S&P 500 – mehr als dead-cat-bounce?

Der S&P 500 hat in den zurückliegenden Tagen 6,9% zugelegt. Am Mittwoch gelang ihm mit der FOMC-Sitzung der Fed als Rückenwind, den wichtigen Pegel bei 4290 nach oben aufzuhebeln. Per Schlusskurs vom Donnerstag notierte er punktgenau an der EMA50. Am Freitag legte er noch eine Schippe drauf.

Bemerkenswert ist auch, dass der Index jetzt über einer Abwärtslinie vom 4. Januar steht. Das scheint die erste bullische Bewegung seit Jahresbeginn zu sein, die mehr als die Bezeichnung „dead-cat-bounce“ verdient. Allerdings würde ein Rückfall unter den Pegel 4375 das bullische Bild auch schon wieder eintrüben. Es dürfte zunächst mit erhöhter Volatilität zu rechnen sein. Vielleicht muss auch nochmals ein Rücksetzer bis in den Bereich von 4290 erfolgen, um weitere Akteure von der Seitenlinie anzulocken (Chartquelle).

Das Handelsvolumen hat die jüngste Aufwärtsbewegung bestätigt. Das gilt auch für den Verlauf des ICE BofA High Yield Index. Sinken die Renditen für Ramschanleihen indiziert das steigende Risikobereitschaft. Generell gilt hier, dass sich diese Renditen und der S&P 500 gegenläufig entwickeln. Reagieren die Renditen auf eine Aufwärtsbewegung des S&P 500 nicht, ist Vorsicht geboten.

Die Marktindikatoren zeigen seit ein paar Tagen eine konstruktive Tendenz, belastbare Signale sind allerdings noch Mangelware. Der die Marktbreite messende TRIN zeigt sich bullisch, die Volumenverteilung befindet sich allerdings weiter in Distribution. SPX/VIX und PCR haben ihre bärischen Signale neutralisiert.

Der VIX hat jetzt unter seiner EMA50d geschlossen. Das ist positiv, allerdings notiert diese noch klar über der EMA50w (EMA250). So lange dies so bleibt, hat der VIX eine erhöhte Relevanz für den Verlauf des S&P 500.

Das größere Bild zeigt, dass die Bären im S&P 500 zum ersten Mal seit April 2020 das Geschehen über längere Zeit bestimmen konnten. Zunächst dürften jetzt aber wieder die Bullen dominieren. Dazu muss aber auf der Unterseite der Pegel bei 4290 respektiert werden. Eine Seitwärtsbewegung zwischen diesem Pegel und 4540 erscheint mir für die nächste Zeit am wahrscheinlichsten (Chartquelle).

Ohne flankierende Unterstützung aus dem Renditebereich wird es nicht gehen. Die aktuelle Situation ähnelt der aus der zweiten Jahreshälfte 2018. Seinerzeit stieg die 10yr-Rendite über die langfristige Abwärtslinie aus 1986. Der S&P 500 fiel ab Oktober deutlich und fand erst Halt, als die Fed begann, die Leitzinsen zu senken. Jetzt liegt die Rendite wiederum deutlich oberhalb der langen Abwärtslinie. Weitere Steigerungen dürften den S&P 500 eher belasten, u.a. weil dann das „faire KGV“ ebenfalls weiter fällt, wodurch die Überbewertung von Aktien noch deutlicher würde. Da die Fed auf ihrer jüngsten FOMC-Sitzung zwar den Falken gespielt, aber die Taube gemacht hat, stehen die Chancen gut, dass die Rendite jetzt zunächst zurückkommt. Zielbereich zunächst die EMA50 bei 1,87.



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