Corona – was sagen die aktuellen Zahlen?

[Jüngste Aktualisierung am 16. Mai 2020 mit Daten vom 15. Mai 2020

Beim Wachstumsfaktor bei Neuinfektionen (Erklärung unten!) liegt Italien vorne (mit elf von 14 Tagen unter eins), Schweden ist Schlusslicht (mit fünf von 14 Tagen unter eins). In der kurzfristigen Tendenz zeigt die Entwicklung des Wachstumsfaktors in Deutschland und in Schweden abwärts, ansonsten aufwärts (Zeile „Trd | Tend)“: „dw“-abwärts, „ntl“-seitwärts, „up“-aufwärts). Zyklische Bewegungen (siehe hier!) mit einer Länge von sieben bis neun Tagen sind besonders ausgeprägt „weltweit“, in Deutschland, in Italien und in den USA.
[Aktualisierung Ende]

Im folgenden stelle ich Ergebnisse der Auswertung von Corona-Infektionen vor, wie sie sich auf Basis der öffentlich zugänglichen Zahlen ergibt. Wie gut diese Zahlen die Wirklichkeit widerspiegeln, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Meiner Meinung nach gibt es ein recht einfaches Mittel, um zu beurteilen, wo man in der Statistik der Corona-Verbreitung gerade steht. In den folgenden Tabellen stelle ich für die zurückliegenden 14 Tage auf das Verhältnis heutiger Neuinfektionen zu den Neuinfektionen des Vortages ab (Wachstumsfaktor = W.-Faktor). Einige verzerrende Faktoren kürzen sich dadurch weg, der Effekt der Zunahme an festgestellten Infektionen, die sich allein durch eine Ausweitung der Tests ergibt, wird zumindest reduziert. Eigentlich müsste man auf den Quotienten aus Zahl der Infektionen und Zahl der Tests abstellen (siehe z.B. hier!), hierzu gibt es aber keine zeitnahen, öffentlich zugänglichen Angaben. Warum nicht? Gute Frage…

Liegt der Wachstumsfaktor einige Tage lang über eins, liegt die Annahme nahe, dass sich die Zahl der festgestellten Infektionen ungebremst weiter entwickelt (exponentielle Phase). Sinkt der Wert unter eins, ist das ein Hinweis darauf, dass deren Verlauf an Dynamik verliert – je länger und stärker er unter eins liegt, umso deutlicher.

Sinnvollerweise muss man bei einem angenommenen Zeitverzug von bis zu 14 Tagen (Inkubationszeit plus Zeitverzögerung bis Test plus Zeit bis Testergebnis) auch darauf abstellen, vollständige Entwarnung erst zu geben, wenn der Wachstumsfaktor entsprechend lange unter eins liegt. Kommt er mindestens sieben Tage in Folge unter eins, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Spitze der Verbreitung überstanden ist.

Die Situation stellt sich im Zeitablauf umso besser dar, je mehr Tage dieser Wachstumsfaktor unter eins liegt (siehe Prozentangabe in Zeile „Ø | <1“). Zusätzlich bekommt man einen Eindruck, wie nachhaltig die Entwicklung hin zu Wachstumsfaktoren unter eins ist, wenn man verschiedene Mittelwerte betrachtet. In Zeile „Ø | <1“ ist mit „Ø“ der einfache Durchschnitt über den gesamten dargestellten Zeitraum angezeigt. In den zwei Zeilen darunter werden exponentielle Mittelwerte dargestellt, die die jüngere Vergangenheit stärker berücksichtigen. Für eine stabile Verbesserung des Verlaufs sollte Ø>EMA>WEMA sein, erst recht mit Werten unter eins.

Die Auswertung des aktuellen Zahlen-Stands (per 6. April) zeigt Süd-Korea mit recht weit fortgeschrittener Entwicklung (bei insgesamt lediglich 186 Gestorbenen, deren Tod einer Infektion durch COVId-19 zugeschrieben wird). Die Zahlen für Italien zeigen auf hohem Niveau ebenfalls eine deutliche Abflachung (bei insgesamt 16.523 Gestorbenen, deren Tod einer Infektion durch COVId-19 zugeschrieben wird). In Deutschland ist eine vergleichbare Entwicklung auf deutlich niedrigerem Niveau festzustellen (bei 1.810 Toten). Weltweit verliert die Entwicklung ebenfalls etwas an Dynamik. In den USA (10.871 Tote) zeichnet sich auf hohem Niveau eine leichte Entspannung ab, mehr allerdings bisher nicht. In Deutschland, Italien und Süd-Korea liegt der Wachstumsfaktor an acht von 14 Tagen unter eins.

Zum Vergleich die Situation per 30. März 2020 (aus Artikel „Unverantwortlich“):

Zum Vergleich die Situation per 22. März 2020 (aus Artikel „Trau keiner Statistik“):

Ergänzung:
Die Behauptung des Biophysikers Prof. Dr. Dirk Brockmann, der zu Ostern 280.000 bestätigte Fälle für nicht unrealistisch hält, dürfte genauso ins Reich der Fabel gehören, wie die Vorhersage eines Prof. Harald Lesch (Terra X), der für den 27. März den Kollaps der Kliniken in Deutschland sah. Aktuell liegt die Zahl der Gesamtinfektionen in Deutschland bei unter 105.000 und der Kollaps hat bisher nicht stattgefunden.

Nachtrag:
(1.5.20) In einer ausgezeichneten Analyse erklärt Prof. Christof Kuhbandner, warum die zunehmende Erhöhung der Anzahl der Coronavirus-Tests zu einer dramatischen Überschätzung des wahren Anstiegs der Neuinfektionen führt. Außerdem würde der zeitliche Abstand zwischen tatsächlichem Infektionszeitpunkt und Testzeitpunk den in Wirklichkeit deutlich früher stattfindenden Rückgang der Neuinfektionen verbergen.
Im Gegensatz zur verbreiteten Darstellung wäre demnach das Szenario einer epidemischen Ausbreitung des Coronavirus ein statistischer Trugschluss. Laut Kuhbandner sind darum die drastischen Eingriffe in unsere Grundrechte wissenschaftlich nicht gerechtfertigt. Ein nicht begutachteter Vorabdruck in englisch ist hier erschienen.

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