Notizen-Archiv

Die BIZ warnt erneut vor Blasen

Klaus G. Singer | 20.10.2014 | Eingestellt unter: Notizen

Der Chef-Volkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der „Zentralbank der Zentralbanken”, warnt in einem Gespräch mit der „Welt“ vor der Gefahr von Blasen und Übertreibungen im Finanzsystem. Schon vor zehn Jahren hatte Claudio Borio zusammen mit seinem Vorgänger Bill White die Finanzkrise von 2008 vorhergesagt.

Die Ursache ist damals wie heute dieselbe, es gibt zu viel billiges Geld, sagt Borio. Das Zinsniveau erscheint weltweit, gemessen an historischen Wachstums- und Inflationszahlen, zu niedrig, um langfristig für Preis- und Finanzstabilität zu sorgen. Die aktuelle Konstellation ist für Bario nicht nachhaltig, sie habe bereits zu Übertreibungen geführt.

Borio hält die Orientierung der meisten Zentralbanken an einem Inflationsziel für falsch. Es dürfe nicht darum gehen, ein bestimmtes Inflationsziel innerhalb von ein oder zwei Jahren anzustreben, ohne gleichzeitig andere relevante Faktoren einer längerfristigen globalen Perspektive zu beachten.

Immerhin würden die Mandate der Zentralbanken seit der Finanzkrise flexibler interpretiert, glaubt Borio. Sie hätten einen gewissen Spielraum, um auch auf mögliche Quellen für Instabilität an den Finanzmärkten zu achten. Diese Flexibilität wurde in letzter Zeit aber vor allem für eine noch lockerere Geldpolitik genutzt, was die Blasenbildung unterstützt.

An den Finanzmärkten suchen Investoren händeringend nach Rendite, was zu sehr geringen Risikoaufschlägen bei Wertpapieren und zu historisch niedriger Volatilität geführt hat, sagt Borio. Außerdem beunruhigt er sich darüber, dass Unternehmen für Firmenübernahmen wieder hohe Preise zahlen und umfangreiche Aktienrückkäufe durchführen, anstatt in die organische Entwicklung des eigenen Geschäft zu investieren. Das hält Bario für ein klares Signal, dass etwas schiefläuft.

Borio fordert von den Zentralbanken, sich stärker auf die Langfrist-Perspektive zu konzentrieren. Dann ergänzten sich Preisstabilität und Finanzstabilität eher und widersprächen sich nicht mehr. Die kritische Herausforderung ist es allerdings, diese Langfrist-Perspektive in der Praxis durchzuhalten und politischem, kurzfristig motivierten Druck zu widerstehen. Es dürfe nicht geschehen, dass die Märkte die Zentralbank lenken, wünscht sich Borio.

Borios Wünsche in Gottes Ohr…
Außerdem: Er benennt zwar allgemein die Gefahr von Kreditblasen, wird aber nicht konkret.

Worum geht es? Die Krise 2008 betraf Investment-Banken und deren Spekulation mit Hypothekenpapieren. Nach 2008 hat die schon damals hohe Staatsverschuldung noch weiter zugelegt. Der Bond-Markt expandierte von damals gut 80 Bill. Dollar auf jetzt deutlich über 100 Bill. Dollar (Derivate nicht mitgerechnet).

Die Expansion der US-Treasury-Marktes begann in den frühen 1980er Jahren. Damals belief sich sein Volumen auf gut 11 Bill. Dollar. Seitdem wurden ständig alte Schulden durch neue “getilgt”, eine effektive Rückzahlung gab es nicht. Schätzungen gehen davon aus, dass das Volumen der auf Staatsschulden basierenden Derivate mittlerweile bei 500 Bill. Dollar liegt (unsaldiert/brutto).

Angesichts dieser Größenordnung und der Derivate-Hebel können sich schon kleinere Renditesteigerungen verheerend auswirken. Daher tut die Fed (und die anderen Notenbanken) alles, um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten. Gleichzeitig müssen sie die Deflation bekämpfen, weil sie die reale Zinslast erhöht und damit Bond-Halter aus dem Markt drängt. Genau aus diesen Gründen unterliegt der Derivatemarkt auch nicht den Bilanzierungs-Standards, die für andere Assets in den Büchern der Banken gelten.

Die durch die Liquiditätsflut gezüchtete Bond-Blase darf nicht platzen – deshalb werden die Notenbanken an ihrer eingeschlagenen geldpolitischen Linie festhalten. Verhindern werden sie das Platzen dieser Blase damit nicht können.


Das ZK von Frankfurt

Klaus G. Singer | 14.10.2014 | Eingestellt unter: Notizen

Im Rechtsstreit über das OMT-Programm der EZB wurde am 14. Oktober vor dem Europäischen Gerichtshof öffentlich verhandelt. Dabei warf einer der Kläger, Peter Gauweiler, der EZB vor, sich wie das Zentralkomitee der Sowjetunion zu verhalten: „Die EZB meint, dass sie über das Geld der EU-Mitgliedstaaten nach eigenem Gusto verfügen kann, aber die EU besteht aus parlamentarischen Demokratien.“
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IWF revidiert Wachstumsperspektive

Klaus G. Singer | 08.10.2014 | Eingestellt unter: Notizen

Der IWF hat einmal mehr seinen Glauben an die Erholungskräfte der Weltwirtschaft relativiert. Im laufenden Jahr erwartet die Organisation in ihrem aktuellen Bericht ein globales Wachstum von 3,3%. Vor sechs Monaten war man noch von 3,7% ausgegangen. In 2015 sollen es plus 3,8% werden, 0,2% weniger als zuvor prognostiziert.
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Deutschland – auf dem Weg in die Rezession?

Klaus G. Singer | 07.10.2014 | Eingestellt unter: Notizen

Die Fertigungsaufträge der deutschen Industrie sind im August um 5,7% gegenüber dem Vormonat eingebrochen. Im Juli war der Wert noch um 4,9% gestiegen.
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EZB – Bad Bank ohne Mandat

Klaus G. Singer | 30.09.2014 | Eingestellt unter: Notizen

Am Donnerstag dieser Woche kommt der EZB-Rat routinemäßig zusammen und berät über die Geldpolitik in der Eurozone. Weitere „unkonventionelle Maßnahmen“ werden nicht erwartet, wohl aber eine Präzisierung der jüngsten Beschlüsse.
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Die Risiken nehmen zu

Klaus G. Singer | 23.09.2014 | Eingestellt unter: Notizen

Der Flash-PMI für die deutsche Fertigungs-Industrie sinkt im September auf 50,3 und markiert damit ein 15-Monats-Tief, im August hatte er noch bei 51,4 notiert. Der entsprechende Flash-PMI der Eurozone erreicht mit 50,5 ein 14-Monats-Tief. Chris Williamson von Markit schreibt, die jüngste Umfrage zeige das Bild einer anhaltenden Malaise in der Wirtschaft der Eurozone (Chart von Markit).
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FOMC der Fed: (Fast) nichts Neues

Klaus G. Singer | 18.09.2014 | Eingestellt unter: Notizen

Die Fed hat in ihrer jüngsten zweitägigen Sitzung einmal mehr nach eigener Aussage intensiv über eine Normalisierung der Geldpolitik diskutiert. Das auch nicht mehr neue Ergebnis: Sie will sich damit noch Zeit lassen.
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Change? Yes, we won’t

Klaus G. Singer | 11.09.2014 | Eingestellt unter: Notizen

Friedensnobelpreisträger Obama, im Hauptberuf US-Präsident, war einst mit dem Schlachtruf “Change we can believe in“ angetreten. Der wurde durch das populärere „Yes, we can“ abgelöst, das er erstmals Anfang 2008 in einer Vorwahl-Rede prägte, als er sich auf seine Frage, ob Gerechtigkeit, Wohlstand, Weltfrieden geschaffen werden können, damit selbst die Antwort gab.
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Von “TBTF” zu “BTFM”

Klaus G. Singer | 11.08.2014 | Eingestellt unter: Notizen

In den zurückliegenden Monaten wurde in der amerikanischen Presse laut und anhaltend getönt, dass sich die großen Bank-Konzerne reformiert haben. Sie hätten „Testamente“ verfasst, die festlegen, wie sie im Falle eines Bankrotts von der Bildfläche verschwinden ohne den Steuerzahler erneut zu belasten.
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S&P 500 und DAX – was sagen die Charts?

Klaus G. Singer | 09.08.2014 | Eingestellt unter: Newsletter| Notizen

Ich nehme die Kursverläufe von DAX und S&P 500 stellvertretend für das, was gegenwärtig an den Aktienbörsen in den entwickelten Ländern passiert. Die großen, übergeordneten Bilder ähneln sich, im Detail gibt es markante Unterschiede.
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