Der Optimismus der Fonds-Manager

Nach der neuesten Umfrage der Bank of America herrscht bei den Fondsmanagern zwar keine Euphorie, aber sie ziehen weiterhin Aktien anderen Anlageklassen vor. Dem entspricht, dass ein bedeutender Anteil dieser Profis damit rechnet, das Wirtschaftswachstum werde sich in den nächsten zwölf Monaten über, die Inflation jedoch unter dem Trend entwickeln. Der Anteil dieser „Optimisten“ ist seit der Wahl Trumps zum US-Präsidenten von gut 5% auf jetzt fast 45% angestiegen. Etwa genauso hoch ist aktuell der Anteil derer, die Wachstum und Inflation unter dem Trend sehen. Vor der Trump-Wahl lag dieser Wert bei knapp 80%.

Damit ist nicht weiter verwunderlich, dass es eine deutliche Mehrheit der Fondsmanager überraschen würde, wenn es in den kommenden sechs Monaten eine Rezession geben würde. Eine Blasenbildung bei Aktien erscheint in diesem Zeitraum für über 30% der Profis nicht unwahrscheinlich. Etwa genauso hoch ist der Anteil derer, die wenig überrascht wären, wenn es zu Inflation kommt.

Über 40% der Profis halten Aktien für überteuert – wie zuletzt während der dotcom-Blase. Gleichzeitig liegt der Bargeldbestand der Fondsmanager mit 4,8% über dem langjährigen Mittelwert von 4,5%. Das ist etwa so viel wie 2003. Vor dem Platzen der Tech-Blase lag die Cash-Quote bei 3,6%, Ende 2007 kam sie auf etwa 2,7%. Den beiden zurückliegenden Aktien-Crashs in 2000/2001 und 2008 ging jeweils eine deutliche, sich über mehrere Jahre erstreckende Abnahme der Quote voraus.

Im August haben die Profis hauptsächlich Aktien im Bereich Technologie, zyklische Konsumtitel, Healthcare und aus Schwellenländern gesucht. Gemieden wurden hingegen Industriewerte, US- und Japan-Titel, sowie Bankwerte. Mit Blick auf die Long-, bzw. Short-Positionierung sind Bankwerte im historischen Vergleich nach wie vor äusserst beliebt, lediglich übertroffen von Aktien aus der Eurozone und gefolgt von Cash und Euro. Auf dem dritten Rang liegen die Emerging Markets. Nach der Short-Seite zu urteilen, sind Dollar, Bonds, US-, Energie- und UK-Aktien am unbeliebtesten.

Auf die Frage, wo die stärkste Unterbewertung vorliegt, antwortete die Mehrheit mit Volatilität. Der die auf 30 Tage erwarteten Schwankungen im S&P 500 messende VIX notiert mit nahe zehn deutlich unter seinem langfristigen Mittelwert bei rund 20. Als unterbewertet werden auch das britische Pfund, Öl, italienische Aktien und chinesische Banken angesehen.

Die Technologie führt die Rangfolge der Favoriten bei Aktien-Sektoren an. Auch Banken und Pharmatitel sind beliebt. Weniger zyklische, defensive Titel, wie Versorger, Telecom oder Basiskonsum, werden von den Profis untergewichtet.

Einem großen Optimismus der Fondsmanager hinsichtlich weiterem Wachstum steht gegenüber, dass sie nach wie vor auf recht hohen Cash-Beständen sitzen. Solange der Optimismus hoch bleibt, erscheinen damit die Aktienkurse gut nach unten abgesichert. Mehr noch: Die Kombination ist, auch in Zusammenhang damit, dass viele Profis eine Aktienblase kommen sehen, ein Hinweis darauf, dass es noch zu einer Blow-off-artigen Bewegung kommen könnte. Möglicherweise sind davon europäische Aktien besonders betroffen, weil der „Optimismus“ hinsichtlich Euro im historischen Vergleich weiter hoch ist.

[Die Charts sind dieser Quelle entnommen]

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