Griechenland gibt es ja auch noch…

Seit 2010 läuft das Drama um Griechenland. Alle paar Monate wird um die Auszahlung neuer Kredite gestritten – es ist mal wieder so weit.

Die gute Nachricht zu Beginn: Der Chef des Rettungsfonds ESM, Klaus Regling, ist optimistisch. Griechenland werde ohne weiteres Hilfsprogramm über die Runden kommen. Wenn, ja wenn die nächsten 18 Monate gut genutzt werden, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Und er zeigt sich zuversichtlich, dass dies das letzte Programm ist, das Griechenland machen muss.

„Das letzte Programm“, das haben wir schon öfter gehört. Es war im Nachhinein dann immer das vorletzte. Kann sein, dass es dieses Mal wirklich das letzte Programm ist. Weil das Land vielleicht bald nicht mehr in der Eurzone ist. Kann sein…

Aktuell läuft das dritte Hilfsprogramm noch bis 2018. Es hat ein Gesamtvolumen von bis zu 86 Mrd. Euro. Teil-Auszahlungen werden jeweils davon abhängig gemacht, ob das Land die jeweils geforderten Sparetappen umgesetzt hat. Jetzt kehrt die Troika aus Kontrolleuren des IWF, der EU-Kommission und der EZB wieder nach Athen zurück. Es geht v.a. um zugesagte Renten- und Arbeitsmarkt-„Reformen“. Dann wird entschieden, ob im Sommer weitere sieben Milliarden Euro ausgezahlt werden.

Die Staatsverschuldung kommt wieder auf über 300 Mrd. Euro. Schulden, pro Kopf sind das rund 28.300 Euro. Kein Problem – wenn von den elf Millionen Griechen jeder dritte arbeitet und monatlich 10.000 Euro nach Hause bringt, von denen er 40% Steuern bezahlt, dann ist die Geschichte in nicht einmal zwei Jahren ausgestanden. Leider ist aber das griechische BIP gegenüber 2009 um rund 25% geschrumpft. Außerdem verdienen 40% der Griechen mittlerweile im Monat weniger als 700 Euro (brutto). Und die Arbeitslosenquote liegt bei 25%. Also dauert es dann doch ein wenig länger mit der Rückzahlung der Schulden, so etwa bis zum St.-Nimmerleins-Tag.

Aber aus Brüssel kommen eben immer diese alternativen Neuigkeiten, wonach alles wunderbar und im Plan ist und Griechenland bald keine Hilfe mehr benötigt.

Das Hilfsprogramm für Griechenland war und ist ein einziger Lug und Betrug. Die Kredite können nicht zurückgezahlt werden. Die Gelder aus den Hilfsprogrammen sind in ihrem Kern Transfer-Zahlungen von den Gläubigern an Gläubiger. Private Gläubiger sind im Zuge der ganzen Hilfspakte fast vollständig rausgehauen worden aus griechischen Staatsschulden.

Immer wieder wird -im Prinzip zu recht- ein Schuldenschnitt gefordert. Ein kleines Problem dabei: Griechische Banken halten Schulden ihres Landes im Volumen von rund 100 Mrd. Euro. Gäbe es einen Schuldenschnitt, wären diese noch mehr pleite als jetzt schon.

In Griechenland wird vorexerziert, dass dieser EU soziale Belange schnuppe sind, es geht einzig um die Interessen der Finanz-Wirtschaft. Griechenland ist bezogen auf die gesamte EU von unbedeutender Größe, hier kann man versuchen, ein Exempel zu statuieren, schwerwiegende Konsequenzen muss man nicht befürchten.

Die wahre Belastungsprobe kommt z.B. mit Italien.

Nachtrag:
(3.3.17) Dr. Daniel Stelter zu Griechenland: „Schauspiel der Illusionisten

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