Gut, dass wir die FAZ haben

Gut, dass wir die FAZ haben. Die leitartikelte jetzt unter dem Titel „Gegen das Appeasement“: „Eine ernsthafte Debatte über Strategien gegen den Despoten im Kreml ist (…) nur möglich, wenn ein Grundkonsens darüber besteht, dass sie nötig sind.“

Und wie der aussehen soll, schreibt sie auch gleich: „Verständnis für Putins Russland (…) sollte in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr als akzeptable Meinung gelten.“ Im Umkehrschluss bedeutet das: Offene Feindschaft, Putins Russland muss ruiniert werden. Koste es, was es wolle.

Gut, dass es den Dämon Putin gibt, den man für alles verantwortlich machen kann. So erledigt sich das Denken. Ansonsten könnte man ja womöglich zu dem Schluss kommen, dass sich Russland westlichen, besser gesagt US-Interessen nicht unterwirft – im Gegensatz z.B. zu Deutschland. Mag sein, dass den Schreiberlingen der FAZ die Konsequenzen ihrer Kriegstreiberei egal sind. Die meisten Deutschen dürften das anders sehen.

Solche Denkverbote gehören zu Medien in Diktaturen. Aber neu sind sie nicht – siehe Corona. Die FAZ zählte auch da schon zu den Quantitätsmedien, die sich der Regierungslinie unterwarfen.

Gut, dass es Putin gibt – jetzt hält sogar die EZB-Präsidentin Lagarde eine offizielle Inflationsquote von 7% für möglich. Vor nicht langer Zeit hatte sie die Inflation noch für vorübergehend gehalten und Maßnahmen deswegen kaum in Betracht gezogen. Machen kann man da als EZB nichts, heißt es, die Eurozonisten werden nun mit einer hohen und breiten Inflationswelle leben müssen. Interessanterweise hatte vor kurzem bereits die EZB-Direktorin Isabel Schnabel die Inflation mit dem grünen Umbau der Wirtschaft in Verbindung gebracht.

Der Ukraine-Konflikt ist willkommener Anlass, den Geist der Inflation aus der Flasche zu lassen. Aber die Ursache liegt im grünen Umbau der Wirtschaft – Greenflation ist das Stichwort. Inflation aber betrifft v.a. Menschen mit normalem bis geringem Einkommen. Und dabei gilt auch folgendes: Ein hoher Lebensstandard korreliert mit hoher Umweltbelastung, gleichzeitig bedeuten etwa höhere Energiekosten im oberen Einkommenssegment weniger Einschnitte als am anderen Ende der Einkommsskala. Und so werden die Lasten der „grünen Transformation“ in wesentlichen von den unteren Einkommensschichten getragen.

Der Auftrag der EZB ist, die Geldwertstabilität sicherzustellen. Bleibt sie ihrem Auftrag treu, würde das den ökologischen Umbau konterkarieren. Denn Zinsanhebungen würden die Investitionsneigung bremsen.

Welches Schweinderl hättens gerne? Stabiles Klima oder stabile Preise?

Von den Sanktionen, die die sogenannten Verteidiger von Demokratie und Menschenrechten fordern, werden die unteren Einkommensschichten am stärksten betroffen. Die FAZ will mit ihrem Denkverbot erreichen, dass auch über diese Zusammenhänge nicht nachgedacht wird. Putin ist schuld, denken Sie bloß nichts anderes. Basta.

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