US-Arbeitsmarktdaten schwach

Der US-Arbeitsmarktbericht für Januar hat stark enttäuscht. Beobachter hatten mit 190.000 neuen Stellen im non-farm-Bereich gerechnet. Stattdessen wurden nur 151.000 erreicht. Zudem wurde die Zahl neuer Jobs für den Vormonat Dezember abwärts revidiert um 30.000 auf 262.000.

Nehmen wir die Anzahl der Stellen zunächst einmal so wie sie gemeldet worden sind. Vor 2000 wurde im Jahresvergleich mit 3,5% Zuwachs Mitte der 1990er Jahre ein Maximum erreicht. Selbst im Mai 2000 kam der jährliche Zuwachs noch auf knapp 2,6%. Nach 2000 wurden im April 2006 mit 2,2% und im März 2015 mit fast 2,3% lokale Maxima erzielt, die aber deutlich unter den Zuwächsen vor 2000 liegen. Aktuell kommt der Zuwachs noch auf 1,90% gegenüber Januar 2015. Im August 2014 begannen sich die Arbeitsplätze schneller zu entwickeln als es dem Trend entspricht. Diese Phase hält mit den aktuellen Daten für Januar 2016 an. Noch – denn es fehlt nur noch sehr wenig, damit sich in dieser Auswertung Tempoverlust bemerkbar macht.

1,9% Zuwachs auf Jahressicht ist noch kein so schlechter Wert, mag man einwerfen. Er liegt ja immer noch klar über den 0,8% vom Dezember 2007, als die damalige Rezession begann. Auch das jüngste Tief im Jahreszuwachs von 1,5% aus März 2013 ist noch nicht unterschritten. Allerdings dürfte in den nächsten Monaten der Effekt einer relativ hohen Vergleichbasis zuschlagen. Wenn sich der Tempoverlust bei der Arbeitsplatzenwticklung insgesamt fortgesetzt, sinkt die Jahresrate beschleunigt.

John Williams von shadowstats.com zweifelt an den offiziellen Zahlen. Sie könnten ein Artefakt der saisonalen Bereinigung sein. Die nicht angepassten Werte zeigen für Dezember 2015 144,112 Millionen Arbeitsplätze, für Januar 2016 sind es 141,123 Millionen, also eine Abnahme um 2,989 Millionen. Saisonal bereinigt werden hingegen 151.000 neue Jobs gemeldet.

Und weiter zur Frage, wo neue Jobs entstanden sind. 69% entfallen auf Dienstleistungen im Einzelhandel und Gastgewerbe. Im Einzelhandel sind 57.700 neue Arbeitsstellen geschaffen worden. Das mutet ein wenig seltsam an nach dem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft im traditionellen Einzelhandel. Gleichzeitig wurden im Lager- und Transportwesen 20.300 Jobs gestrichen. Paul Craig Roberts denkt, dass Teilzeit-Arbeitsplätze eine kleinere Menge von ausgelaufenen Vollzeit-Stellen ersetzt haben könnten. Das sei dann eine schlechte, keine gute Nachricht.

75% der im Januar neu geschaffenen Arbeitsplätze liegen unter dem Median der durchschnittlichen Stundenlöhne. Das nimmt die Entwicklung der zurückliegenden Monate wieder auf.

Die Stundenlöhne steigen seit Anfang 2015 an, sie liegen im Januar 2016 um 2,5% höher als im Januar 2015. Das wiederum stieß den Aktienbullen zusätzlich zu der schwachen Entwicklung bei den neuen Arbeitsplätzen sauer auf. Denn dies rief sogleich wieder Bedenken wach, die Fed könnte wegen der höheren Löhne Inflationsgefahr wittern und aus diesem Grunde die Leitzinsen länger hoch halten. Wo doch gerade einige Fed-Beobachter Parallelen ziehen zu 2008, als die Fed die Zinsen nicht zügig genug senkte und sich so ihrer Meinung nach schuldig machte hinsichtlich der damals aufkommenden Rezession.

Insgesamt sind das keine berauschenden Zahlen. Die Zeichen verdichten sich, dass sich die US-Konjunktur weiter abschwächt

Ergänzung:
Dass es sich beim Tempoverlust bei der Arbeitsentwicklung nicht um eine singuläre Erscheinung handelt, wird auch deutlich, wenn man die Industrieproduktion, die Kapazitätsauslastung und die Wertentwicklung ausgelieferter Schwerlast-LKWs in den USA verfolgt (Chartquelle). Alle Zeitreihen zeigen im Dezember signifikante Schwäche im Vergleich zum Vorjahr mit -1,8%, -3,2%, bzw. -4,3%. Der dritte Indikator läuft Rezessionen gegenüber deutlich vor. Sein Rückgang bestätigt die schwächelnde Industrieproduktion, die Situation sieht insgesamt ungünstiger aus als 2013, als diese Indikatoren zuletzt klar schwächelten.

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