S&P 500, FedEx, Rezession, Inflation

Der S&P 500 hat auf Wochensicht 4,8% verloren, der NDX bringt es auf einen Wochenverlust von 5,5%. Der DAX verlor im gleichen Zeitraum 2,7%. Als Grund für den Ausverkauf wird der US-Inflationsbericht für August angegeben. Man sieht darin die die nicht gerade neue Bestätigung, dass die Inflation mittlerweile tief im wirtschaftlichen Geschehen verankert ist.

Das wird deutlich am Kern-CPI, der Güter aus den Bereichen Nahrungsmittel und Energie ausschließt. Dieser Index war zwar im Juli im Vergleich zum Vormonat etwas zurückgegangen, meldete sich aber im August mit einem monatlichen Zuwachs von 0,6% zurück. Das war doppelt so viel wie erwartet. Auf das Jahr bezogen liegt die Inflation nach Kern-CPI jetzt bei 6,3% nach 5,9% im Juli.

Zwar sind die direkten Beiträge der volatilen Preisbestandteile im Kern-CPI ausgeblendet, aber indirekt sind sie sehr wohl enthalten. So arbeiten sich nachhaltig steigende Energiepreise nach und nach durch das Kosten- und Preisgefüge durch und treiben etwa Baumaterialien usw. hoch. Und darüber treten sie dann auch im Kern-CPI in Erscheinung.

Materialien für den Hausbau haben über die Baukosten einen wichtigen Einfluss auf die Mieten, bzw. das Mietäquivalent für private Immobilienbesitzer. Die wiederum machen einen bedeutenden Teil beim Zustandekommen des Kern-CPI aus, sie sind der größte Einzelposten. In der Klasse der Kern-Dienstleistungen dominiert der Anteil der Mieten und Äquivalente bei weitem, Kern-Dienstleistungen wiederum machen fast die Hälfte des Kern-CPI aus. Insofern ist der Kern-CPI ein verlässlicherer Indikator hinsichtlich der Frage, wie beständig die Inflation ist (Chartquelle).

Die „shelter“-Komponente des CPI macht fast ein Drittel des "Headline"-Index aus. Sie liegt jetzt 6,25% über dem Wert des Vorjahres. Sie läuft den Hauspreisen zwischen sechs und 12 Monaten nach. Aus dieser Sicht könnte man ein lokales Topp hier vielleicht in vier bis sechs Monaten erwarten. Das wäre dann auch der Zeithorizont, in dem die Inflation insgesamt abflachen könnte (Chartquelle).

Am zurückliegenden Freitag trieb ein trüber Ausblick von FedEx die Akteure weiter um. Der FedEx-CEO glaubt, dass es zu einer weltweiten Rezession kommt. Das Unternehmen zog die eigenen Prognosen zurück. Die Gewinnschätzungen je Aktie sinken um ein Drittel.

FedEx ist ein Platzhirsch im Transportsektor. Dessen Bedeutung in der Gesamtwirtschaft ist hoch, insbesondere auch angesichts der globalisierten Wirtschaft mit ihren weltumspannenden Lieferketten. Die Dow-Theorie achtet auf die gegenseitige Bestätigung von DJIA und Dow Jones Transport Index DJT.

Der DJT hat Anfang November 2021 ein „großes“ Topp markiert. Am zurückliegenden Freitag hat er mit der Meldung von FedEx eine gewaltige Abwärtslücke gerissen und notiert nun 25% unter seinem Hoch aus November 2021 (aber immer noch doppelt so hoch wie im Tief aus März 2020).

Auch von der Zinsseite her ist die Inflation in vollem Schwange: Die reale Fed funds rate kommt aktuell auf –5,92%, das vorherige Rekord-Tief stammt mit –4,97% aus 1975. Die Rendite der 2yr-TNotes notiert bei 3,867% und indiziert ein entsprechendes Ziel bei der Entwicklung des Leitzinses, der aktuell bei 2,33% liegt. Die Rendite der 10yr-TNotes kommt auf 3,45%. Ein Ausbruch über 3,5% würde weiteres Aufwärtspotenzial signalisieren. Angesichts der sehr starken Überkauftheit dürfte das jetzt wahrscheinlich nicht passieren. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die statistische Auswertung von Merkmalen der Zinslandschaft bestätigt das Aufkommen einer Rezession.

Der S&P 500 hat unter hohem Handelsvolumen zum Wochenschluss mit einer Abwärtslücke unter dem 62er Retracement des Aufwärtsimpulses aus Mitte Juni geschlossen. Ein langer unterer Docht signalisierte im intraday-Geschehen Kaufinteresse. Der Index schloss an der linearen Regressionslinie aus Juni 2009 (pink im folgenden Chart). Die hatte immer wieder eine gewisse Relevanz beim Kursgeschehen, man sollte sie aber nicht überbewerten.

Die Volumenverteilung ist in mäßig überdehnter Distribution, die Marktbreite erscheint noch zu gut für einen langfristig stabilen Boden. Die Advance/Decline-Line (ADL) zeigt seit einigen Tagen eine bullische Tendenz.

Wahrscheinlich schöpfen die Bullen im S&P 500 am aktuellen Punkt neue Hoffnung, die Bären haben mit dem zurückliegenden Verfallstag ihr Pulver wohl erst einmal verschossen. An der Oberseite ist zunächst das 62er Retracement bei 3900 relevant. Darüber ist die Abwärtslinie vom Hoch aus Mitte August wichtig. An der Unterseite muss auf das 38er Retracement des Bull-Runs seit März 2020 bei gut 3800 geachtet werden. Hält das nicht, steht 3650 auf dem Programm, der Startpunkt des Aufwärtsimpulses aus Mitte Juni (Chartquelle).

Bullische Gegenbewegung – ja, langfristig stabiler Boden – unwahrscheinlich.

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