S&P 500 – fast ein neues Allzeithoch

Der S&P 500 Index hat in der zurückliegenden Woche eine kleine Achterbahnfahrt vollführt. Nach einem auf Schlusskursbasis frischen Allzeithoch am Dienstag wurden an den beiden folgenden Tagen Gewinne mitgenommen. Die Fed hat allzu hoch fliegende Erwartungen auf eine dauerhafte Senkung der Leitzinsen in diesem Jahr enttäuscht. Am Freitag wurden die Arbeitsmarktdaten für April zum Anlass genommen, wieder einzusteigen, der S&P 500 wurde wieder bis auf 0,19 Punkte an das Allzeithoch vom 30. April bei 2945,83 herangetrieben (siehe hier!).

Mit dieser Bewegung notiert der S&P 500 zum Wochenende genau an der Unterseite des hier beschriebenen Bärkeils. Im Zuge der Gewinnmitnahmen nach der Fed-Entscheidung tauchte er kurzzeitig unter den hier ebenfalls bezeichneten kurzfristigen Supportpegel.

Bärkeil im S&P 500

Jetzt dürfte es spannend werden. Zudem hat der Mai begonnen und mancher wird den alten Spruch „sell in may and go away“ im Hinterkopf haben.

Der „Vater des „Value Investing“, Benjamin Graham, schrieb einmal, Märkte seien kurzfristig eine Wahlmaschine und langfristig eine Waage. Kurzfristig (auf Sicht von vielleicht drei Monaten) sind Märkte getrieben vom Kursmomentum und Stimmung. Langfristig (auf Sicht von ein bis zwei Jahren) wägen sie die Substanz eines Unternehmens ab und treffen danach die Entscheidung für Kaufen oder Verkaufen. Mittelfristig wirken mögliche positive und negative Überraschungen bei Unternehmens- und sonstigen wirtschaftlich relevanten Entwicklungen. Die bei Enttäuschungen steigende Volatilität führt zu vorsichtigerem Handeln (und damit zu verhaltener Kursentwicklung).

Aktuell befinden wir uns sicher in der Phase, in der langfristige Aspekte keine große Rolle spielen. Die Anleger jagen den Kursen hinterher, jeder will dabei sein, wenn das nächste Hoch eingetütet wird. Die Volatilität ist entsprechend niedrig, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass in der laufenden Quartalssaison über drei Viertel der Unternehmen im S&P 500 die Erwartungen übertroffen haben und insgesamt die Q1-Gewinne mit plus einem Prozent im Jahresvergleich positiv gesehen werden. Zu Jahresbeginn waren noch –2% erwartet worden.

Trotzdem mahnen wie in der Vorwoche einige technische Merkmale zur Vorsicht. Da ist zum einen die Volumenverteilung, die sich seit einigen Tagen in Distribution befindet. Da ist zum anderen der Verlauf von S&P 500 und VIX, dem Angstmesser an Wall Street. Beide laufen normalerweise gegeneinander – steigen Aktien, sinkt der VIX und umgekehrt. Diese Art der Korrelation hat sich in den zurückliegenden Tagen ins Gegenteil verkehrt, beide Indices zeigen jetzt einen gewissen Gleichlauf. Das warnt vor Instabilität. Drittens ist weder die Marktbreite, noch die technische Verfassung, wie ich sie in dem Indikator TQUAL verfolge, besonders bullisch ausgerichtet.

Gut möglich, dass das Weiße Haus in Washington schon den nächsten Happen für die Aktienbullen vobereitet. US-Präsident Trump hat mehrfach geäußert, dass der Verlauf der Aktienkurse für ihn auch so etwas wie eine Meinungsumfrage hinsichtlich seiner Politik ist. Also könnte es doch sein, dass man mit Hochdruck daran arbeitet, den Märkten den nächsten Anlass für steigende Kurse vorzustellen, eine Einigung der USA mit der VR China hinsichtlich des bestehenden Handelsstreits. In der zurückliegenden Woche gab es gewisse Andeutungen, dass die Verhandlungen Firtschritte machen. Die von Trump zugestandene Verschiebung des Inkrafttretens neuer US-Strafzölle läuft bis Ende Mai.

Die Frage ist nur, ob sich die Bullen nicht an diesem Happen verschlucken, will heißen, dass sich eine solche von Momentum und Stimmung geriebene Börsen-Phase nicht beliebig lange wird ausdehnen lassen. Irgendwann fängt auch wieder das Nachdenken über längerfristige Aspekte an…

Ergänzung:
Überraschend hat US-Präsident Trump angekündigt, schon am kommenden Freitag neue Strafzölle für chinesische Importe zu verhängen, wenn die für diesen Mittwoch angesetzten Verhandlungen keinen Fortschritt bringen. Die Finanzmärkte reagieren entsprechend, westliche Aktien-Futures sind im Keller, chinesische Aktien sehr schwach, der SSE Composite Index (SSEC) zeitweilig minus sechs Prozent.

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