Gezwitscher

Es gibt einen ganz besonderen Vogel auf dieser Welt, Donald J. Trump mit Namen. Er zwitschert, neudeutsch twittert, den lieben langen Tag. Jüngst hat er dies losgelassen:

Trump zwitschert

Der US-Präsident zeigt sich mit der Politik der Fed unzufrieden, das ist nichts neues. Interessant ist die direkte Beziehung, die Trump herstellt zwischen dem Stand der Aktienmärkte, dem BIP-Wachstum, der Inflation und der Geldflut. Und recht hat er! Ob er allerdings möchte, dass seine Bürger über den tieferen Zusammenhang nachdenken? Wohl nicht.

Die gesamten Schulden der USA belaufen sich auf mittlerweile gut 70 Bill. Dollar, das BIP kommt auf knapp 19 Bill. Dollar. Dabei ist die USA nicht einmal ein extremes Beispiel im Kosmos der industrialisierten Länder auf der Welt. Das, was sich eine so hoch verschuldete Wirtschaft am wenigsten leisten kann, ist eine Schuldendeflation. Dabei reichen bezogen auf den Gesamtumfang der Verschuldung vergleichsweise kleine Pleiten aus, um einen Lawineneffekt zu bewirken, der das gesamte Finanzgebäude zum Einsturz bringen kann. Siehe die Finanzkrise 2008, damals hat nicht viel gefehlt.

Möglicherweise haben Anzeichen einer solchen Entwicklung im Dezember 2018 dazu geführt, dass die Fed in ihrer geldpolitischen Ausrichtung einen radikalen Schwenk vollzogen hat (siehe hier!). Das Vorhaben der Fed, ihre Bilanz zu verkürzen, wird per September aufgegeben, weitere Zinsschritte sind erst einmal nicht in Sicht (ernst wird es, wenn die Fed beginnt, die Leitzinsen zu senken).

In folgendem einfachen Modell werden die jährlichen Veränderungen des nominalem BIPs und der Quote Gesamtschulden zu BIP gegenübergestellt. Steigt die Schuldenquote stärker als das BIP, führt das über eine gewisse Zeit dazu, dass die Schulden nicht mehr tragbar werden, es kommt zu „Trouble“ (siehe rote Linie am oberen Chartrand). 2016 war dies zuletzt der Fall, davor in der Zeit von Ende 2012 bis Mitte 2013 und davor wiederum begann Mitte 2006 eine Periode, in der die Schulden tendenziell nicht mehr tragfähig waren. Die Entwicklung mündete damals schließlich in die Finanzkrise. Aktuell scheint momentan von der Schuldenseite kein unmittelbares Ungemach zu drohen, aber Tempoverlust bei der BIP-Entwicklung gepaart mit weiter ausufernden Schulden schaffen rasch ein andere Situation.

USA: Schulden und „Trouble“



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