Euro/Dollar – bald Tiefpunkt erreicht?

Spannende Frage – wie weit geht Euro/Dollar noch abwärts? Es liegt nahe, dass das Währungspaar (bzw. die Spekulation) die Parität im Auge hat. Die Short-Positionen auf den Euro sind so hoch wie Mitte 2012, bevor EZB-Draghi versicherte, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Mitte 2010, als die Griechenland-Krise zum ersten Mal ausbrach, waren die Short-Positionen halb so hoch. Wenn ein lokales Maximum der Short-Positionen erreicht war, kam es bald danach in beiden Fällen beim Wechselkurs Euro/Dollar zu einer unteren Umkehr.

Seit den frühen 1970er Jahren, dem Ende des Regimes von Bretton Woods und der Abkehr von festen Wechselkursen, hat der Euro gegen Dollar um 2,5% jährlich aufgewertet. Dr. Martin Hüfner, assénagon, schreibt in seinem Wochen-Thema „Ein ganz langfristiger Blick auf den Euro“, dass sich der Wechselkurs Euro/Dollar über den gesamten Zeitraum in einem aufwärtsgerichteten Trendkanal bewegt. Dessen Grenzen verlaufen gegenüber seiner Mitte um etwa jeweils 25% höher, bzw. tiefer. In der gesamten Zeit gab es drei große Zyklen. Der erste endete 1985 mit der Dollarhausse unter Reagan. Der zweite erreichte seinen Tiefpunkt im Umfeld der Euro-Einführung zur Jahrtausendwende. Der dritte läuft zurzeit, die untere Begrenzung des Aufwärtskanals notiert aktuell bei 1,06/1,07 (Chartquelle).

Die Regelmäßigkeit ist interessant – alle 15 Jahre wurde ein Tief ausgebildet. Das weist auf starke strukturelle Einflüsse hin. Ein Kondratieff-Zyklus ist z.B. mit um die 55 Jahre rund vier mal so lang. Ein langer Zinszyklus überdauert etwa 30 Jahre, ist also etwa doppelt so lang wie ein Zyklus in Euro/Dollar.

Ein Ereignis, das eine untere Umkehr einleiten oder, besser, begleiten könnte, ist der Start des QE-Programms der EZB im März. Auf dieses Ereignis ist lange hin-gewettet worden, große Akteure haben sich mit europäischen Staatsanleihen voll geladen, die sie nun gerne der EZB überlassen möchten. Noch sind die genauen Modalitäten nicht klar – hier dürfte die EZB-Sitzung am Donnerstag Licht hinein bringen.

Sehr wahrscheinlich ist auch die beständige Schwäche des Euro in diesem Zusammenhang gut zu erklären – im Euroraum aufgenommene Kredite dürften ins Ausland transferiert worden sein, um damit Assets zu kaufen. Vermutlich wird sich die EZB bald starkem Druck ausgesetzt sehen (von steigenden Zinsen für Staatsanleihen der Euro-Krisenländer ausgehend), ihrem QE-Programm Dampf zu machen – in Anlehnung an ein „old German saying“: „Wer sich in Gefahr begibt, muss es ausbaden.“

Eine untere Umkehr bei Euro/Dollar dürfte wichtige Signalwirkung haben für zahlreiche andere Assetklassen, so etwa für Gold, das über die Jahre gesehen eine eher positive Korrelation zu Euro/Dollar aufweist (aus US-Sicht kann Gold als Absicherung gegen Dollar-Entwertung angesehen werden). Vermutlich werden US-Renditen dann auch eher wieder unter Druck kommen, was die Aufwärtstendenz bei Euro/Dollar unterstützt. Da Rohstoffe aus langfristiger Sicht v.a. wegen ihrer Notation in Dollar auch eher positiv korreliert mit Euro/Dollar sind, dürfte auch hier Unterstützung nahe sein.

Dass dies nicht ohne Turbulenzen ablaufen wird, scheint naheliegend.

Und was ist, wenn sich die Geschichte nicht wiederholt und Euro/Dollar seinen 15-jährigen Zyklus beendet und die untere Begrenzung des mehrere Dekaden langen Aufwärtskanals bricht? Dann dürfte es vermutlich richtig turbulent werden…

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