Bundesbank lässt höhere Inflation zu

Die Bundesbank signalisiert, dass sie für Deutschland höhere Inflation als im Durchschnitt der Eurozone akzeptiert – und zwar als Teil einer wirtschaftlichen Angleichung innerhalb der Eurozone.

Die Inflationsrate liegt in Deutschland mit 2,2% unter dem Durchschnitt der Eurozone mit 2,6%. Eine deutsche Inflationsrate über dem Eurozonen-Durchschnitt würde die Wettbewerbsfähigkeit der am schwersten getroffenen Länder der Eurozone verbessern, sagt die Bundesbank.

Das steht im Einklang mit Kommentaren von Schäuble, der etwa dem „Focus“ sagte: „Es ist in Ordnung, wenn bei uns die Löhne aktuell stärker steigen als in allen anderen EU-Ländern.“ Die IG Metall verlangt in der aktuellen Tarifrunde für die 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie 6,5% mehr Lohn.

Gleichzeitig lehnt die Bundesbank jedoch ein aktives Schwächen der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen oder eine lockerere deutsche Fiskalpolitik ab.

Die Bundesbank hat in der Vergangenheit die Politik der EZB häufig als zu lose kritisiert. Manche Beobachter sehen schon eine neue Flexibilität im deutschen Denken.

Die Bundesbank dürfte mit ihrer „Wandlung“ auch dazu beitragen, vorschnelle Erhöhungen der Leitzinsen in Europa zu vermeiden.

Weiterhin unflexibel zeigen sich deutsche Politiker aber in der Forderung, dass Griechenland das Brüsseler Spardiktat erfüllen muss. Bei den griechischen Parlamentswahlen am vergangenen Wochenende hatte sich die Mehrheit gegen diese Pläne gewandt, wenn auch in unterschiedlicher Abstufung. Schäuble sagte, eine Änderung hinsichtlich Griechenland würde in den Finanzmärkten „katastrophale Unsicherheit“ auslösen.

Im Grunde wird mit der Tolerierung höherer Inflationsraten in Deutschland die Umkehr dessen angestoßen, was mit der Einführung des Euro, nämlich eine deutlich höhere Inflation in den PIIGS im Vergleich zum Kern der Eurozone. Siehe hierzu auch: „Eurozone – von Anfang an daneben„!

Wenn es nun heißt „zurück zu 2002“, bedeutet das dann auch, dass die deutsche Industrie in ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit auch wieder zurückfällt?

Davon ist auszugehen. Schließlich bedeutet höhere Wettbewerbsfähigkeit eines Landes stets, dass andere weniger wettbewerbsfähig werden. Damit gleichlaufend sind auch die Geschäftsverläufe der Unternehmen und die volkswirtschaftlichen Wachstumsraten, insbesondere in einem weltwirtschaftlichen Umfeld, das von eher mäßigem Wachstum geprägt ist.

Eher mäßige Perspektiven für Deutschland, wahrscheinlich auch für den DAX. Ein „Glück“, dass es die Eurozonen-Staatsschuldenkrise gibt, die zu anhaltendem Druck auf den Euro führt und damit europäischen Unternehmen ein paar Wettbewerbsvorteile verschafft.

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