S&P 500 – Lagebesprechung

Der S&P 500 ist am Donnerstag der zurückliegenden Woche um neun Prozent abgestürzt. Am darauf folgenden Freitag ist er kurz vor Handelsschluss um neun Prozent gestiegen. Als Anlass hierfür nennen Beobachter, das US-Präsident Trump wegen „Corona“ den nationalen Notstand ausgerufen hat. Das kann man glauben oder auch nicht.

Schauen wir stattdessen auf den Chart des wichtigsten Aktienindex der Welt. Es gibt zwei Aufwärtslinien, beide sind auch Untergrenzen von Kanälen, die man bis zum Tief vom 9. März 2009 zurückverfolgen kann. Die eine (braun) bot am Donnerstag Support für den Handelsschluss, sowie am Freitag Support für das intraday-Tief. Die andere (violett) wurde am Freitag zum Handelsschluss erreicht. (In solch volatilen Zeiten sollte man den Fangbereich um Zielmarken etwas weiter gestalten). (Chartquelle)


Der Index steht jetzt bei 2711. Die am Vortag gerissene Kurslücke wurde gerade wieder geschlossen. Den Bereich von 2700 hatte ich hier schon einmal als relevant bezeichnet.

Bär-Märkte starten häufig mit einer starken und schnellen Abwärtsbewegung. Dann folgt eine Gegenreaktion aus überverkaufter Lage heraus, die einen Teil der Kursverluste wieder wett macht. Dann folgt ein längerer zäher Abwärtstrend, der mit der Verschlechterung von Fundamentaldaten (Makroumfeld) einhergeht. Nach Dow-Theorie bestehen Bärmärkte aus drei „Abwärtsbeinen“ und dazwischen liegenden Reflex-Erholungen.

Der Beginn eines Bärmarktes wird normalerweise dadurch definiert, dass die Kurse 20% und mehr unter das vormalige Hoch gefallen sind. Das ist mit dem Schlusskurs vom Freitag im S&P 500 punktgenau gegeben. Das, wie die das in Bezug auf wichtige Linien abgezirkelt wirkende Kursgeschehen der zurückliegenden Tage ist „verdächtig“.

Nach aller Erfahrung wird die Diskrepanz zwischen der Entwicklung der Unternehmensgewinne und den vorausgelaufenen Aktienkuren früher oder später abgebaut. Die Unternehmensgewinne im S&P 500 stagnieren seit einigen Quartalen im Jahresvergleich mehr oder weniger, im dritten Quartal 2018 hatte der laufende Profitzyklus mit einem jährlichen Zuwachs bei rund 25% sein Topp markiert. Die Frage ist nicht ob, sondern wann dies geschieht.

Ich halte es für möglich, dass es angesichts der aktuellen Lage (undurchsichtige Corona-Situation, US-Präsidentschaftswahlen im November, Tendenz zur Deglobalisierung, um nur einige zu nennen) noch einmal zu einem letzten Kraftakt der Bullen kommt und die Kurse nochmals relativ zügig gegen die zuletzt erreichten Hochs laufen. Insofern könnte man Parallelen zu 1998 sehen, als der damalige Bull-Run schon weit gelaufen die Folgen der Pleite des LTCM Hedge Fonds abgewendet werden konnten durch ein 3,6 Mrd. Dollar schweres Rettungspaket (lächerliche Beträge im Vergleich zu heute…). Oder auch Parallelen zu Anfang 2000, als nach dem Einbruch der Aktienkurse nach Platzen der dotcom-Blase diese bis Ende August noch einmal an die alten Hochs herankamen. Oder auch Parallelen zur zweiten Jahreshälfte 2007, als nach dem im Frühjahr 2007 offenkundig werdenden Scheitern von großen Immobilien-Spekulationen die Aktienkurse bis in den Oktober hinein nochmals an alte Hochstände aufschlossen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein solches Auskommen? Ich weiß es nicht. Aber ich würde mich noch nicht zu sehr auf ein Szenario versteifen, das bereits jetzt die Bären los sieht. Die Fed hat sehr klar gemacht, dass sie die Märkte mit Liquidität fluten wird, so dass man durchaus damit rechnen kann, dass es nochmals zu einer erneuten Inflationierung bei den Asset-Preisen kommt. Und wenn Trump seine Wiederwahl im November erreichen will, muss er tief in die wirtschaftliche Trickkiste fiskalischer Anreize greifen.

Ergänzung:
Von entscheidender Bedeutung an der Unterseite ist im S&P 500 jetzt der Pegel bei 2350. Dort startete Ende 2018 der Bull-Run, der uns mehr oder weniger das gesamte Jahr 2019 begleitete und am 19. Februar 2020 in das Allzeithoch bei rund 3385 mündete. Oberhalb davon liegt bei ~2575 ein seit Okt/Nov 2017 relevanter Pegel, oberhalb davon dürfte die Volatilität etwas abflauen.

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