,5% gerechnet (0,2% weniger). In der Eurozone besteht nach IWF nun die Gefahr einer Stagnation statt des zuvor erhofften Aufschwungs: In 2014 soll der Währungsraum um 0,8%, im kommenden Jahr um 1,3% wachsen. Beide Werte wurden gegenüber der früheren Schätzung deutlich gesenkt.

Die Inflationsraten bleiben anemisch, was der IWF als Beleg für eine zu langsam wachsende Wirtschaft nimmt. Auch in 2015 werden die entwickelten Volkswirtschaften nach IWF das für sie allgemein anerkannte Inflationsziel von 2% nicht erreichen. Daran ändert auch die massive Geldflut nichts, die die Zentralbanken in den zurückliegenden Jahren veranstaltet haben in dem irrigen Glauben, damit die Wirtschaft auf Touren zu bringen.

Das Risiko einer Deflation ist für die Eurozone gegenüber der Einschätzung des IWF aus April angestiegen. Damals hatte man eine 25%-ige Wahrscheinlichkeit unterstellt, dass dieses Wirtschaftsgebiet innerhalb des laufenden Jahres in Deflation abrutscht. Jetzt steigt die Wahrscheinlichkeit auf 30%, dass dies irgendwann zwischen dem dritten Quartal 2014 und dem zweiten Quartal 2015 geschieht. In anderen Wirtschaftsregionen wird keine Deflationsgefahr gesehen.

Eine weitere Rezession gilt den IWF-Experten in praktisch allen Regionen als zunehmend wahrscheinlich. Schwächere Wachstumsraten machen die einzelnen Volkswirtschaften anfälliger für endo- oder exogene Schocks. Für die Eurozone wird die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt eines solchen Ereignisses zwischen drittem Quartal 2014 und zweitem Quartal 2015 jetzt bei 37% gesehen. Zuvor war man von 21% ausgegangen (siehe auch hier!)

[Unter Verwendung von Material der „Washington Post“ (h/t INSMBLOG)]

Ach ja: Der IWF sieht das Risiko einer möglichen Überhitzung der Finanzmärkte. Die derzeit hohen Börsenkurse würden nicht die Zerbrechlichkeit der wirtschaftlichen Erholung widerspiegeln, heißt es.

Das allgemeine Credo hinsichtlich der weiterhin schwachen Wachstumskräfte ist, dass sechs Jahre nach dem offenen Ausbruch der Finanzkrise deren Nachwirkungen die Volkswirtschaften weiterhin belasten. Ich denke allerdings, in der Finanzkrise brachen die strukturellen Probleme des entwickelten Finanzkapitalismus durch und diese, wie auch die verfehlten geldpolitischen Maßnahmen danach sind es, die weiterhin dafür sorgen, dass die Wirtschaft keine Fahrt aufnimmt. U.a. sind nach wie vor die Verschuldungspegel viel zu hoch und die Liquiditätsschwemme hat zu einer gigantischen Fehlallokation von Kapital und anderen Produktionsmitteln gesorgt.

Zerohedge befasst sich mit den Prognose-Schwächen des IWF – siehe hier!

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