S&P 500 – stark überkauft

Die US-Einzelhandelsumsätze sind im März um 27,7% gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Gegegnüber dem Vormonat beträgt die Zunahme 9,8%. Die aufsummierten Umsätze des ersten Quartals liegen 14,3% höher als vor einem Jahr.

Der CPI ist im März um 2,64% angestiegen, was zum Teil auf die niedrige Basis des Vorjahres zurückzuführen ist. Die CPI-Kernrate ohne Nahrung und Energie steigt um 1,65%. Der Produzentenpreisindex PPIACO steht im März 12,01% höher als im Vorjahr, hier spiegeln sich die gestiegenen Kosten für Rohstoffe wider.

Die Q1-Gewinnerwartungen im S&P 500 liegen 25% über dem ersten Quartal 2020, auch hier ist teilweise ein Basiseffekt zu berücksichtigen.

Die Rendite der zehnjährigen TNotes gibt auf 1,62% nach, die Breakeven-Inflationsrate kommt auf 2,33%, die reale Rendite steht bei –0,71%.

Die Geldmenge M2 ist aktuell 27% größer als vor einem Jahr. Das führt nicht zwangsläufig zu höherer Inflation, es sei denn, das zusätzliche Geld geht in Nachfrage, dem kein gleichermaßen wachsendes Angebot gegenüber steht.

Steigende Rohstoffpreise sind ein Inflationstreiber, vorausgesetzt die Unternehmen können ihre Kosten auf die Preise überwälzen. Auch dann ist dieser Effekt eher temporär, hat zyklischen Charakter, weil die Rohstoffanbieter ihr Angebot mit Verzögerung ausweiten werden. Abgesehen davon betrifft das in erster Linie die Fertigungsindustrie. Der zweite Inflationstreiber, steigende Löhne, betrifft die gesamte Wirtschaft, eben auch die Dienstleistungsindustrie. Sein Effekt ist stabiler. Mit steigenden Einkommen steigt zudem die Möglichkeit der Firmen, ihre Kosten dauerhaft zu überwälzen.

Die Lohnsteigerung ist zwar noch verhalten, gegenwärtig spielen bei der Inflationsentwicklung die Schecks aus den Stimulusprogrammen und die geplanten Infrastruktur-Investitionen die Hauptrolle. Je mehr sich die Wirtschaft erholt, je mehr werden auch die Löhne steigen. Hinzu kommt, dass die Entkopplung von China und das Zurückholen kritischer Versorgungsketten die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften steigen lässt. Die müssen zum Teil erst noch ausgebildet werden, weshalb der Effekt eher längerfristig wirken dürfte. Aber die Konkurrenz um Arbeitskräfte setzt bereits heute ein und wird die Löhne zunächst schneller hoch treiben als die Zahl der Arbeitsplätze. Daher ist der Inflationssprung beim CPI aller Wahrscheinlichkeit kein kurzfristiger Effekt.

Es wird immer wahrscheinlicher, dass in Kürze bei Aktien heiße Luft abgelassen wird. Die Volumenverteilung an der NYSE befindet sich weiterhin in Distribution. Das Put-Call-Verhältnis zeigt Tempoverlust. Die SmallCaps zeigen seit einigen Tagen keine durchgängige relative Stärke mehr gegenüber den LargeCaps. Hier dürfte sich ein Topp entwickeln. Das geschieht häufig dann, wenn große Marktteilnehmer umdisponieren, weil der Markt bei hoch kapitalisierten Werten größer ist und man sich weniger „kursschädlich“ von ihnen trennen kann. Das sind alles zwar keine Indikationen mit einem engen zeitlichen Bezug zum Kursgeschehen, aber sie zeigen allesamt bullischen Tempoverlust.

Der S&P 500 ist am zurückliegenden mit einem weiteren ATH an der Obergrenze seines Aufwärtskanals aus Ende Oktober angekommen. Er ist nach nahzu allen Kriterien überkauft. Es kann, wie bereits in der zurückliegenden Woche diskutiert, zu einem kurzfristigen Überschießen kommen oder gleich zu kurzfristiger Schwäche. Ein Rückzug zunächst bis zur EMA50 bei 3960 oder bis zur Untergrenze des Kanals (3940 +/-) ist in beiden Fallen wahrscheinlich (Chartquelle).

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