Wirtschafts-Nobelpreis für "Anno Tobak"-Theorie

Douglas Diamond, der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke und Philip Dybvig bekommen den Wirtschafts-Nobelpreis für ihre Arbeiten zu Banken- und Finanzkrisen.

Die für die Auswahl der Preisträger zuständige schwedische Akademie schreibt dazu: „Um zu verstehen, warum eine Bankenkrise so enorme Folgen für die Gesellschaft haben kann, müssen wir wissen, was Banken eigentlich tun: Sie nehmen Geld von den Einlegern entgegen und leiten es an Kreditnehmer. Diese Finanzintermediation ist alles andere als ein einfacher mechanischer Transfer, denn es gibt grundlegende Konflikte zwischen den Bedürfnissen von Sparern und Investoren.“

Die hinter diesen Ausführungen stehende Theorie ist „Anno Tobak“, das galt vielleicht mal in einem an Sachwerte (z.B. Gold) gebundenen Geldsystem. Die Banken sind längst mehr als Intermediäre zwischen Sparern und Investoren. In einem Fiat-Geldsystem wie dem unseren schöpfen die Banken Geld, indem sie Kredite vergeben, begrenzt nur durch (niedrige) Reservevorschriften der Zentralbanken. Sie hauptsächlich beeinflussen die Geldmenge.

Sparer können nur das zu ihrer Bank tragen, was sie zuvor verdient haben. Und wenn Banken kein Geld per Kredit schöpfen könnten, könnten sie nur das Geld der Sparer Investoren zuleiten. Sparer können keine Kreditblasen verursachen, aber Banken können das – durch exzessive Kreditvergabe in einem Fiat-Geldsystem, das nicht an (nicht beliebig vermehrbare) Sachwerte gebunden ist. Banken schreiben ihren Kreditnehmern Geld auf deren Konten gut und schaffen damit Einlagen, die das Recht verbriefen, sich den Gegenwert bar auszahlen zu lassen.

Die in der Begründung des Nobel-Komitees für die Preisvergabe durchscheinende Auffassung ist auch ein Grund dafür, warum man die wirkliche Gefahr dieses Geldsystems immer wieder unterschätzt. Da Banken auf die beschriebene Art Geld schaffen können, ist Geld im Unterschied zu dinglichen Werten nicht knapp. Und so kommt es eben immer wieder zu dem Punkt, an dem Geld im Überfluss zu Finanz- und Bankenkrisen führt. "Konflikte zwischen den Bedürfnissen von Sparern und Investoren", wie in der Erklärung des Nobel-Komitees angedeutet, spielen dabei nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Die Zentralbanken haben bisher stets davon Abstand genommen, die Geldschöpfung ihrer Banken direkt zu steuern (was sie könnten, wenn sie wollten). Dadurch aber verhindern sie erstens nicht, dass die Kreditvergabe (und damit die Geldmenge) ausufern kann und zweitens ist so auch ihre Geldpolitik wenig wirksam.

Die Geldpolitik der modernen Zentralbanken beschränkt sich im wesentlichen darauf, die Kapitalmärkte zu hätscheln und die Inflation auf einem "neutralen" Niveau von zwei Prozent zu halten. Dieses zweite Ziel will sie durch steigende Leitzinsen erreichen, wobei sie gewöhnlich wenig Möglichkeiten hat, die Nachfrage der Verbraucher effizient zu steuern. Also zielt sie mit ihrer Geldpolitik auf die Investitionen und damit die Beschäftigung, bzw. das Einkommen der Konsumenten ab. Das dient dem Ziel, zu verhindern, dass der Produktionsfaktor Arbeit zu teuer wird, schließlich ist er aus Sicht der Unternehmen ein Kostenfaktor.

Damit ist auch klar, wem diese Art von Geldpolitik der heutigen Zentralbanken in einem Fiat-Geldsystem dient – den Kapitalbesitzern, sei es denen, die über Produktivkapital verfügen oder denen, die andere Vermögensgegenstände besitzen, etwa Aktien.

Dass gerade Bernanke zu den Preisträgern gehört, ist besonders bemerkenswert. Er war von 2006 bis 2014 in der Nachfolge von Greenspan Chef der US-Zentralbank Fed. In seine Amtszeit fiel die Große Finanzkrise. Und er war es, der durch enorme QE-Aktivitäten im Nachgang der Finanzkrise für eine Geldflut sondersgleichen sorgte, wodurch insbesondere im Finanzbereich die Inflation in Gestalt höherer Kurse und Preise fröhliche Urständ feierte. Und so hat er auch dazu beigetragen, die Schere zwischen arm und reich kräftig aufgehen zu lassen. Und hat dazu beigetragen, dass die Ursache der Finanzkrise gerade nicht angegangen, sondern nach dem Vorbild seines Vorgängers im Amt mit Liquidität zugekleistert wurde.

Siehe auch: Was hat Fiat-Geld mit Corona und Klima gemein?

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