Strompreise – kein Ende in Sicht

Die Großhandelspreise an der Strombörse steigen seit Beginn 2021, ab September 2021 hat das Tempo rasant zugenommen. Strom, der für den folgenden Tag benötigt wird, kostete in der Kalenderwoche 50/2021 über 300 Euro pro Megawattstunde [30 Cent pro kWh]. Nach einer kurzen Korrektur kam die Megawattstunde Ende März 2022 am Spotmarkt schon wieder auf 252 Euro. Aktuell sind 492 Euro zu bezahlen.

Angetrieben werden die Großhandelspreise durch den angeschlagenen Gasmarkt. Dadurch ist Strom aus Gas am teuersten im Vergleich zu anderen Quellen. Der Spotpreis an der Börse richtet sich nach dem höchsten Tagesgebot. Also treibt der Gaspreis den Strompreis.

Lieferengpässe beim Gas-Strom müssen durch andere Energiequellen kompensiert werden. Da erneuerbare Energieträger nicht genügend Strom erzeugen, wird auf „ausgemusterte“ Energiestoffe wie Braunkohle zurückgegriffen.

Für die entstandenen Emissionen müssen Unternehmen CO2-Abgaben leisten. Diese Mehrkosten werden an die Endkunden weitergegeben und treiben den Strompreis ebenfalls. Bei einem Zertifikatspreis von zum Beispiel 50 Euro steigen die Erzeugungskosten eines Gaskraftwerks um etwa 2 Cent pro Kilowattstunde, bei einem Steinkohlekraftwerk sind es etwa 4 Cent und bei einem Braunkohlekraftwerk sogar fast 6 Cent.

Im ersten Quartal 2022 lagen die CO2-Preise zwischen 80 und 90 Euro je Tonne. Die Hundertermarke ist in Sicht, die genannten Ansätze für die CO2-Mehrkosten steigen entsprechend. Vermutet wird auch, dass der CO2-Kurs zusätzlich durch Hedge- und Investmentfonds beeinflusst wird, weil diese in den Zertifikaten eine gewinnbringende Anlagemöglichkeit sehen.

Die hohen Strompreise an der Börse haben einen positiven Nebeneffekt. Die Einnahmen durch die Vermarktung von EEG-Strom steigen stark an. Das EEG-Konto ist prall gefüllt, die Umlage 2022 sank zum Jahreswechsel auf 3,72 Cent. Eine Familie mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden sparte dadurch etwa 100 Euro. Die Abschaffung der Umlage zum 1.7.22 bringt eine weitere Entlastung von 155 Euro. Diese Effekte sind aber schon längst aufgefressen.

Die Preise bei den vier Übertragungsnetzbetreibern steigen weiter. Die Tendenz zeigt für 2022 eine Steigerung der Netzentgelte von 4% im bundesdeutschen Durchschnitt.

Die Haushaltsstrompreise bestehen aus drei Komponenten. Für die Energiebeschaffung waren per Anfang 2022 insgesamt etwa 40% anzusetzen. Der Endkundenpreis beinhaltet weiter 39% an Steuern und 21% an Netzentgelten. Die Energiepreisgestaltung beruht in erster Linie auf längerfristigen Verträgen. Diese schlagen sich mit etwa 35% vom Haushaltsstrompreis nieder, der Anteil des Spotpreises ergänzt dies zu den obigen 40% des Endpreises (grobe Schätzung).

Anfang September kostete dem Verivox-Verbraucherpreisindex zufolge eine Kilowattstunde Strom bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden knapp 52 Cent – über 20 Cent mehr als im Vorjahr. Die Streichung der EEG-Umlage bremste das Rekordhoch der Strompreise nicht.

Große Stromversorger [z.B. E.on] sahen Ende 2021 noch keinen Grund für Strompreiserhöhungen, da der Einkauf langfristig erfolgt und kurzfristige Schwankungen geringen Einfluss haben. Jetzt werden die Preissteigerungen aber mit Verve weitergegeben.

In den vergangenen Monaten sind acht Stromanbieter in Schwierigkeiten geraten. Insolvenz angemeldet haben Neckermann Strom, Smiling Green Energy, Dreischtrom, Lition Energie, Otima Energie und Fulminant Energie. Stromio und Grünwelt haben die Belieferung ihrer Kunden eingestellt.

[Unter Verwendung von Material aus „Strom-Report“]

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