Hajek über Wettbewerbsgeld

Friedrich A. von Hayek hat 1976 in die „Entnationalisierung des Geldes“ (1977 auf Deutsch erschienen) gefordert, der Staat solle sein Geldmonopol aufgeben. Thomas Mayer greift diesen Gedanken in seinem Buch „Die neue Ordnung des Geldes“ auf. Für ihn steht der institutionelle Wettbewerb innerhalb Europas um das stabilste Geld im Zentrum seiner Gedanken über eine Geldreform.

Bis zur Einführung des Euro hatten wir in Gestalt der unterschiedlichen Währungen in Europa in gewissem Sinne einen Wettbewerb um das beste Geld. Die Schaffung des Euro beendete diese Episode durch einen bürokratischen Verwaltungsakt, der keine Rücksicht auf ökonomische und historische Gegebenheiten nahm.

Hajek versprach sich von der Abschaffung des Geldmonopols der Regierung ein Ende der Abfolge akuter Inflationen und Deflationen. Boom und Rezession sind nach der österreichischen Schule der Ökonomie unmittelbare Folge des staatlichen Geldmonopols. Die zentralplanerische Steuerung von Geldmenge und Zins führt zu einer inadäquaten Geldversorgung der Wirtschaft. Relative Preise werden verzerrt, Konsum und Produktion gestört, Ressourcen und Investitionen fehlgeleitet, Rezession und Arbeitslosigkeit hervorgerufen, so Hajek.

Das Regierungsmonopol auf Geld hat daraus ein Herrschaftsinstrument gemacht. Es ist Mittel zum Zweck, setzt sein Streben nach immer größerer Ausdehnung und Machtfülle durch. Wettbewerbswährungen würden diese Möglichkeiten beschränken – Wettbewerbsgeld ist mit totalitärer Macht unvereinbar. Der verbreiteten, politisch motivierten Manipulation der Währungen wird ein Riegel vorgeschoben, vollständige Bewegungsfreiheit des Geldes zwingt die Regierungen, eine optimale Wirtschaftspolitik zu betreiben. Hayek: „Nichts kann erwünschter sein, als der Regierung die Macht über das Geld zu nehmen und so dem anscheinend unwiderstehlichen Trend zu einem beschleunigten Anwachsen des von ihr beanspruchten Anteils am Volkseinkommen Einhalt zu gebieten.“

Nach Hayek kann die optimale Geldmenge nicht durch eine Behörde festgestellt werden, nur der Markt kann die Geldmenge finden, bei der die Preise konstant bleiben. Im Umfeld einer optimalen Geldmenge gehören somit Phasen starker Inflation der Vergangenheit an, die Allokation der Produktionsmittel ist optimal.

Wird das staatliche Geldmonopol aufgehoben, sollten nach Hajeks Vorstellungen private Banken Geld ausgeben, dessen Kaufkraft sie gegenüber einem Korb von Rohstoffen konstant halten. Der Selektionsprozeß im Wettbewerb der Währungen würde so lange andauern, bis die besten geldausgebenden Institute feststehen. Im Wettbewerb setzt sich werthaltiges Geld durch, schwaches Geld verschwindet, weil Nutzer dieses in hartes tauschen und es künftig nicht mehr nachfragen.

Hayeks „eigentlich“ einfacher und bestechender Vorschlag führt zum Freihandel mit Geld und Freihandel bei der Ausübung aller Bankgeschäfte. Über diesen Weg würde er auch dafür sorgen, dass die Bankenlandschaft bereinigt wird. Die aktuelle EZB-Politik hingegen versucht gerade umgekehrt, Zombi-Banken auf Kosten der Allgemeinheit durch zu schleppen. Erst das staatliche Monopolgeld erlaubt eine solche Politik, die mit optimalem Wirtschaften nichts zu tun hat.

Hajeks Vorschlag gewinnt mit der Diskussion über das endlose Griechenland-Debakel wieder an Aktualität. Eine der möglichen Wege, etwas Brisanz aus der Situation zu nehmen, besteht darin, Parallelwährungen einzuführen. Sie entsprechen zwar nicht der Idealvorstellung von Hajek, könnten aber die Türe dorthin öffnen.

Ist Hajeks Vorschlag utopisch? Ja, weil sich dazu der Staat von seinem Geldmonopol verabschieden müsste, was er niemals freiwillig tun würde. Nein, weil das aktuelle „Fiat-Money“ sich selbst in immer größere Probleme hineinmanövriert, die innerhalb dieses Geldsystems nicht lösbar sind. Das lässt daran zweifeln, dass die Einführung von Wettbewerbsgeld auf evolutionärem Weg gelingt, wie Mayer dies in seinem Buch „Die neue Ordnung des Geldes“ für möglich hält.

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