Banken und Austerität – Ursache und Wirkung

Es gibt wahrscheinlich eine Menge Gründe, warum die Schuldenhebel der Banken ab der Jahrtausendwende so in die Höhe geschnellt sind, schreibt Simon Wren-Lewis: Reduzierte Regulierung, Unterschätzung der systemischen Risiken hoher Schuldenhebel, Jagd nach Rendite in Zeiten niedriger Zinsen, Gier. Die Bankprofite stiegen, genauso die Einkommen der Bankbediensteten.

Die Konsequenz der steigenden Verschuldung war unausweichlich, eine größere globale Finanzkrise. Banken wurden mit öffentlichen Mitteln herausgehauen. Das produzierte einen großen negativen Nachfrageschock, dem die Geldpolitik nichts entgegenzusetzen hatte, weil die nominalen Zinsen gegen Null fielen. (Chartquelle)

In den USA und in Großbritannien begegneten die Regierungen der Rezession mit großen fiskalischen Anreizen, das ließ zusammen mit der Bankenrettung die Staatsverschuldung deutlich steigen. Wie Reinhart und Rogoff belegen, führen Kreditblasen im allgemeinen zu Staatsschuldenkrisen.

Alan Taylor und Ko-Autoren zeigen darüber hinaus, dass Rezessionen tiefer und länger ausfallen, wenn sie von Finanzkrisen begleitet werden und sie werden noch tiefer und länger, wenn vor der Finanzkrise eine Kreditblase entstanden war. Die danach folgende Erholung wird umso mühsamer, je mehr eine Kreditkrise mit hohen Staatsschuldenpegeln zusammenfällt.

Bei Beginn der Rezession bestand außerhalb der Eurozone noch keine Staatsschuldenkrise. Im Gegenteil, es gab sogar weitverbreitete Bedenken gegenüber höheren Schulden. So hat Obama im November 2009 davor gewarnt, überbordende Staatsdefizite könnten eine doppelte Rezession auslösen. Krugman schreibt diese Bedenken dem Einfluss sehr einflussreicher Leute aus dem Dunstkreis der Finanzindustrie zu. Wren-Lewis vermutet, dass dabei Selbst-Interesse im Spiel war. Die Folgen der lockeren Bank-Regulierung mussten verschleiert werden, mehr noch und zynischer, große Banken brauchten niedrigere Staatsschuldenpegel, um ihren Bailout glaubwürdiger zu machen.

Wenig beachtet, gab es neben den direkten staatlichen Finanzhilfen noch indirekte Hilfen, die der IWF in einem aktuellen Bericht nach einer Zusammenfassung von Simon Johnson auf 70 Mrd. Dollar für die USA und bis zu 300 Mrd. Dollar für die Eurozone beziffert.

In der Eurozone gab es zu Beginn der Großen Rezession im Gegensatz zu den USA sehr wohl bereits eine Staatsschuldenkrise. Die griechische Regierung hatte schon jahrelang zu viel ausgegeben. Noch allerdings hätte dies relativ schnell gelöst werden können, wenn die Regierung damals insolvent gegangen wäre und die EZB für andere solvente Regierungen sogleich unbegrenzte Unterstützung angeboten hätte. Der griechische Staatsbankrott hätte allerdings zu hohen Verlusten europäischer Banken geführt und möglicherweise eine zweite Finanzkrise ausgelöst. Also wurde er hinausgezögert, um ihnen Zeit zu geben, den Schaden in Griechenland zu minimieren und anderswo zu vermeiden, gleichzeitig wurden der europäischen Peripherie drakonische Sparmaßnahmen auferlegt.

In einem sehr direkten Sinn haben Banken in der Eurozone Austerität verursacht, schreibt Wren-Louis und zitiert Philippe Legrain, früher Berater des Präsidents der Europäischen Kommission: “Die entscheidende Ursache der Krise war die unverantwortliche Kreditvergabe deutscher und französischer Banken (sowohl direkt als auch über lokale Banken) an spanische und italienische Hausbesitzer, portugiesische Verbraucher und die griechische Regierung. Aber indem Kanzlerin Merkel darauf bestand, dass griechische, irische, portugiesische und spanische Steuerzahler voll für die Fehler jener Banken bezahlen, hat ihre Regierung und ihre Handlanger in Brüssel die Interessen deutscher und französischer Banken gegenüber denen der Bürger der Eurozone systematisch bevorzugt.“

Der politische Einfluss der Banken ist enorm: Wren-Louis zeigt das hier für die USA und Großbritannien und schreibt, es sei unwahrscheinlich, dass es in der Eurozone anders ist (Anm.: Nach dieser Quelle arbeiten in Brüssel 1700 Bank-Lobbyisten). In der Eurozone gab es als direktes Ergebnis der Austerität eine zweite Rezession. Am Ende versprach die EZB mit ihrem OMT-Programm im Prinzip unbegrenzten Suppoert für solvente Eurozonen-Regierungen, aber das kam erst, nachdem die Austerität in Form des Fiskalpakts festgezurrt worden war. Änderungen bei der Bank-Regulierung griffen viel zu kurz, um eine weitere Krise zu verhindern, weil die Banken warnten, eine zunehmende Regulierung würde ihre Möglichkeiten einschränken, Kredite zu vergeben, wodurch die Rezession verlängert würde.

Finanzkrise und Austerität sind keine zwei unterschiedlichen Geschichten, Einfluss und Ansprüche der Banken verbinden beide. Was mit den Banken beginnt, endet mit den Banken, zitiert Wren-Lewis am Schluss aus dem Buch „Austerity: The History of a Dangerous Idea“ von Mark Blyth.

Anmerkung:
Spätestens 2004 war durch den späteren Fed-Chef Bernanke die „Große Moderation“ ausgerufen worden, nach der schwere zyklische Krisen der Vergangenheit angehören. Diese Ideologie “legitimierte“ die Ende der 1990er Jahre eingeleitete Reduzierung der Regulierung der Banken und begünstigte die Unterschätzung der systemischen Risiken hoher Schuldenhebel durch die Notenbanken.

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