Weltbank: 2014 – Jahr des Wachstums

Die Weltbank schätzt die Aussichten für die globale Wirtschaft so gut wie lange nicht mehr ein. In ihrem Bericht zur Lage der Weltwirtschaft prognostiziert sie für die Weltwirtschaft eine Zunahme des BIP um 3,2% nach 2,4% in 2013. 2015 soll ein Wachstum von 3,4%, in 2016 eines von 3,5% erreicht werden.

Die Industriestaaten könnten sich nun endlich aus ihrer jahrelangen Krise befreien, heißt es. Sparprogramme liefen aus und die politische Unsicherheit verliere an Bedeutung. Zum ersten Mal seit 2008 gebe es Anzeichen, dass in diesen Ländern eine nachhaltige Erholung begonnen hat. „Die Leistung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften nimmt an Kraft zu und das sollte in den kommenden Monaten stärkeres Wachstum in den Entwicklungsländern unterstützen“, sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim. Die Industrie-Länder sollen in 2014 um 2,2%, danach um 2,4% wachsen. In 2013 hatten sie leglich ein Wachstum von 1,3% vorweisen können.

Auch für die Eurozone soll es laut Weltbank aufwärts gehen: In diesem Jahr könnte sie ein Wachstum von 1,1% erreichen, 2015 sollen es 1,4% werden, 2016 dann 1,5%. Die USA schaffen mehr, nämlich 2,8% in 2014, 2,9% in 2015 und 3,0% in 2016.

Die Emerging Markets sollen nach einem Wachstum von 4,8% in 2013 in 2014 um 5,3% wachsen, in den dann folgenden Jahren um 5,5% und 5,7%. Die Wachstumsrate der Entwicklungs- und Schwellenländern liegt deutlich unter den Wachstumsraten in der Boomphase vor dem Ausbruch der Finanzkrise zwischen 2003 und 2007. Das sei aber kein Grund zur Besorgnis, schreiben die Autoren des Berichts. Anhaltendes Wachstum in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, soll der globalen Konjunktur ebenfalls Rückenwind geben.

„Zum ersten Mal seit fünf Jahren werden die Entwicklungsländer nicht der einzige Motor der Weltwirtschaft sein“, sagt Andrew Burns, Leiter der aktuellen globalen Konjunkturprognose der Organisation, den „Global Economic Prospects“. „Mit den reichen Ländern wird es eine zweite Lokomotive der Weltwirtschaft geben.“

„Die Wachstumsunterschiede spiegeln wieder, dass sich das wenig nachhaltige Turbowachstum aus der Zeit vor der Finanzkrise abgekühlt hat. Diese Entwicklung bedeutet aber nicht, dass die Volkswirtschaften nennenswert an Wachstumspotenzial verloren haben,“ heißt es in dem Bericht.

Die Normalisierung der Wachstumsraten der reichen Volkswirtschaften dürfte nach Ansicht der Autoren dafür sorgen, dass sich der Politikstil der Regierungen und Notenbanken ebenfalls normalisiert. Das birgt aber auch erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft und insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Rückkehr zur Normalität bedeutet für die Geldpolitik höhere Leitzinsen und ein Zurückfahren der laufenden QE-Programme. Das könnte vor allem für diejenigen schnell wachsenden Schwellenländer gefährlich werden, die stark von ausländischem Kapital abhängig sind.

Wie stark die wirtschaftliche Stabilität dieser Länder von der Geldpolitik der Fed abhängt, wurde im vergangenen Sommer deutlich, als Investoren in Erwartung einer strafferen Geldpolitik Gelder aus Schwellenländern wie der Türkei und Indien abzogen. Diese Folgen wirken heute noch nach.

In den zurückliegenden zwei Dekaden gab es dramatische Änderungen bei den Kapitalzuflüssen in die EMs. Nach 2008 haben diese im Mittel etwa 6% ihres BIP ausgemacht, wofür hauptsächlich die historisch niedrigen Zinsen in den Industrieländern verantwortlich waren. Mit einer Normalisierung der Situation in diesen Ländern können die EMs einerseits eine steigende Nachfrage nach von ihnen hergestellten Gütern erwarten, andererseits müssen sie mit steigenden Zinsen und schwächeren Kapitalzuflüssen rechnen.

Burns hofft, dass die Normalisierung der Geldpolitik ruhig abläuft und die Kapitalflüsse in die Entwicklungsländer bis Mitte 2016 geordnet um circa 15% sinken. Im wahrscheinlichsten Szenario einer solchen geordneten Normalisierung dürfte das weltweite Zinsniveau per Mitte 2016 auf 3,6% steigen und die Kapitalzuflüsse in die EMs bezogen auf ihr BIP um 0,6% zurückgehen.

Trotzdem bleibt das Risiko abrupter Änderungen als Folge veränderter Markterwartungen. Dann könnte es auch über einige Quartale zu einem Zinsanstieg von 200 bis 300 Basispunkten kommen, verbunden mit einem scharfen Rückzug des Kapitalflusses in die EMs um 50 bis 80% auf Dauer einiger Monate.

Das könnte Länder, die in den zurückliegenden fünf Jahren eine deutliche Kredit-Expansion erlebt haben, besonders treffen. Spezielle Risikofaktoren sind ein hoher Anteil an ausländischen oder kurzfristigen Krediten, sowie ein hohes Leistungsbilanz-Ungleichgewicht.

Burns warnt: „Das könnte in den verletzlicheren Volkswirtschaften Krisen auslösen.“ Damit sind v.a. Thailand, Brasilien, Ungarn, Serbien und Bulgarien gemeint. „Die Regierungen der betroffenen Ländern sollten sich auf die Normalisierung der Geldpolitik vorbereiten“, sagt er. „Vielleicht haben sie dafür noch viel Zeit, unter Umständen aber nur noch wenige Wochen.“

Die Weltbank sieht als wahrscheinliches Szenario hinsichtlich Kapitalfluss in die Emerging Markets eine geordnete Anpassung an. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass man eher davon ausgehen sollte, dass sich die Entwicklung ab einem bestimmten Punkt überschlägt – Anklänge an die Asienkrise in den späten 1990er Jahren.

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