Traurige Zeiten

Ja, ich finde, es sind traurige Zeiten. Die etablierte Politik greift unter dem Vorwand „Corona“ tief in unser privates, soziales und wirtschaftliches Leben ein. Das ist in ihrer Allgegenwärtigkeit schwer zu ertragen. Gängelung, Bevormundung durch eine sich als wohlmeinend und fürsorglich gebende staatliche Instanz, die allein weiß, was gut für uns ist, das hat deutliche Anklänge an längst vergangene Tage.

Da trifft man auf Freunde, die man seit einem Jahr nicht mehr gesehen hat, und „Küsschen, Küsschen“ wird ersetzt durch ein distanziertes Ritual. Der/die könnte ja das Tod-bringende Virus, unseren gemeinsamen Feind, in sich tragen. Da gibt es Chorleiter in irgendeiner Kirche, denen nahegelegt wird, sich von bestimmten („Corona“-kritischen) Personen fern zu halten, weil ansonsten der (sowieso mies bezahlte) Job gefährdet ist. Viele tausend können gleich ganz zuhause bleiben, sie werden von ihren meist kleinen bis mittelständischen Unternehmen nicht mehr gebraucht. Und es werden noch sehr viel mehr, fürchte ich. Ganz zu schweigen von der Kultur-Szene. Die am unteren Ende versucht, dadurch zu überleben, dass sie mit kostenlosen Live-Streams ihrer bis zur Unkenntlichkeeit ausgedünnten Konzerte auf sich aufmerksam macht. Macht das Sinn?

Die großen Medien sind auf Regierungslinie gleichgeschaltet. Alternative Meinungen finden kein Gehör mehr, werden unterdrückt, zensiert. Ein weiteres Indiz autoritärer Regierungsformen. Medien kommt in einer Demokratie die Aufgabe zu, zur Meinungsbildung beizutragen durch das Anfachen von Diskussionen, das Verbreiten unterschiedlicher Meinungen. Mit dem Ziel, dass sich jeder sein eigenes Bild machen, seine eigene Einstellung bilden kann. Aus diesem Prozess erwächst dann ein gesellschaftlicher Konsens. Nicht daraus, dass er von oben verordnet wird.

Wir hatten gute Jahre seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Anfang der 1970er Jahre ging es richtig los – die einsetzende Globalisierung verschaffte eine Weltoffenheit, die nötig war, damit sich die Interessen des westlichen Kapitals durchsetzen konnte. Das war mehr unvermeidliche Begleiterscheinung als wirkliche Absicht, menschenfreundlicher Wunsch der herrschenden Kreise.

Von dieser Art der neuen Ausrichtung der weltweiten Politik und Ökonomie hatte eine zeitlang jeder etwas. Die Unternehmen, große Teile der Bevölkerung, der Blick wurde weltoffener, nicht umsonst entstand auch der Begriff der „Weltmusik“. Auch wenn eine zeitlang viele profitierten, die wirklichen Gewinner waren die Institutionen der Finanzindustrie.

Ende der 1990er Jahre wurde mit der Deregulierung der Finanzindustrie, wie auch anderer, bis dahin stark regulierter Bereiche der wirtschaftlichen Infrastruktur (Post- und Fernmeldewesen) noch einer oben auf die sogenannte Liberalisierung aufgesetzt. Das war gleichzeitig der Anfang vom Ende dieser Ära. Der Exzess endete in der Finanzkrise.

Danach wurde immer deutlicher – die Zeiten ändern sich. Staaten und Zentralbanken sprangen zur Rettung der Finanzinstutionen ein, die sich verspekuliert hatten. Teilen der Bevölkerung wurde deutlich, dass sich ihre wirtschaftliche Situation seit langem eher verschlechtert, auf jeden Fall nicht verbessert hatte. Demagogische Kräfte begannen, diesen Unmut aufzufangen und zu kanalisieren.

Erst kam der „War on terror“, dann kam „Corona“ – wie gerufen. Das Leben ändert sich radikal. 1933 änderte es sich auch radikal, aber die politischen Fronten waren für jeden offensichtlich. 2020 ist das nicht so. Damals wurde als der Volksfeind der „Jude“ ausgerufen, heute ist es der/die/das diffuse, nicht greifbare „Corona“. Entsprechend diffus ist die Einstellung der Bevölkerung. Die verunsichernde Spaltung geht tief durch sie hindurch. Freiheit oder Gesundheit wird als Alternative hingestellt. Klar, wer nicht weiter nachdenkt, wählt die „Gesundheit“, nicht bedenkend, dass er damit die Freiheit“ abgewählt hat.

Fortgesetzt werden wir berieselt mit täglichen Wasserstandsmeldungen hinsichtlich Corona-Neuinfektionen. Gerade nehmen sie wieder zu, so sinnlos und betrügerisch sie auch sind. Es kündigt sich an: Bald wird das soziale und kulturelle Leben wieder auf einen Tiefpunkt gedrückt. Die Vereinzelung nimmt zu. Home-Office isoliert die Arbeitnehmer, das wird weiter gehen. Der Gegenpart, die Arbeitsgeber, werden davon profitieren.

Die demokratischen Rechte – sie erreichten nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem „Kalten Krieg“ zunächst einen besonderen Hype. Das war seinerzeit „DAS“ Werkzeug, um den Westen, die westliche Bevölkerung, gegen den Osten in Stellung zu bringen. Nun ist es an der Zeit, das zu korrigieren. Waren die USA nach 1945 diejenigen, die diese Ideen besonders hoch hielten (obwohl sie sich „unter der Decke“ mittels CIA-Tätigkeit und Unterstützung politischer Reaktionäre weltweit völlig anders handelten), so sind die USA auch jetzt an vorderster Front tätig, um diese Prinzipien wieder abzuschaffen. Stichwort „Trump“.

Wir erleben unter der Flagge „Corona“ den Versuch eines Abgesangs auf die gesamte politisch-sozial-kulturelle Periode nach 1945.

Traurig dabei ist nicht die Tatsache an sich, traurig ist, dass viele, die sich selbst für gesellschaftskritisch und intelligent halten, dieser politisch instrumentierten Corona-Hysterie mehr oder weniger blind folgen. Aber auch das ist in gewissem Sinne vergeichbar mit der Zeit nach 1930/1933. Intelligenz ist eben lediglich ein Werkzeug – wie ein Hammer. Mit dem kann ich jemanden umbringen oder einen Nagel in die Wand hauen. Genauso ist es mit Mitgefühl, bzw. „sozialer Kompetenz“, wie es heute so wenig schön heißt. Alles in gewissem Sinne wertfreie Mittel zum Zweck.

Der Zweck ist das entscheidende. Was sollte der Zweck sein? Was tut not? Die Errungenschaften der Demokratie zu verteidigen (die, die notgedrungen durch den Kapitalismus herbeigeführt wurden, weil er sich anders nicht hätte entwickeln und etablieren können).

Verachtung, Geringschätzung für diejenigen, die diese ihre Möglichkeiten nicht in jenem, sozialen, Sinne positiv nutzen? Liegt nahe, ja. Aber da fällt mir Timothy Snyders Buch ein: „20 Thesen gegen Tyrannei“. Dort liefert Snyder einerseits sehr deutliche Parallelen zum Ende der Weimarer Zeit, warnt aber auch klar vor zu starker Polarisierung innerhalb der Bevölkerung.

Traurig und beklemmend ist unsere Zeit trotzdem, finde ich. Oft entsteht aber gerade daraus neue Kraft.

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