Brände in Portugal – ein Naturereignis?

Überall wurde in den Medien von den verheerenden Busch- und Waldbränden im Zentrum Portugals berichtet. Über 60 Menschen starben in dem großen, mit 4000 Menschen dünn besiedelten Waldgebiet.

Jetzt wird heftig über die Ursache der Brände debattiert. Das reicht von einem „trockenen“ Blitzschlag bis hin zu Brandstiftung. Kaum erwähnt wird aber das Stichwort Eukalyptus.

In Portugal wird immer mehr Eukalyptus angebaut. Über 80% aller Neupflanzungen sind Eukalyptus. Dafür werden alte Pinienwälder abgeholzt oder landwirtschaftliche Nutzflächen zweckentfremdet. Der Eukalyptus ist zur weitverbreitetsten Baumart in Portugal geworden. Er wächst schon auf mehr als 800.000 Hektar, einem Viertel der portugiesischen Waldfläche (siehe z.B. hier).

Die Papier- und Zelluloseindustrie expandiert in Portugal. Das Land ist mittlerweile der bedeutendste Hersteller solcher Produkte in Europa. Dazu wird als Rohstoff Holz gebraucht. Eukalyptus kann schon nach sieben bis zehn Jahren geschlagen werden, er ist dafür ideal. Und bringt auch den Waldbesitzern gutes Geld.

Die umweltbelastende Papierherstellung ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für das Krisen-Land Portugal geworden. Die Regierungen gleich welcher Couleur dulden, bzw. fördern den Ausbau der Eukalyptus-Produktion. Ein neues Waldgesetz sollte die Forstwirtschaft im Land in ökologische Bahnen lenken. Das bleibt weitgehend wirkungslos, Zelluloseexporte sind wichtig für die Handelsbilanz, die Ökobilanz hat hintan zu stehen. Und die EU hat einen Großteil der Finanzierung von neuen Plantagenwäldern übernommen.

Eukalyptus braucht extrem viel Wasser, der Baum wächst sehr schnell, er bildet sehr tiefe Wurzeln. So trocknet er die Böden radikal aus. Da er in Monokultur angebaut wird, steigert alleine das schon die Waldbrandgefahr. Mehr noch: Seine ätherischen Öle brennen besonders gut – fängt ein Baum Feuer gibt es richtige Explosionen. Der daraus resultierende Funkenflug sorgt für „zuverlässige“ Ausbreitung der Brände.

Wer jetzt meint, der Zellulose- und Papierindustrie müsse daran gelegen sein, die Waldbrandgefahr einzudämmen, schließlich gefährde das ja ihre eigene Rohstoffversorgung, irrt. Der Industrie macht es wenig aus, wenn Eukalytuswälder brennen. Das Holz ist so feucht, dass nur das Äußere der Stämme verkokelt, ansonsten kann das Holz von dieser Industrie verwendet werden. Wegen der Feuer kommt dann sogar besonders viel auf den Markt, das drückt den Preis. Gut für diese Industrie!

Klar ist, dass bei so viel Gewinn-Verlockungen auch Brandstiftung im Spiel ist – wenn der ursprüngliche Wald erst einmal abgebrannt ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Eukalyptus nachgepflanzt werden kann. Die Feuer übernehmen die Rodung – kostenlos. Es tatsächlich so, dass hier viel kriminelle Energie im Spiel ist, die sich durch die Regierung zumindest gedeckt oder sogar ermuntert fühlt. Anderswo mag mehr die Immobilienspekulation Triebkraft für Brandstiftungen sein. In dem jetzt betroffenen Gebiet in Portugal dürfte das keine bedeutende Rolle spielen – die Eukalyptus-Wüste lockt.

Noch ein Vorteil von Eukalyptus: Seine Samen werden durch Feuer nicht zerstört – im Gegenteil, sie werden zum Austrieb angeregt. So entsteht auf abgebrannten Eukalytus-Kulturen automatisch ein neuer Eukalyptuswald. Und wo erst einmal Eukalyptus gestanden hat, wächst so schnell nichts anders mehr – es gibt dann kaum ein zurück.

So ist auch dieses „Naturereignis“ zu einem wichtigen Teil von uns Menschen gemacht. Hauptsache, die Euro-Krise wird in Portugal überwunden… Und das freut doch alle Europäer, wenn der Euro weniger bröckelt. Und wenn dabei die Umwelt draufgeht? Egal, um die Umwelt kümmern wir uns, wenn wir alle reich sind – versprochen.

[Die Bilder wurden im Sommer 2016 bei den verheerenden Wald- und Buschbränden im Norden Portugals aufgenommen]

Nachtrag:
(19.8.17) Ein im Sommer 2016 vollständig abgebrannter bewaldeter Hang zeigt ein Jahr später bereits die „Inbesitznahme“ durch Eukalyptus-Sprösslinge (ca. 2m hoch, erkenntlich an der blaugrünen Farbe). Außerdem zu erkennen, die Reste des alten, abgebrannten Bewuchses mit hauptsächlich Pinien.

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