EZB: Nichtstun – rosige Aussichten

Die EZB sieht keine Veranlassung, an ihrer Geldpolitik etwas zu ändern. Das ist die Quintessenz ihrer gestrigen Rats-Sitzung. Die meisten Beobachter hatten „irgendetwas“ erwartet, was – darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Der IWF hatte noch kurz vorher eindringlich auf die Deflationsrisiken hingewiesen und eine deutliche geldpolitische Lockerung gefordert.

Viele Akteure hatten auf einen fallenden Euro gesetzt – sie wurden schnell eines Besseren belehrt. Der Euro stieg gegen Dollar nach Bekanntwerden der Entscheidung rasant auf 1,3860 und zeigt sich heute erneut fester – so fest wie seit Herbst 2012 nicht mehr. Die englische Barclays Bank hatte im Vorfeld der EZB-Sitzung Investoren geraten, auf einen fallenden Euro zu spekulieren – ein Fehler, wie sie später einräumte.

Zur Begründung für das Nichtstun wurde hauptsächlich auf die wirtschaftlichen Projektionen verwiesen. Die EZB ist nun außerordentlich positiv gestimmt, so scheint es (Tabelle von Eurointelligence).

Klar zu erkennen, dass diese Projektionen auf einer Export-getriebenen Erholung basieren. Gegen Ende des Prognosezeitraums soll die Inflation dann auch wieder Richtung EZB-Ziel unterwegs sein. Daraus zieht die EZB den Schluss, die Inflationserwartungen seien gut verankert, so wie sie das seit Jahr und Tag verkündet. Den Erwartungskorridor hinsichtlich Preisentwicklung zeigt der folgende Chart.

Damit wird deutlich, dass die EZB keine wirklichen Deflationsgefahren sieht. Wahrscheinlicher ist nach diesen Projektionen, dass die Inflation die Zielmarke von 2% überschreitet. Draghi verwies darauf, dass diese Prognose weiter sinkende Ölpreise unterstellt. In Notenbankkreisen heißt es, dass schon unter Annahme konstanter Ölpreise die Inflation dem EZB-Ziel sehr nahe käme. Dann steige die Inflationsrate (HICP) im Jahresdurchschnitt 2016 auf 1,7%, im vierten Quartal 2016 sogar auf 1,9%.

Draghi stellte heraus, dass die Geldmenge zwar weiter nur gering wächst (plus 1,2% im Januar), aber es gibt nach wie vor einen signifikanten Zufluss von Cash in die Eurozone hinein (siehe auch hier!).

Dem Export-orientierten DAX gefällt das alles nicht besonders – er lag am späten Vormittag 0,8% im Minus, nachdem er sich schon gestern gerade noch auf Vortagsschluss behaupten konnte.

Euro/Dollar befindet sich nach langfristigem Monatschart nun in einer äußerst spannenden Konstellation: Kommt es zum Ausbruch über die Abwärtslinie aus 2008 oder zu einem Rückfall unter 1,35 und dann unter die untere, von Mitte 2012 herkommende Begrenzung des aktuellen Dreiecks? Beim Ausbruch nach oben wäre ein charttechnisches Kursziel bei gut 1,60 zu erwarten, dem Allzeithoch aus 2008. Im umgekehrten Fall wäre damit zu rechnen, dass die Zone bei 1,20 angesteuert und wahrscheinlich unterschritten wird.

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