S&P 500 – Window-Dressing oder mehr?

Die Weihnachts- oder Jahresend-Rally bei Aktien hält an – zumindest gilt das für die USA, auch für weite Teile Asiens. DAX & Co zeigen hingegen relative Schwäche.

Der S&P 500 bewegt sich im Bereich von 3225 Punkten auf Allzeithoch. Window-Dressing ist die Devise bei den Fondsmanagern, man will die großen Gewinner von 2019 zum Jahreswechsel in seinem Portfolio zeigen. Rückenwind kam für Aktien seit September zunächst von der Fed, und hier nicht zuletzt davon, dass sie ihre Bilanz wieder kräftig aufbläst, sprich Liquidität generiert.

Schließlich feuerte dann auch die gut inszenierte Aussicht auf einen Miniatur-Kompromiss im Handelsstreit USA-China die bullische Stimmung weiter an. Angeblich soll dieser früh im Januar unterschrieben werden. China hat zwischenzeitlich angekündigt, ab Januar Strafzölle auf bestimmte US-Importe zu reduzieren. Zudem wurden aktuelle Makrodaten so lange analyisiert, bis sie als so „gut“ verkauft werden konnten, dass kaum jemand mehr von der Gefahr einer Rezession redet.

All das ließ die Bullen-Herde loslaufen, der S&P 500 bewegt sich seit Anfang Oktober in einem Aufwärtskanal. Der Index hielt sich dabei lange an dessen Oberseite auf. Als er diesen jedoch am 27. November nicht mehr erreichen konnte, gab es einige schnelle Gewinnmitnahmen bis zu dessen Untergrenze. Von dort startete eine erneute Aufwärtsbewegung. Was am 27. November noch nicht gelang, nämlich eine wichtige Aufwärtslinie aus Februar 2016 zu überwinden (grün im Chart), wurde mit Rückenwind der Nachricht, es sei ein Kompromiss im Handelsstreit vereinbart worden, dann doch geschafft. Vor zwei Handelstagen kam es zu einer Aufwärtslücke, der aber keine bullische Anschlussbewegung folgte. Der Index läuft unter der Obergrenze des Aufwärtskanals seitwärts und entfernt sich dadurch, der Abstand beträgt aktuell 25 Punkte (Chartquelle).

Im größeren Bild erscheint die Aufwärtsbewegung intakt. Da wir uns in „unchartiertem“ Gelände befinden, ergeben sich Ziele aus der Fibonacci-Extension des bullischen Impulses zwischen Jahreswende und Ende April. Die 38er Extension bei 3185 wurde überwunden, die 50er Extension liegt bei 3256, die 68er Marke bei gut 3320. Bewegt sich der S&P 500 weiter in seinem Aufwärtskanal aus Oktober, wird die 68er Extension irgendwann im Januar erreicht. Dabei gilt es einen wichtigen Punkt zu beachten – gleich zu Beginn des Januar treffen die 38er Extension, die Unterseite des Aufwärtskanals aus Oktober und die Aufwärtslinie aus Februar 2016 aufeinander (Chartquelle).

Respektiert der Index diese Stelle, dürfte das die bullische Stimmung weiter anheizen. Nach Auswertung des Verlauf des VIX, der impliziten Volatilität im S&P 500, ist hier bisher keine Übertreibung in Richtung „Gier“ („Greed“) festzustellen. Erst wenn der VIX nachhaltig unter dem Pegel von 12 notiert (aktuell 12,67) sollte man anfangen, ein Blow-off-Szenario einzuplanen.

Wird die genannte Stelle nicht respektiert, dürfte es rasch zu weiteren Gewinnmitnahmen kommen. Dabei wären folgende Pegel relevant: 3075, 2970, 2940, 2875. Einen Kursverlust von bis zu zehn Prozent (ergibt etwa 2900) würde ich angesichts des Bull-Runs in diesem Jahr von +28,6% seit Jahresbeginn noch für „normal“ halten. Ob die genannten Ziele an der Oberseite bei einem solchen Einbruch dann noch (und wann) erreicht werden, steht auf einem anderen Blatt.

Ergänzung:
Von Colin Twiggs stammt folgender Hinweis: Im November 2007, sechs Monate nachdem die zuvor invertierte Zinskurve (10Y-3M) wieder positiv wurde, hat die „Barometer“-Aktie von FedEx den primären Support bei 100 gebrochen und damit vor einem wirtschaftlichen Einbruch gewarnt. Heutzutage, zwei Monate, nachdem die Zinsstruktur wieder positiv wurde, hat FedEx erneut den primären Support gebrochen, dieses Mal bei 150. Der CEO Fred Smith sagt, der Aktienmarkt möge boomen, aber die industrielle Wirtschaft spiegelt mitnichten Wachstum wieder.

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