S&P 500 – Fokus auf Verständigung im Handelsstreit

Die Akteure an den Aktienmärkten sind mittlerweile so extrem wie selten auf lediglich einen Punkt fixiert – den Ausgang der Verhandlungen zur Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und der VR China. Hopp oder dopp…

Das dürfte auch für die US-Regierung gelten. Ein positiver Abschluss wird dringend benötigt, damit Trump mit einem Erfolg von anderen Schauplätzen ablenken kann. Und zweifellos würde eine konstruktive Einigung auch benötigte Wachstumseffekte freisetzen (siehe hier!). Man durchaus so weit gehen, das von der US-Seite herbeigeführte Scheitern der Atomverhandlungen Nordkorea-USA damit in Verbindung zu bringen. Die VR China hatte eine Annäherung beider Staaten stets kritisch beäugt, mit einem Scheitern kommen die USA China hier entgegen.

Wie auch immer…

Der S&P 500 hat zum Ende der zurückliegenden Woche den Psycho-Pegel von 2800 angekratzt. Anfang Dezember 2018 war er von diesem aus abgestürzt bis auf rund 2350. Seit diesem Tief Ende Dezember zeigt der Index bis heute eine beeindruckende Rallye. Allerdings macht sich in den zurückliegenden Tagen Tempoverlust bemerkbar. Die Bullen werden jedoch gewiss nicht aufgeben, bis es zu einem erneuten Schnitt der EMA50 und der EMA200 kommt. Bis dahin fehlen noch schlappe sieben Punkte, dann wäre das am 11. Dezember gebildete „Death cross“ revidiert, der Schnitt der EMA50 von oben durch die EMA200.

Bis zum Erreichen des ATH aus Ende September fehlen noch 4,7%. Möglich ist alles, auch dass diese relativ kleine Strecke im Handstreich genommen wird. Je rosiger die US-Regierung die Aussichten auf eine Einigung im Handelsstreit darstellt, je wahrscheinlicher wird das. Vorher müssten allerdings noch einige statische und dynamische Widerstände überwunden werden. Nach dem starken Kaufsignal der Stochastik des VIX Ende Dezember, dem Angstmesser an Wallstreet, gab es in der zweiten Hälfte Januar im Kontext der seinerzeitigen FOMC-Sitzung zwei kleine Kaufsignale, sowie in der zurückliegenden Woche ein mittleres Kaufsignal. (Da sich der VIX normalerweise gegenläufig zum S&P 500 entwickelt, ist ein Verkaufssignal der VIX-Stochastik gewöhnlich einem Kaufsignal bei Aktien gleichzusetzen).

Der S&P 500 ist nach Stochastik stark überkauft, sein MACD spiegelt den zuletzt gesehenen Tempoverlust wider. Nach fraktalen Oszillatoren ist der S&P 500 sehr stark überkauft, er befindet sich mit deutlich über 90%iger Wahrscheinlichkeit in einem nicht-stationären Zustand mit erhöhter Rückschlags-Wahrscheinlichkeit. So lange sich der VIX auf niedrigem Niveau befindet (und nach unten tendiert), zeigt das eine geringe Reaktionsbereitschaft gegenüber ungünstigen Nachrichten. Insofern dürfte eine heftige Kurskorrektur noch nicht unmittelbar anstehen, sie dürfte aber nicht mehr fern sein.

Sollte es, wie jetzt verlautbart wird, Mitte März zur Unterzeichnung einer Vereinbarung im Handelsstreit kommen, wäre das die perfekte Situation für „Sell the news“ nach “Buy the rumors“ seit Jahresbeginn (Chartquelle).

Ein Korrektur im S&P 500 lediglich herunter bis zum 62er-Retracement des Abwärtsimpulses (2711) aus Anfang Oktober wäre unkritisch zu sehen. Sie würde den eingeschlagenen Trend eher bestätigen. Korrigiert der S&P 500 bis zum 50er-Retracement (2643), wäre das neutral zu werten. Tendenziell bärisch wäre ein Rückzug auf das 38er-Retracement (2576). Hält dieser Pegel nicht, wäre das Dezembertief bei 2350 das nächste Ziel.

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