IWF: Ausblick trübt sich ein

Der IWF reduziert in seinem aktuellen World Economic Outlook die Schätzungen des globalen Wachstums für 2013 und 2014 gegenüber seinen Prognosen aus Juli. Der Ausblick für die Eurozone ist kaum verändert, die Wachstumserwartungen für die USA werden zurückgenommen, die für Großbritannien angehoben.

In der Eurozone soll die Leistungsbilanz klar positiv bleiben mit einer leichten Steigerung in 2014, gleichzeitig soll die von Deutschland auf hohem Niveau etwas schrumpfen. Das reale BIP-Wachstum soll 2014 auf 1% kommen, 2013 soll es noch leicht negativ bleiben. Die hohe Arbeitslosigkeit in der Eurozone soll auch 2014 Bestand haben.

Chris Giles stellt in der FT fünf Kernpunkte heraus (h/t Eurointelligence):

  • Der IWF sieht keine nachhaltige Erholung in den entwickelten Ländern.
  • Noch im April hatte der IWF von drei Geschwindigkeiten bei der wirtschaftlichen Erholung gesprochen und dabei die Emerging Markets als Hoffnungsträger gesehen. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Statt dessen wird von “multiple transitions” gesprochen, um die Lage der Weltwirtschaft zu charakterisieren.
  • Der Optimismus hinsichtlich der großen Länder der Emerging Markets wie China, Indien, Brasilien und Süd-Afrika ist verflogen. Von 2010 an war der IWF davon überzeugt, dass sie schneller wachsen könnten als vor 2008. Das gilt jetzt nicht mehr, auch die Zukunft in Latein-Amerika wird ähnlich kritisch gesehen. Die Gründe hierfür liegen nicht in den USA oder in Europa, sondern sind hausgemacht, strukturelle Reformen werden nicht ausreichend angepackt. Trotzdem soll der Ausblick nach Überzeugung des IWF noch besser bleiben als vor 20 Jahren, die Konvergenz der Lebensstandards in Bezug auf die entwickelten Länder soll weitergehen.
  • Die Fiskalpolitik steht nicht länger im Zentrum. Vor einem Jahr war der IWF ärgerlich gegenüber den Ländern, die ihre Budget-Defizite zu schnell abbauen wollten. Noch im April wurden die USA und Großbritannien in diesem Sinne ermahnt. Da die Austeritätslinie in der Eurozone nun zumindest in den 2014er Vorgaben deutlich gelockert worden ist, gibt es keinen Grund für die Peripherie der Eurozone, ihre Budget-Anpassungen schleifen zu lassen, so lange sich das Wachstum nicht signifikant schlechter entwickelt als vorhergesagt.
  • Der IWF legt eine lange Liste von Risiken vor. So wird die USA kritisiert, weil ihre Politiker mit dem Haushalts- und Schulden-Streit die Glaubwürdigkeit ihres Landes aufs Spiel setzen. Auch die Fed soll endlich Notiz von den Nebenwirkungen in anderen Ländern nehmen, wenn sie beginnt, ihre Geldpolitik zu straffen. Und die Emerging Markets werden gescholten, weil sie strukturelle Reformen nicht umsetzen.

Wenn sich die Abwärtsrisiken entfalten sollten, so sieht der IWF den Wegfall von 20 Millionen Arbeitsplätzen und die Gefahr sozialer Unruhen. Außerdem dürfte dann die Schuldentragfähigkeit in vielen Ländern erneut angezweifelt werden.

Um das zu verhindern, schreibt der IWF, müssten die Politiker überall stärkere Anstrengungen unternehmen, die zugrundeliegenden Probleme konsequent anzugehen.

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