Stimmung verschlechtert sich

Das US-Verbrauchervertrauen hat „gepatzt“. Es kam mit 92,2 deutlich schwächer herein als mit 97,0 erwartet. Bei 90 liegt eine wichtige Schwelle. Das Bild deckt sich mit dem anderer Erhebungen des US-Verbrauchersentiments.

Und nicht nur das: Der Flash Eurozone Composite Index Produktion kommt im Februar mit nur noch 52,7 auf ein 13-Monatstief, nach einem Finalwert im Januar von 53,6. Der Flash Deutschland Composite Index Produktion erreicht im Februar mit 53,8 ein sieben-Monatstief nach einem Finalwert Januar von 54,5. Die Industrieproduktion wurde mit der niedrigsten Rate seit November 2014 ausgeweitet. Wegen des anhaltenden Preisverfalls bei Öl und Energie sowie einiger metallischer Rohstoffe meldet die Industrie den stärksten Rückgang der durchschnittlichen Einkaufspreise seit Juli 2009.

Der US-Fertigungs PMI (Flash) signalisiert mit 51,0 die schwächste Performance in über drei Jahren. Im Februar geht erneut Momentum verloren, nachdem der Januar 2016 mit 52,4 noch einen ermutigenden Start in das neue Jahr hingelegt hatte. Die Output-Preise sind so stark gefallen wie zuletzt Mitte 2012, auch das schwache Wachstum von Neugeschäft und Beschäftigung belastet.

Der Flash Japan Manufacturing PMI fällt im Februar mit 50,2 auf ein acht-Monats-Tief nach 52,3 im Januar. Der Index des Fertigungs-Outputs erreicht mit 50,6 den langsamsten Anstieg in der nunmehr zehn Monate dauernden Expansionsphase.

Der ifo-Index haut in dieselbe Kerbe. Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft Deutschlands sank von 107,3 Punkten im Januar auf 105,7 Punkte im Februar. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich erneut verschlechtert, es ist der dritte Rückgang in Folge. Die Unternehmen waren erstmals seit mehr als einem Jahr mehrheitlich pessimistisch bezüglich ihrer Geschäftsaussichten, schreibt das Institut. Das Muster aus Rückgang der Erwartungen und besserer Lagebeurteilung zeigt sich in vielen Sparten. Die Industrie befürchtet eine Fortsetzung des Abschwungs, nachdem ihre Produktion am Jahresende bereits rückläufig war.

Die deutschen Exportfirmen gehen nach einer weiteren Untersuchung des ifo-Instituts von einem langsameren Wachstum ihrer Exporte aus. Die Exporterwartungen sanken im Februar auf 4,5 Saldenpunkte, nach 7,4 im Vormonat. Das Abflauen der weltwirtschaftlichen Dynamik schlägt sich in der deutschen Exportindustrie immer deutlicher nieder. Der Rückgang der Exporterwartungen traf nahezu alle wichtigen Branchen.

Damit kann festgehalten werden: Die Stimmung in der Fertigungsindustrie, aber auch bei den Verbrauchern, hat sich im Februar überall auf der Welt deutlich verschlechtert. Die Stimmungsverschlechterung basiert dabei auf handfesten Schwäche-Signalen zahlreicher Makrodaten, wie ich es u.a. hier und hier diskutiert habe.

Scott Minerd von Guggenheim Investments sieht die gegenwärtige Periode an den Finanzmärkten als „die große Rezessionsangst 2016“ in die Geschichte eingehen. Dabei verweist er auf folgendes Szenario: Kollabierende Ölpreise dürften in Q1 oder Q2 zu einem Anstieg von Pleiten im Energiesektor führen. Das lässt die Renditen auch in anderen High-Yield Sektoren ansteigen. Märkte und Politiker reagieren darauf so, als stünde eine Rezession oder eine ausgewachsene neue Finanzkrise bevor. In diesem Szenario der Angst könnten die Zentralbanken auf der Welt unangemessen panisch agieren und so Druck auf die langfristigen Zinsen ausüben.

Minerd sieht daher die Rendite der 10-year TNotes zum Jahresende auf ein Prozent oder sogar darunter sinken. Technisch gesehen läge der Boden hierfür sogar bei lediglich 0,28%. Das erscheine zwar übertrieben, aber schließlich gebe es mittlerweile reihenweise negative Renditen auch für längerfristige Staatsanleihen in Japan und in Europa, schreibt er.

Minerd glaubt jedoch u.a. anhand der BIP-Echtzeit-Schätzung „GDPNow“ der Fed von Atlanta, dass sich „die große Rezessionsangst 2016“ als unbegründet erweisen wird. GDPNow sagt aktuell ein BIP-Wachstum von 2,6% für das laufende Quartal voraus. Der Konsens liegt bei +2,2%. Er sieht daher die US-Wirtschaft weder in einer Rezession, noch sieht er in diesem Jahr eine kommen. Die US-Wirtschaft stehe unter Dampf und dürfte ihre Expansion noch zwei oder sogar drei Jahre fortsetzen, sagt er. Er erinnert u.a. an 1987, als es nach dem Crash im Herbst noch zwei Jahre dauerte, bis sich eine Rezession entwickelte. In dieser Zeit sei mit Aktien viel Geld zu verdienen gewesen, heißt es.

Wenn die US-Rendite tatsächlich den Verlauf nimmt, wie von Minerd angenommen, bedeutet das nichts anderes als dass sehr viel Angst in den Finanzmärkten umgeht. Angst ist aber gleich Flucht aus riskanten Assets (wie z.B. Aktien) in „sichere“ Anleihen.

Ich sehe die US-Wirtschaft nicht unter Dampf stehen. Aber selbst wenn, so ist die Gefahr groß für eine Spirale sich selbst verstärkender negativer Erwartungen und daraus folgenden Makroentwicklungen. Schließlich steht die Mehrheit der Volkswirtschaften auf der Welt ganz sicher nicht unter Dampf. Aus einer solchen Gemengelage gibt es immer erst dann ein Entkommen, wenn die Stimmung deutlich schlechter als die Lage geworden ist. Darüberhinaus fällt es mir schwer, schlagkräftige Gründe für Makrooptimismus zu erkennen – die Angst vor einer Rezession erscheint mir durchaus berechtigt.

Rezession oder nur panische (letztlich aber unbegründete) Angst davor – für Aktienanleger scheint dieses Jahr turbulent zu bleiben.

[Quelle für die Markit-Flash-PMIs hier]

Ergänzung:
Der „Cleveland Financial Stress Index“ zeigt unter Berücksichtigung zahlreicher Zeitreihen aus dem Finanzsektor (auch außerhalb der USA) einen mitlaufenden Indikator für Stress im Finanzsystem. Aktuell steht dieser an der Grenze zu signifikantem Stress.

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