S&P 500 – Make or Break

Der S&P 500 ist in der zurückliegenden Woche um 3,2 % auf 2955,45 angestiegen. Er befindet sich jetzt an einer ausgesprochen spannenden Stelle in seinem Chart.

Der Index notiert über dem 62er Retracement des Absturzes seit 21. Februar (2936), sowie über der EMA200, die aktuell bei 2950 waagerecht verläuft. Auf demselben Niveau liegt auch ein statischer Pegel, der von Topbildungen im September 2018 und April 2019 herrührt. Zur Wochenmitte war ein Hochpunkt bei 2971 markiert worden.

Die jüngste, sich über drei Wochen hinziehende Konsolidierung würde ich als endgültig aufgelöst ansehen, wenn sich der Index über dem jüngsten Hochpunkt festsetzen kann. Wie wahrscheinlich ist das?

Lassen wir das düstere makroökonomische Umfeld beiseite, ebenso die medial verbreiteten Sorgen über zunehmende Spannungen zwischen den USA und der VR China, auch die Sorgen hinsichtlich der Coronaepidemie, die nie da war, sowie die Hoffnungen hinsichtlich einer schnellen wirtschaftlichen Erholung. Gegenwärtig spielt bei der mentalen Ausrichtung der großen Akteure die Frage die Hauptrolle, wie viel monetäre und fiskalische Anreize es noch geben wird.

Der Bull-Run seit dem Tief vom 23. März ist unter zahlreichen technischen Aspekten sehr weit gelaufen. Das bedeutet nichts anderes als dass die tonangebenden Akteure bereits weitgehend investiert sind. Nimmt man als Indiz für die Überkauftheit die Auswertung von Stochastik, RSI und MACD auf Tages-, wie auf Wochensicht, so ergibt sich ein extremer Grad an Überkauftheit. Einen anderen technischen Aspekt liefert das Verhältnis zwischen den auf steigende und fallende Aktien entfallenden Volumenanteilen. Hierdurch lässt sich abschätzen, ob eher akkumuliert oder distribuiert wird. Die zwischen 27. März und 11. Mai anhaltende Akkumulationsphase ist in Distribution umgeschlagen, bei zuletzt zunehmendem Verkaufsdruck.

Im Chart des S&P 500 zeigt sich eine sich abschwächende Aufwärtsdynamik (Chartquelle). Die Situation sieht nach „Make or Break“ aus.

Der Spread zwischen der Rendite der zweijährigen TNotes und der „eff. Federal Funds Rate“ gilt als zuverlässiges Maß für die Erwartung großer Akteure hinsichtlich der geldpolitischen Ausrchtung der Fed. Ist der Spread positiv, gelten die Leitzinsen als eher unterstützend für die wirtschaftliche Entwicklung. Dies ist aktuell gegeben, allerdings nimmt der Spread seit seinem Hoch am 19. März (0,293% – ziemlich genau das jüngste Tief im S&P 500) ab auf aktuell 0,107%.

Zuletzt hat Fed-Chef Powell erneut „geschworen“, dass seine Institution Gewehr bei Fuß steht mit weiteren geldpolitischen Erleichterungen. Das fand allerdings im Verlauf dieses Spread keinen Niederschlag. Ob das „Make“-Szenario gegenwärtig Schub bekäme, wenn die Fed hier weiter vorangeht, ist nicht ausgemacht. Genauso könnte das in der aktuellen Situation den Katalysator für „Was wissen die, was wir nicht wissen“ liefern.

Aufgrund der charttechnischen Konstellation und der sonstigen Indikationen halte ich nach wie vor das „Break“ für wahrscheinlicher. Ziele an der Unterseite wären erst einmal 2794 (50er Retracement des jüngsten Absturzes) und 2652 (38er Retracement des jüngsten Absturzes).

An der Oberseite wäre etwa 2980 zu nennen. Dann müsste man sehr genau hinsehen, ob das das Signal für einen weitergehenden Aufwärtslauf ist, oder ob hier eine Bullenfalle steht.

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