Investitionen – ziemlich verhalten

Die Nachfrage nach Investitionen ist ein wichtiger Indikator für die mittelfristigen Wachstumsperspektiven einer Volkswirtschaft. Von der Frage wieviel investiert wird, hängt mit Verzögerung auch das Wachstums der Zahl der Arbeitsplätze und darüber die Nachfrage nach Konsumgütern ab.

Investitionen haben einen Multiplikatoreffekt. Nehmen die Aufträge nach Investitionsgütern schneller zu als das aktuelle BIP, kann davon ausgegangen werden, dass die wirtschaftliche Gesamtleistung in den folgenden Quartalen eher zunimmt.

Der Verlauf neuer Aufträge für Investitionsgüter ist sehr volatil. Daher bietet sich eine Mittelung in einem gleitenden Fenster an. Das sollte allerdings nicht zu groß sein, damit das Bild nicht zu stark verzögert oder sonstwie verfälscht wird und so für eine zeitnahe Analyse unbrauchbar wird.

Der über drei Monate gemittelte Verlauf neuer Aufträge für deutsche Investitionsgüter wird im folgenden Chart gezeigt. Es wird unterschieden zwischen ihrer jeweiligen Herkunft. Schon vor der Finanzkrise 2008 ging die Nachfrage nach Kapitalgütern zurück, in der ersten Hälfte 2008 begann sie absolut zu schrumpfen und fand ein Jahr später, im Frühjahr 2009 schließlich einen Boden. Dann expandierte sie wieder, gezogen v.a. von der Nachfrage aus dem nicht-Euro-Raum. Ende 2011 sanken zunächst die Auftragszuwächse aus dem Ausland unter Null, Anfang 2012 begann auch die heimische Nachfrage erneut zu schrumpfen. Die dann folgende Erholung wurde wiederum von Aufträgen aus dem non-Euro-Raum getrieben. Erst Mitte 2013 wurden auch die jährlichen Zuwächse der Nachfrage aus dem Euro-Raum und aus dem Inland wieder nachhaltig positiv. In der ersten Hälfte 2015 übernahm die Nachfrage aus dem Euro-Raum die Führung, in der Spitze wurde ein Zuwachs von über 20% erreicht. Die nachfolgende Schrumpfung führte Anfang 2016 in den negativen Bereich, ab Mitte des Jahres übernahmen die Aufträge aus dem Euro-Raum erneut die Führung (aktuell +7,9%), während die Nachfrage aus dem Non-Euro-Raum weiterhin schrumpfte. Zuletzt nahmen die Aufträge aus dem Inland wieder zu, sie lagen im März bei +2,6% im Jahresvergleich, die aus dem non-Euro-Raum blieben hingegen mit –2,7% negativ (Datenquelle).

Im großen Bild verlaufen die Aufträge aus dem Inland und aus dem non-Euro-Raum seit Mitte 2013 seit-, abwärts gerichtet. Die aus dem Euro-Raum entwickelten sich besser, aber auch hier weist der Trend aktuell nicht aufwärts. Die Entwicklung ist insgesamt ziemlich anemisch. Zum Vergleich: Mitte 2007 lagen die jährlichen Wachstumsraten bei rund 15%.

In den USA zeigt sich der Verlauf der neuen Aufträge für Kapitalgüter seit Mitte 2013 bis Mitte 2016 beständig sinkend – im Juli 2016 lag er bei -5,6% im Jahresvergleich. Seitdem steigt er jedoch wieder an auf aktuell +3,3%. Auch das ist kein Signal, was auf eine überschäumende Konjunktur hindeutet. Vor 2007 lagen die jährlichen Zuwächse in der Spitze bei fast 15% (Chartquelle).

Der Vergleich zwischen beiden Zeitreihen offenbart auch, dass die Erholung bei den neuen Aufträgen für deutsche Investitionsgüter zwischen 2010 und Mitte 2011 zu einem bedeutenden Teil nicht von den USA getragen wurde, sondern von außerhalb der Dollar-Raums kam.

Alles in allem ist die Diagnose: Der Trend für die deutsche Investitionsgüterindustrie zeigt gegenwärtig eher seit-, bzw. abwärts, beim US-Pendant ist der Trend eher aufwärts gerichtet. Die Wachstumsdynamik scheint jedoch weiterhin insgesamt ziemlich verhalten.

Ergänzung:
Siehe auch „Weltnachfrage versus Euronachfrage und Deutschland wabert dazwischen herum„.

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