Covid-19 – keine Übersterblichkeit in den USA

Nach aktuellen Daten stehen die USA derzeit an erster Stelle bei der Gesamtzahl der COVID-19-Fälle, den neuen Fällen pro Tag, sowie bei den Todesfällen. Nachfolgend werden die Auswirkungen von COVID-19 auf die Todesfälle in den USA unter Verwendung von Daten des „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) kritisch analysiert.

Autorin des entsprechenden Webinars ist Genevieve Briand, stellvertretende Programmdirektorin des Masterstudiengangs Angewandte Wirtschaftswissenschaften an der Johns Hopkins University. Die Analyse war zunächst im Newsletter der Johns Hopkins University veröffentlicht worden, wurde anschließend aber wieder zurückgezogen (siehe hier!). Daher kann als Quelle nur auf das „Web-Archive“ Bezug genommen werden – siehe hier!.

Die Gesamtzahl der Todesfälle in den USA kommt von Mitte März bis Mitte September auf 1,7 Millionen, 200.000 bzw. 12% werden auf COVID-19 zurückgeführt. Briand untersuchte zunächst die gesamten Todesfälle pro Altersgruppe und Todesursache. Überraschenderweise sind die Todesfälle älterer Menschen vor und nach COVID-19 gleich geblieben. Da COVID-19 hauptsächlich ältere Menschen betrifft, erwarteten Experten einen Anstieg des Anteils der Todesfälle in älteren Altersgruppen. Dieser Anstieg ist jedoch aus den CDC-Daten nicht ersichtlich. Tatsächlich sind die prozentualen Anteile der Todesfälle in allen Altersgruppen relativ gleich geblieben (siehe Chart in der Quelle).

„Der Grund dafür, dass wir eine höhere Zahl gemeldeter COVID-19-Todesfälle bei älteren Personen als bei jüngeren Personen haben, liegt einfach darin, dass in den USA jeden Tag ältere Personen in höherer Zahl sterben als jüngere“, sagt Briand.

50.000 bis 70.000 Todesfälle pro Woche sind sowohl vor als auch nach COVID-19 zu verzeichnen, was darauf hindeutet, dass diese Zahl der Todesfälle lange vor dem Auftreten von COVID-19 normal war. Daher, so Briand, habe COVID-19 nicht nur keinen Einfluss auf den prozentualen Anteil der Todesfälle bei älteren Menschen gehabt, sondern auch die Gesamtzahl der Todesfälle nicht erhöht.

Im Gegensatz zu den Annahmen der meisten Menschen erscheint die Zahl der Todesfälle durch COVID-19 nicht alarmierend. Tatsächlich hat die Krankheit kaum Auswirkungen auf den Verlauf der Gesamtzahl aller Todesfälle in den USA.

Wie aber kommt es, dass unsere Wahrnehmung so weit von den Daten entfernt liegt?

Um diese Frage zu beantworten, untersuchte Briand den Verlauf der Todesfälle je Ursache im Zeitraum von 2014 bis 2020. Wenig überraschend gibt es einen plötzlichen Anstieg der Todesfälle im Jahr 2020 zwischen März und September aufgrund von COVID-19.

Die Analyse der Todesfälle je Ursache im Jahr 2018 ergab, dass das Muster des saisonalen Anstiegs der Gesamtzahl der Todesfälle eine Folge des Anstiegs der Todesfälle nach allen Ursachen ist, wobei die drei häufigsten Ursachen Herzkrankheiten, Atemwegserkrankungen, Grippe und Lungenentzündung sind.

Dies trifft jedes Jahr zu. „Jedes Jahr, wenn wir in den USA das saisonale Auf und Ab beobachten, haben wir einen Anstieg der Todesfälle durch alle Ursachen“, betonte Briand. Im Jahr 2020 aber überstiegen die COVID-19-bedingten Todesfälle die Todesfälle durch Herzkrankheiten, die in der Vergangenheit stets die häufigste Todesursache waren.

Als Briand die Zahl der Todesfälle pro Ursache im Zeitraum zwischen März und September 2020 mit derselben Periode in 2018 verglich, stellte sie fest, dass statt des erwarteten drastischen Anstiegs über alle Ursachen hinweg ein signifikanter Rückgang der Todesfälle aufgrund von Herzkrankheiten zu verzeichnen war. Noch überraschender ist, wie aus der nachstehenden Grafik (Zeitbereich von Anfang 2014 bis September 2020) hervorgeht, dass dieser plötzliche Rückgang der Todesfälle in 2020 auch bei allen anderen Ursachen zu beobachten ist (hervorgehobener Ausschnitt auf der rechten Seite der Graphik).

Dieser Trend steht in völligem Gegensatz zu dem in allen vorangegangenen Jahren beobachteten Muster. Interessanterweise entspricht der Gesamtrückgang der Sterbefälle durch andere Ursachen in den ersten drei Aprilwochen fast genau dem Anstieg der Sterbefälle durch COVID-19 (siehe Tabelle in der Quelle). Dies unterstreicht laut Briand, dass die Zahl der Todesfälle durch COVID-19 irreführend ist.

Briand ist der Ansicht, dass Todesfälle aufgrund von Herzkrankheiten, Atemwegserkrankungen, Grippe und Lungenentzündung stattdessen als auf COVID-19 zurückzuführende Todesfälle rekategorisiert worden sein könnten.

Die CDC klassifizierte alle Todesfälle, die in Zusammenhang mit COVID-19 stehen, einfach als COVID-19-Todesfälle. Selbst Patienten, die an anderen Grunderkrankungen sterben, aber mit COVID-19 infiziert sind, zählen zu den COVID-19-Todesfällen. Dies ist wahrscheinlich die Haupterklärung dafür, warum die COVID-19-Todesfälle drastisch zugenommen haben, während die Todesfälle durch alle anderen Krankheiten einen signifikanten Rückgang verzeichneten.

„All dies deutet darauf hin, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass COVID-19 zu überhöhten Todesfällen geführt hat. Die Gesamtzahl der Todesfälle liegt nicht über der normalen Sterbeziffer. Wir haben keinen Beweis für das Gegenteil gefunden“, so Briand.

Da die rohe Zahl der Gesamttodesfälle nach allen Ursachen vor und nach COVID-19 gleich geblieben ist, kann man nach Ansicht von Briand kaum sagen, dass die Todesfälle durch COVID-19 besorgniserregend sind. Sie fordert mehr Forschung und Daten, um die Auswirkungen von COVID-19 auf die Todesfälle in den Vereinigten Staaten wirklich zu entschlüsseln.

[Zusammenfassende Übersetzung vom Autor dieses Blogs, KS]

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Anmerkung:
Untersucht werden sollte auch genauer, ob die Leute womöglich sterben, bevor sie eine Grippe oder eine Herzkrankheit oder eine Lungenentzündung oder … (also die üblichen hauptsächlichen Krankheiten (s.o.)) dahinrafft. Das ist die wichtige Frage nach der Vorerkrankung (das Alter scheint ja als alleinige Ursache keine besondere Rolle zu spielen). Ein wesentlicher Unterschied zwischen COVID-19 und Grippe dürfte auch sein, dass man an Grippe (Influenza) relativ schnell sterben kann, bzw. meist an einer damit verbundenen Lungenentzündung. Die Verläufe bei Corona ziehen sich im Vergleich dazu eventuell länger hin, was erklären würde, warum das Gesundheitswesen bei „Corona“ in seiner Kapazität stärker beansprucht sein könnte als bei Grippe. Wie auch immer, die besondere, enorme Gefahr von SARS-CoV2 sehe ich nicht, wie sie von offizieller Seite immer wieder herausgehoben wird. Das stellt die vorgestellte Untersuchung richtig dar (s.o.).

Nachtrag:
(9.12.20) Auch für Deutschland zeigt sich in den Daten keine Übersterblichkeit – siehe hier!

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